Frust pur bei Timo Baumgartl und den eisernen Kollegen. In Bielefeld gab es die dritte Niederlage in Folge. City-Press/Matthias Renner

Dem 1. FC Union ergeht es derzeit wie dem berühmten Zauberlehrling von Altmeister Goethe: Die Geister, die ich rief, die werd' ich nun nicht los. Der Abgang ihres Unterschiedspielers, ihres Bessermachers, hat die Köpenicker offenbar wirklich schlechter gemacht. Auch im dritten Spiel nach dem Wechsel von Max Kruse zum VfL Wolfsburg setzt es eine Niederlage. Das 0:1 (0:0) in Bielefeld gehört zudem in die Kategorie selbstverschuldet, weil die Eisernen einmal mehr ineffektiv vor dem gegnerischen Gehäuse agierten.

Muss man das Wort Krise in den Mund nehmen? Es war ja nicht nur die dritte Pleite in Folge, sondern auch das dritte Spiel ohne eigenes Tor. Das ist den Eisernen seit ihrem Aufstieg 2019 noch nie passiert! Die Bielefelder Fans sparten auch nicht mit Hohn, sangen lautstark den sonst eher den Unparteiischen gewidmeten Ohne-Song: „Ohne Kruse habt ihr keine Chance.“

Die Debatte wird sich also fortsetzen. Egal, wie unlieb das den Köpenickern ist. Weil die Tabelle den Unterschied derzeit auch noch gnadenlos demonstriert. Vor drei Wochen wäre Platz drei drin gewesen bei einem optimalen Verlauf des Spieltages. Der ist nun in weiter Ferne.

Union lässt letzte Überzeugung vermissen

Alm-Abtrieb statt Alm-Auftrieb für Union! „Wir hatten heute mal wieder ein, zwei richtig dicke Dinger, die wir einfach nicht machen“, legte  der im Laufe der Partie eingewechselte Ex-Armine Andreas Voglsammer den Finger in die Wunde. „In der Vergangenheit haben wir solche Riesen reingemacht. Oder ein Tor aus dem Nichts heraus erzielt. Das fehlt uns derzeit ein bisschen“, meinte der Bayer, der irgendwie die „letzte Überzeugung“ bei sich und den Kollegen vermisste.

Sheraldo Becker hatte die Führung auf dem Fuß (15.), scheiterte aber an DSC-Keeper Stefan Ortega, der auch den Nachschuss von Taiwo Awoniyi hielt. Rani Khedira setzte einen Schuss zu hoch an (35.), Sven Michels Kopfball verfehlte das Ziel knapp (42.).

Entgeisterte Gesichter bei Unions Grischa Prömel und Andreas Voglsammer. City-Press/Matthias Renner

Als die Gäste nach der Pause drückten, platzte in diese Bemühungen der Führungstreffer der Hausherren. Nach Zuspiel des starken Patrick Wimmer traf Masaya Okugawa mit einem Flachschuss ins lange Eck (56.). Andreas Luthe war machtlos und verhinderte am Ende Schlimmeres, als er Alessandro Schöpfs Schuss von der Strafraumgrenze noch mit ganz langen Fingern aus dem Eck fischte (81.).

Zu viele planlose Bälle in den Strafraum

Dies wohlgemerkt in einer Phase, als die Köpenicker alles nach vorne warfen und der DSC sich genüsslich einigelte. Gegen Awoniyi war Ortega in einer Eins-zu-Eins-Situation erneut zur Stelle (66.). Weitere Chancen blieben aus, weil die in den Strafraum geschlagenen Bälle in schönster Regelmäßigkeit zur sicheren Beute der Bielefelder Abwehr wurden.

„Wenn wir hier ein Tor machen, nehmen wir mindestens einen Punkt mit. Aber so verlierst du das Ding 0:1,“ so ein gefrusteter Voglsammer, der am Ende der Partie mit Bielefelds zum Saisonende scheidenden Urgestein Fabian Klos noch das Trikot tauschte.

Dass Max Kruse mit Wolfsburg im dritten Anlauf auch erstmals verlor, ist da kein rechter Trost. Viel bitterer ist dagegen: Dominique Heintz musste verletzt ausgewechselt werden (57.).

Infos zum Spiel

  • Bielefeld: Ortega 2,5 – Brunner 3, Ramos 3, Nilsson 2,5, Laursen 3,5 (63. de Medina) - Kunze 3 – Schöpf 2,5, Vasiliadis 2,5 – Wimmer 2 (79. Krüger), Okugawa 2,5 (84. Castro) – Serra 4 (64. Klos)
  • 1. FC Union Berlin: Luthe 2,5 – Jaeckel 3, Baumgartl 4, Heintz 3 (57. Voglsammer 3) – Ryerson 4, Khedira 4 (75. Möhwald), Oczipka 3,5 (84. Gießelmann)  – Becker 3,5, Prömel  4 – Awoniyi 5 (75. Endo), Michel 3 (84. Behrens)
  • Schiedsrichter: Daniel Schlager (Hügelsheim) 2,5
  • Zuschauer: 10.000 (ausverkauft)
  • Tor: 1:0 Okugawa (53.)
  • Gelb: -Jaeckel (3) Ryerson (2)

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