Das Stadion An der Alten Försterei. Matthias Koch

Was nicht alles kann Fluch und Segen sein. Das Internet, logisch. Für den einen ist es das Mega-Surfparadies schlechthin, für den anderen Teufelszeug. Auch die Beschränkungen in der jetzigen Zeit sind beides. Mancher meckert darüber, dass er nur mit Mund-Nasen-Schutz einkaufen darf, mancher genießt die Ruhe auf den Straßen und am Himmel und die dadurch reinere Luft.

Auch der Fußball hat beide Seiten. Für die meisten hierzulande hat er auch des Erfolges wegen, vier WM- und drei EM-Titel gehören dazu, naja, einen Olympiasieg nicht zu vergessen, viel Segensreiches. Inzwischen aber muss sich des neben dem Auto deutschen Mannes liebstes Kind auch einige Takte anhören. Solche zum Beispiel: Warum immer die Fußballer? Wieso sollen ausgerechnet die eine Extrawurst gebraten bekommen und bald wieder spielen dürfen, wenn auch ohne Zuschauer? Haben sie noch immer nicht genug, diese Millionäre? Bei diesen Fragen geht es kaum jemandem darum, dass der Fußball längst ein Wirtschaftszweig für sich geworden ist, der Millionen, ja Milliarden umsetzt. Es geht vielmehr um Gleichbehandlung und, na klar, auch darum, dass die modernen Gladiatoren wegkommen von ihrer Maßlosigkeit.

Einfach den Reset-Knopf drücken und alles auf Anfang stellen, das will natürlich niemand. Dann könnten wir ja gleich in der Steinzeit anfangen. Die Zahlen von damals sind ja auch zu abgefahren. Im ersten Lizenzspielerstatut, das der DFB 1963 bei Start der Bundesliga vorlegte, gab es inklusive Prämien (!) eine Obergrenze von monatlich 1 200 D-Mark. Lediglich für besonders wertvolle Spieler war eine zu genehmigende Ausnahme möglich, ebenso eine Sonderprämie für bedeutende Erfolge. So gab es 2 000 D-Mark für einen Meistertitel, 1 500 für den Pokalsieg. Die Ablösesumme für einen Vertragsspieler, Profi hieß das damals noch nicht, war frei verhandelbar, trotzdem auf 50 000 D-Mark gedeckelt.

Gehaltsobergrenze macht alle satt

Das war der Westen. Und der Osten? Da ging es beim Grundgehalt erst in zweiter Linie nach dem Können, in erster nach der beruflichen Qualifikation. Als ich mit einem Diplom für Journalistik nach Berlin kam und beim DDR-Fernsehen in Adlershof angestellt war, beantragte der 1. FC Union für mich eine Förderstelle B. Im Gegensatz zur Förderstelle A, bei der man wöchentlich acht Stunden seinem Beruf nachzugehen hatte, waren es bei mir 20 Stunden. Mein Gehalt, als Uni-Absolvent standen mir 810 Mark zu, teilten sich der Fernsehfunk und die Eisernen. Ähnlich mager fielen die Prämien aus. Die fetteste, so etwas vergisst man nicht, betrug 60 Mark.

Ausgemacht hat das niemandem was. Wir waren trotzdem mit Feuereifer, Ehrgeiz und Erfolgshunger bei der Sache. Und gerade die damalige Zeit, Mitte der 70er-Jahre, war die erfolgreichste im DDR-Fußball. Insofern ist klar, dass Glück nicht unbedingt von Geld abhängig ist. Zumindest nicht mit Unmengen davon. Erfolg aber durchaus. Genau das macht die Sache kompliziert. Was bedeutet das gerade jetzt für den Fußball allgemein und für den 1. FC Union speziell? Wie immer geht es dabei um die Balance. Wie ist die zu finden? Vielleicht heißt sie, weil der erste Versuch, das Financial Fairplay, zumindest international eher grandios gescheitert ist, ja bald Gehaltsobergrenze. Die, da bin ich mir sicher, macht auch alle satt.

Denn manchmal ist unerhörter Zaster das größte Laster.