Über die Niederlage im DFB-Pokal gegen den SC Paderborn sollte sich der 1. FC Union nicht lange ärgern. Foto: dpa

Siege kann es nie genug geben. Kein Fußballer wird sich jemals beschweren, gewonnen zu haben, egal wie glücklich manch Erfolg auch zustande gekommen ist. Es wird immer einen Grund geben, mit dem der Triumph selbstbewusst als verdient oder, mit einem verbalen Schleifchen und einem Kringel versehen, als nicht unverdient beschrieben wird.

Insofern mache ich mir womöglich gerade keine Freunde, wenn ich meine: Das Aus im DFB-Pokal mit dem 2:3 gegen den SC Paderborn juckt mich kein bisschen. Selbst wenn die Vor-vor-vor-Vorgänger der jetzigen Generation in der Alten Försterei mit einem Denkmal für den einzigen nennenswerten Titel der Vereinsgeschichte, mit dem Sieg 1968 im FDGB-Pokal, glänzen, im Pokal gibt es trotz aller Husarenritte der Außenseiter und aller Stürze der Favoriten am Ende immer nur einen Sieger. Alle anderen, wenn sie nicht gerade aus einer ganz tiefen Liga kommen und mit dem Antrittsgeld ihren Etat auf Jahre hin in der Tasche haben, schleichen irgendwann geschlagen vom Platz und sind oftmals den Tränen nahe.

Die Eisernen sind ein Sieger der Bundesliga

Natürlich ist es ziemlich schade, dass den Eisernen mit ihrem K. o. 700.000 Euro durch die Lappen gegangen sind und sie den Coup von 2001, als sie, damals Drittligist, ins Endspiel vorgeprescht sind, nicht wiederholen werden. Es hätte sich ganz gut gemacht zum Jubiläum 20 Jahre danach. Andererseits mag ich mich nicht weiter darin vertiefen, wohin es Schalke, den seinerzeitigen Pokalsieger, im Moment treibt …

Also der durchaus vorhanden gewesenen Chance nicht weiter nachtrauern, denn Pokal ist, gerade für den 1. FC Union in seinem zweiten Jahr in der Bundesliga, ein Trüffel, ohne den man auch ganz gut satt wird. Die Liga, zumal angesichts der außergewöhnlichen Situation mit nun 21 Spielen in 20 Wochen, ist das täglich Brot. Das Wichtigste dabei ist, dass es in diesem Wettbewerb mehrere Sieger gibt. Als Tabellenelfter gehörten die Männer aus der Wuhlheide in der Vorsaison dazu. Dass sogar Platz 16 Jubelstürme auslösen kann – dazu genügt ein Blick nach Bremen. Dank des Fair Play von Christopher Trimmel und Kollegen, die sich bei ihrem 3:0 gegen Fortuna Düsseldorf zum Abschluss des vorigen Spieljahres von ihrer sportlich feinsten Seite zeigten, krochen die Männer von der Weser, dort am Sonnabend erster Gegner der Eisernen bei der Fortsetzung der Saison, auf platten Reifen und der allerletzten Rille auf Relegationsrang 16 – viel besser hätte sich für sie der Meistertitel nicht anfühlen können. So etwas kann der Pokal bei all seinem Reiz trotzdem nicht schaffen.

Es gibt diese Nimmersatts, die alles wollen und die manchmal auch alles gewinnen. Allerdings stehen die Eisernen in keinerlei Verdacht, als könnten sie dazugehören. Nur ist es, was bei ihnen gerade passiert, ein klein wenig ein Fluch der guten Tat. Platz 6 in der Bundesliga kann nicht genug gewürdigt werden, das in manchen Partien geradezu mühelose Überspielen der Lücken, die verletzte Leistungsträger in aller Regel hinterlassen, ist ebenso ein neuer Trumpf und das erworbene spielerische Moment erst recht. Natürlich weckt all das Begehrlichkeiten, und wenn es nur ein Heimsieg im Pokal gegen einen Zweitligisten ist.

Fans sind im 7. Himmel

Manch Anhänger der Rot-Weißen wähnt sich tatsächlich im siebten Himmel. Es ist manchmal nicht einfach, die Balance zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu finden. Man lasse sich nur mal auf der Zunge zergehen: Im zu Ende gehenden Kalenderjahr haben die Eisernen in 30 Spielen 42 Punkte geholt, 21 in der vorigen Rückrunde und 21 in der bisherigen Saison. Das ist im Kalender-Ranking ein sensationeller Rang 8, zumal Borussia Mönchengladbach, immerhin Achtelfinalist in der Champions League, nur sechs Punkte besser ist. Eigentlich ein Wimpernschlag.

Lassen wir das lieber, denn ich sehe darin auch eine Gefahr. Wahrscheinlich tun die Macher in Köpenick deshalb gut daran, gerade im Wonnegefühl den Finger zu heben. In dem Moment, in dem die vergleichsweise bescheidenen Ansprüche der Vergangenheit mit den Träumen mancher Fans nicht mehr vereinbar scheinen, sollte niemand auch nur einen Augenblick vergessen, wo die Wurzeln liegen: ziemlich weit unten nämlich. Noch immer ist es im Südosten der Stadt nämlich so, dass jeder Sieg, jedes Pünktchen ein Schritt zum Ziel ist. Das heißt nicht einstelliger Tabellenplatz und schon gar nicht Startplatz im internationalen Geschäft. Da bin ich, obwohl ich für das eine wie für das andere kaum Talent besitze, gern mal Trainer oder Sportdirektor und sage trocken: Es geht gegen den Abstieg!

Auch dafür, da schließt sich der Kreis, kann es nie genug Siege geben. Nur verzetteln sollte sich niemand. Deshalb kann ich auf den einen, der es dann doch nicht geworden ist, der aber keine Punkte gekostet hat, gern verzichten. Denn eines ist klar: Es wird auch so ein verdammt schweres neues Jahr.