Ulrich Prüfke (l.) und Ralph Quest neben ihren Figuren des 68er-Pokalsieger-Denkmals.  imago/Matthias Koch

Ein Spiel seiner Eisernen lässt sich Ulrich Prüfke (80) kaum entgehen. Sein Blick ist einerseits der eines ehemaligen Spielers, der die Rot-Weißen als Kapitän 1968 zum einst größten Triumph führte, dem 2:1-Finalsieg im FDGB-Pokal gegen Carl Zeiss Jena, andererseits der eines Fußball-Ästheten, der sich an der Schönheit der Spielzüge erfreut und die taktischen Raffinessen erkennt. Auch deshalb hat er im ersten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit die Latte nicht ganz so hochgelegt wie andere und seine einstigen Mitstreiter beim Zuschauen und Fachsimpeln zumeist mit folgenden Worten geerdet: „Wenn ihr schönen Fußball sehen wollt, dann müsst ihr nach München fahren.“

Ein Spieljahr später ist das ganz anders, als ob jemand einen Zauberstab hineingehalten hat. Inzwischen, so die Meinung der Haudegen, sind die Rot-Weißen ziemlich gut angekommen in Deutschlands Eliteliga und schneller als gedacht weggekommen vom Hauruck-Stil. „Es hat oft Spaß gemacht, die Mannschaft zu sehen“, sagt Prüfke, „sie hat nicht nur erfolgreich, sondern auch schön Fußball gespielt.“

Unions Entwicklung für Prüfke kein Zufall

Als Musterbeispiel nimmt der ehemalige Kapitän, der unmittelbar nach Ende seiner aktiven Laufbahn das Traineramt in der Alten Försterei übernommen hatte, das Finalspiel um Europa und das erste Tor beim 2:1 gegen Leipzig. „Dass Marvin Friedrich den Ball bei der Ecke von Christopher Trimmel direkt genommen und in den rechten Winkel getroffen hat, spricht für enormes Selbstvertrauen. Bei so einer Aktion, wenn du den Ball schlecht triffst und ihn sonst wohin haust, kannst du dich auch unsterblich blamieren.“ Weil es in der zu Ende gegangenen Saison nicht nur den einen Moment dieser Qualität gegeben hat, ist Prüfke sicher: „Das ist alles andere als Zufall, dahinter steckt System.“

Für den Oldie haben die Rot-Weißen sowieso eine grandiose Spielzeit hingelegt. „Das war überragend“, so sein Urteil, „die Mannschaft ist die Überraschung der Saison. Sie hat über Berlin hinaus in ganz Deutschland Anerkennung gefunden.“ Natürlich weiß das ehemalige Mittelfeld-Ass, dass die Eisernen für die Art und Weise, wie sie vor einem Jahr noch Fußball regelrecht gearbeitet haben, den einen oder anderen Seitenhieb einstecken mussten. „Der 1. FC Union stand immer für das Läuferische, das Kämpferische. Beides war stets das Markenzeichen. Jetzt hat es sich über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen, dass Union einen ganz guten Fußball spielt.“

Womöglich ist es sogar die größte Überraschung, dass das Team selbst die größten Kritiker, die oft in den eigenen Reihen zu finden sind, auf ganzer Linie überzeugt hat. Es kommt damit fast einem Ritterschlag gleich, wenn ein alter Hase wie Prüfke kaum ein Haar in der Suppe findet und sagt: „Das hat alles gepasst.“