Vollstrecker und Vorlagengeber freuen sich: Marcus Ingvartsen (l.)  bejubelt mit Robert Andrich den 1:1-Ausgleich. Foto: Matthias Koch

Haben Sie gewettet? Auf den Außenseiter? Nicht? Weil eh keine Chance? Tja, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Hätten Sie echt Kohle mit machen können. Denn der 1. FC Union entführt beim großen FC Bayern mit einem 1:1 (0:0) einen Zähler. Was für ein Nachmittag aus Köpenicker Sicht. 

Trainer Urs Fischer ging die Partie in der Allianz-Arena mit einem Scherz an. Man sei schlecht beraten, wenn man sich auf die fehlenden neun bei den Bayern konzentrieren würde. „Die haben da schon noch den einen oder anderen“, so der Schweizer Fußballlehrer.

EISERN Magazin Nr. 3

Die neue Ausgabe des EISERN Magazins - Jetzt am Kiosk oder hier bestellen!Für Edition Nr. 3 konnten wir Christoph Biermann als Autor gewinnen. Der renommierte Journalist gibt Antwort auf die Frage: Wer sind die eigentlich, diese Unioner? Wir haben mit Christopher Trimmel gesprochen, der Einblicke in sein Privatleben gibt. Und wir statteten Professor Bernd Wolfarth und seinem Kollegen Clemens Gwinner in der Charité einen Besuch ab. Die beiden beraten Union bei der medizinischen Versorgung der Profis, koordinieren zudem die Corona-Testungen im Verein.

Und sowieso: Auf die auf dem Platz gelte es sich zu fokussieren. Es waren dann sogar zwölf Mann, die Hansi Flick nicht auf den grünen Rasen schickte. Denn David Alaba, Leroy Sané und Benjamin Pavard schonte der Bayern-Coach zunächst auch noch. Alles wohl mit Hinblick auf das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstag in Paris, wo es gilt, ein 2:3 umzudrehen. Dafür gab ein gewisser Josip Stanisic sein Debüt und Tiago Dantas durfte seinen bisher drei Bundesligaminuten weitere hinzufügen. Alle beide eigentlich Drittliga-Jungs!

Fischer gedachte, das wie im Hinspiel im 4-3-3 mit einer Viererkette sowie Marius Bülter und Keita Endo auf den Flanken anzugehen. Um „mehr Geschwindigkeit“ auf die Flügel zu bekommen, wie der 55-Jährige anmerkte. 

Union spielt munter mit

Erstaunlicherweise hatten die Eisernen dann gar nicht so viele Umschaltmomente wie gedacht. Die Köpenicker spielten im Rahmen ihrer Möglichkeiten gut mit. Ihre beste Chance resultierte dann auch aus einem durchdachten Aufbauspiel, an dessen Ende aber Bülter die Hereingabe von Max Kruse dem Bayern-Torwart Manuel Neuer mitten in die Arme köpfte (23.).

Auf der Gegenseite brannte es dafür weniger im Strafraum der Eisernen. Einmal musste Andreas Luthe beherzt eingreifen. Genauer gesagt gleich zweimal binnen weniger Sekunden. Zunächst fischte Unions Keeper dem durchbrechenden Eric Maxim Choupo-Moting die Kugel geschickt von den Füßen, dann rettete er mit einem tollen Reflex gegen den Abpraller von Thomas Müller (17.). Puh! 

Torlos ging es in die Pause. Nicht einmal unverdient aus Gästesicht, auch wenn die Münchner mehr vom Spiel hatten. Doch wie hatte Fischer vor dem Spiel geunkt: „Wir brauchen einen sehr guten Tag, die Bayern einen nicht so guten.“ Genau danach sah es in den ersten 45 Minuten allerdings aus. 

Ingvartsen im Joker-Glück

Denn die Münchner haben halt Geduld, wenn es sein muss. Und ihre Individualisten. Marvin Friedrichs zu kurze Abwehr findet von Müller den Weg zu Jamal Musiala. Der tanzt sowohl Robert Andrich als auch Robin Knoche auf engstem Raum aus und überwindet den machtlosen Luthe (68.). 

War's das? Nein. Denn diese Eisernen geben sich erst geschlagen, wenn sie wieder in den Bus klettern müssen. Fischer bewies ein goldenes Händchen, wechselte unter anderem Marcus Ingvartsen ein. Und der setzte die Hereingabe von Andrich zum 1:1-Ausgleich ins Netz (86.). Union in einer Saison zweimal ungeschlagen gegen die Bayern? Darauf hätte vor der Saison sicherlich keiner gewettet.