Offenbar multitaskingfähig: Oliver Ruhnert bei Transfergesprächen und beim gleichzeitigen Kicken von Bällen.
Offenbar multitaskingfähig: Oliver Ruhnert bei Transfergesprächen und beim gleichzeitigen Kicken von Bällen. Imago/Matthias Koch

Ob der Skispringer auf der Schanze immer richtig den Bakken trifft? Ungewiss! Ob ein Börsianer immer den richtigen Moment findet, sein Depot zum Höchststand zu verkaufen? Auch oft eher Glückspiel. Ob ein gewisser Oliver Ruhnert den richtigen Zeitpunkt findet, einen Spieler der 1. FC Union zu transferieren? So sicher wie das Amen in einem Ort, der in diesem säkularisierten Landstrich deutlich weniger ausverkauft ist als die Alte Försterei an Spieltagen.

Dazu muss man sich die vergangenen vier Jahre nur noch mal genauer vor Augen führen. Es ist unglaublich, mit welcher Präzision Ruhnert Kicker dann verscherbelt, wenn sie in Köpenick auf dem Höhepunkt zu sein scheinen – und damit richtig Schotter bringen – und wie sie danach eigentlich weiter agieren. Meist eher durchwachsen.

Schauen wir auf das Beispiel Sebastian Andersson. Der Schwede, vor der Aufstiegssaison 2018/19 ablösefrei von Absteiger Kaiserslautern gekommen, wechselte nach zweimal zwölf Toren für die Köpenicker und nach der ersten Bundesligasaison für satte 6,5 Millionen Euro zum 1. FC Köln. Der Aufschrei war zunächst groß an der Wuhle!

Andersson war Ruhnerts erster Coup für den 1. FC Union

Wer, bitteschön, soll denn jetzt die Tore für den Klassenerhalt machen? Ob der Blondschopf sie weiter so zuverlässig für die Eisernen gemacht hätte, kann getrost bezweifelt werden. Andersson plagte nach seinem Wechsel in die Domstadt lange Zeit derartige Knieprobleme, dass die Geißböcke schon glaubten sie hätten sich einen Sportinvaliden andrehen lassen.

Glücklich wurde Andersson in Köln nicht wirklich. Und soll heute schon wieder weg. Und die Tore für Union schossen dann ein gewisser Max Kruse (11) und Liverpool-Leihgabe Taiwo Awoniyi (5).

Den Vogel schossen die Eisernen in der Vorsaison ab. Robert Andrich, einst für 1,15 Millionen bei Zweitligist Heidenheim ausgelöst, nahm eine solche Entwicklung in Köpenick, dass er Bayer Leverkusen 6,5 Millionen Euro wert war. Der gebürtige Potsdamer stellt dann auch die große Ausnahme da. Er performte dermaßen gut bei der Werkself, dass es eigentlich ein kleines Wunder ist, dass Bundestrainer Hansi Flick ihn nicht bei der Nationalelf reinschnuppern ließ.

Awoniyi war Ruhnerts Meisterstück

In der Spielzeit flossen noch zwei weitere Millionen-Ablösen nach Köpenick. Marvin Friedrich bescherte Union nach der Winterpause 5,5 Millionen Euro und Gladbach bislang einen Kicker, der weit unter seinen Möglichkeiten agierte. Dazu ging Max Kruse, für lau gekommen aus der Türkei, für satte 5 Millionen Euro nach Wolfsburg. Zugegeben, ein Unterschiedsspieler. Aber da auch schon fast 34! An guten Tagen ist er auch bei den Niedersachsen immer noch ein Unterschiedsspieler. Aber diese Tage wurden in der Rückrunde 2021/22 immer weniger. Und derzeit riecht es nach Abschied …

Diesen Sommer nun das Meisterstück. Ohne Ruhnerts Engagement und Hartnäckigkeit hätte Taiwo Awoniyi nach seiner Leihe niemals den Weg zurück nach Köpenick gefunden. Er kam, er sah, er traf. Satte 20,5 Millionen Euro bescherte der Bundesliga-Rekordtorschütze Awoniyi den Köpenickern.

Wenn man die Einkaufssumme von 6,5 Mio. und den Nachschlag an Liverpool in Höhe von 2 Millionen Euro bedenkt, immer noch ein verdammt gutes Geschäft. Zumal sein Nachfolger Jordan Siebatcheu derzeit jeden Cent seiner Ablöse von 6 Millionen Euro wert zu sein scheint.

Fast untergangen ist dabei, dass Marcus Ingvartsen, einst für 1,5 Millionen Euro aus Genk geholt, nach der Leihgebühr im Vorjahr von 600.000 Euro diesen Sommer noch mal zusätzliche 2,3 Millionen Euro brachte, weil Mainz eine Kaufpflicht hatte. Übrigens Bäume ausgerissen hat der Däne bei den Rheinhessen bislang auch eher weniger.

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