Leere Ränge, keine Atmo! Bei einem Test gegen Dresden konnte Union das 2018 schon einmal vorempfinden. Matthias Koch

Berlin - Sie hatten sich so auf diese Wochen gefreut. Jetzt ist nichts mehr wie es war. In Berlin sind alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern bis zum 19. April abgeblasen. Damit ist klar: Unions Schlager-Spiel am Sonnabend (18.30 Uhr) gegen den FC Bayern als auch das Derby eine Woche später gegen Hertha BSC findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Boss Dirk Zingler, der sich in seinem Kampf für eine volle Hütte („Fußball ohne Menschen ist für uns kein Fußball.“) in den vergangenen 48 Stunden mit widersprüchlichen Aussagen aus den Behörden herumplagen musste, wandte sich am späten Nachmittag an alle Vereinsmitglieder: „Die jetzt vorliegende Entscheidung der Behörden aber schafft für uns alle Klarheit und deshalb begrüße ich sie.“

Jubelstürme löst das nicht aus. Bei keinem. Weder beim Anhang noch bei den Kickern. „Wir müssen uns fügen. Es ist irgendwo auch verständlich. Man muss ein Stück weit auch die Gesellschaft schützen, ich habe selbst Kinder. Wir müssen das akzeptieren“, meinte Unions Stürmer Sebastian Polter.

Dirk Zingler will Schaden für Union abwenden

Unklar bleiben die vorerst die Auswirkungen. „Das ist alles noch nicht absehbar. Es wird sie geben, aber ich kann Ihnen versichern, dass unser Handeln darauf ausgerichtet ist, den Schaden zu begrenzen“, so Zingler weiter.

Sportlich hingegen ist klar, dass das nichts Gutes fürs Wochenende bedeutet. Ohne Publikumsunterstützung schrumpfen die ohnehin eher als gering einzustufenden Chancen der Köpenicker dem Rekordmeister ein Bein zu stellen, auf einen noch geringeren Wert.

Wie sehr  der sprichwörtliche 12. Mann, die Tollhausatmosphäre Alte Försterei, die Mannschaft beflügeln kann, haben in dieser Spielzeit schon die Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach erfahren müssen. Nicht umsonst haben die Eisernen 19 ihrer 30 Zähler an heimischer Stätte eingefahren.

Auch im Derby am 21. März wird das Olympiastadion gähnend leer belieben. City-Press/Tino-Schwier

Polter glaubt daher, dass die Aufgabe des 1.FC Union gegen die Münchner für die Eisernen jetzt noch schwieriger wird. „Man muss sein Spiel auf den Platz bringen, egal ob Zuschauer da sind oder nicht. Die Zuschauer helfen einem in schwierigen Phasen. Auswärtsmannschaften wissen, dass die Alte Försterei schwer zu bespielen ist.

Auch das Rückspiel gegen Hertha BSC eine Woche drauf wird nun keine Derbyatmosphäre entfalten. Stadtmeisterschaft ohne fans ist und bleibt ein Trauerspiel und kann allenfalls unter sicherheitspolitischen Aspekten als Gewinn betrachtet werden. Zu sehr hatten sich die Emotionen bei Unions 1:0-Sieg im Hinspiel aufgeschaukelt, weil seitens der Gäste immer wieder Raketen in Zuschauerblöcke und auf den Platz gefeuert worden waren.

Viel wichtiger ist aber der wirtschaftliche Aspekt. Bis zum Ende der Osterferien am 19. April hätten Union drei Heimspiele (Bayern, Mainz, Schalke) gehabt. Ausverkaufte versteht sich. Die Bruttoeinnahmen eines Kicks müssen mit mindestens 800 000 Euro taxiert werden, da Union ja nicht nur an den Tickets verdient, sondern die Cateringeinnahmen voll in die Taschen der Köpenicker fließen.

Kleinere Klubs sind viel mehr als die Champions-League-Dauergäste auf diese Einnahmen angewiesen, sie leben prozentual gesehen weniger von den TV-Einnahmen. Dazu muss jetzt ja dann auch das geplante Public Viewing des Stadtderbys in der Alten Försterei entfallen.

Fordern Sponsoren Gelder zurück?

Dafür und mit dem dazugehörigen kleinen Derby der A-Junioren beider Klubs am 21. März in der Alten Försterei hatte Union zwar keine Eintrittsgelder erhoben, aber bei einem vier- bis fünfstelligen Andrang wäre das auch ein hübsches Sümmchen aus der Speisung der Tausende geworden.

Unberücksichtigt ist bei der ganzen Thematik derzeit, in wieweit Sponsoren, die nicht auf den fernsehrelevanten LED-Werbebanden zu sehen sind, auf Rückzahlungen ihrer Gelder bestehen können.

Und was, auch das kann ja nicht ausgeschlossen werden, falls die Gesundheitssenatorin dieses Verbot über die zweite Aprilhälfte hinaus ausdehnt? Union hat den Vorverkauf der Gäste-Karten für das Kölnspiel – sollte erst am 25. April steigen – vorsorglich ausgesetzt.