Der Weltkonzern mit den drei Streifen hat sich selbst entlarvt. Foto: Michael Kri/Imago Images 

Berlin - Schwarzmalerei ist normalerweise nicht mein Ding. Eher glaube ich noch immer an das Gute im Menschen. Vielleicht auch, weil ich noch ewig lange Fußball gespielt und Rückschläge bisher ziemlich vernünftig verkraftet habe. Nur: Was jetzt passiert, was sich ein Sportartikel-Gigant herausnimmt, für den auch der 1. FC Union als überzeugender Bundesliga-Neuling ein interessanter Partner sein sollte, macht mich regelrecht sprachlos, ja wütend.

Um meine Fassungslosigkeit zu verstehen, werde ich noch persönlicher als manchmal an dieser Stelle zuvor schon. Meine ersten Fußballschuhe, ich war noch nicht ganz zehn Jahre alt und ich bekam sie in den Sommerferien 1960, waren die mit den drei Streifen. Geschenkt wurden sie mir von meinen Taufpaten, als mein Vater und ich sie in Berlin besuchten, genau in Spandau. Ich weiß sogar noch den Preis: 24,95 D-Mark. Die Töppen waren allererste Sahne. Ihr Glanzstück war eine Sohle mit jeweils 19 Noppen aus Gummi, wie gemalt für den Hartplatz, auf dem wir spielten. Als ich mich gerade bei Fortschritt Zwickau angemeldet hatte, um meine ersten Schritte im Fußball zu machen, war ich, besser: meine Schuhe waren es, die Hauptattraktion. Ich habe mir eine Dose weiße Schuhcreme, die niemand sonst in der Familie brauchte, gekauft. Extra für die drei Streifen.

Geht es noch schäbiger?

Leider hatte ich die Schuhe, eigentlich Goldstaub, nur eine Saison, klar, die Füße eines Zehnjährigen bleiben nicht auf Größe XXS. Aber: So bin ich ein Drei-Streifen-Junge geworden. Auch später, in der DDR alles andere als ein Kinderspiel, habe ich alles versucht, wieder Schuhe dieser Marke zu kriegen. Einmal, ich habe schon in der Herrenmannschaft gespielt, kam einer aus dem Umkreis unseres Vereins 20 Minuten vor dem Anpfiff in die Kabine, hatte ein Paar solcher Schuhe dabei und bot sie mir an. Leider eine halbe Nummer zu klein. Trotzdem habe ich sie in regelrechtem Gottvertrauen angezogen, damit in diesem Spiel sogar ein Tor geschossen, nach einer halben Stunde wegen der Blasen an beiden Füßen aber keinen Schritt mehr laufen können. Allein meine Schuld. So innig aber war meine Liebe zu dieser Schuhmarke, im wörtlichen Sinne bis aufs Blut.

Doch nun diese Enttäuschung. Erst vorige Woche habe ich an dieser Stelle über Solidarität, Hilfsbereitschaft und Moral gerade in diesen schweren Zeiten geschrieben, auch darüber, dass ich im gehypten Fußball so recht nicht daran glaube, mich aber liebend gern widerlegen lasse. Keine drei Tage später fällt mir ausgerechnet – nicht als einziger, zugegeben – dieser Global Player, der mit seinen Schuhen und Klamotten wahrscheinlich die meisten Weltmeisterteams ausgerüstet hat, in den Rücken. Mit den Mietzahlungen für seine Filialen möchte er, ein Angebot für kleinere und wegen Covid-19 in schweres Fahrwasser gekommene Unternehmen, aussetzen. Ich fasse es nicht! Geht es noch schäbiger? Auf den Sturm der Entrüstung folgte ein halbseidener Rückzieher. Die Situation, so die Macher, sei auch für die Drei-Streifen-Firma nicht einfach, man habe sich das alles noch einmal überlegt und überhaupt. Wie aber sagt man selbst beim Fußball: Allein der Versuch ist strafbar.

Satte Gewinne 2019

Andernorts, bei Verträgen mit Vereinen und noch besser mit Verbänden, wird mit Millionen nur so herumgeschmissen. Da kann das Paket nicht groß genug sein. Das tut dem Konzern nicht sonderlich weh, schließlich wird sein Gewinn für das Jahr 2019 weltweit mit 1,976 Milliarden (!) Euro angegeben. So einer kommt mit einer solchen Unverschämtheit um die Ecke? Das ist einfach nur schäbig!

Selbst im gesetzten Alter benötige ich noch Sportschuhe, Sie wissen schon, die Fitness. Ob es beim nächsten Mal wie zuletzt immer welche mit drei Streifen werden? Ich glaube eher nicht. Es sei denn, von Herzogenaurach geht noch ein moralisches Wunder aus.