Drei Tore für drei Punkte: Joel Pohjanpalo feiert seinen Hattrick gegen Bremen. Matthias Koch

Beginnen wir die Woche mit einem kleinen Rätsel. Wann, liebe rot-weiße Gemeinde, hat letztmals ein Unionspieler in einem Punktekampf einen lupenreinen Hattrick erzielt so wie am Sonnabend Joel Pohjanpalo beim 3:1 gegen die wie ein Absteiger agierenden Bremer? Und vor allem wer? Wissen Sie nicht? Muss Sie nicht grämen. Die Antwort erfolgt weiter unten. Und sie stammt aus einer Zeit, als Union noch keine 37.000 Mitglieder hatte und die Bundesliga für Union so etwas wie eine futuristische Erzählung war.

Zurück zur Gegenwart. Für Union war es der erste Hattrick in seiner Bundesligageschichte, für den Finnen hingegen schon der zweite. Gegen den werdenden Zweitliga-Dino HSV gelang ihm das Kunststück für Leverkusen schon einmal in der Spielzeit 2016/17. Seinerzeit benötigte er eine Viertelstunde für seinen Dreierpack, diesmal zwei Minütchen mehr. Kein Wunder, dass der aus Helsinki stammende Angreifer sich den Spielball als Souvenir sicherte. Der findet nun einen Ehrenplatz in seinem Haushalt. „Der kommt neben den Ball vom HSV-Spiel“, freute er sich über seine ganz persönliche Trophäe.

Außer „Goaljanpalo“ gelang in dieser Spielzeit nur dem Dortmunder Erling Haaland beim 5:2 gegen Hertha und dem Mainzer Jean-Philippe Mateta beim 3:1 in Freiburg ein lupenreiner Hattrick. Trainer Urs Fischer freute sich daher aufrichtig für seinen blonden Angreifer. „Ich glaube, da fallen Aussagen eines Trainers nach so einem Spiel sehr einfach. Wenn du drei Tore machst, dann hast du alles richtig gemacht. Er hat sich bei seinen letzten Einsätzen ziemlich sehr schwergetan. Aber er hat nie aufgesteckt und konsequent an sich weitergearbeitet. Ich gönne ihm das aufrichtig. Er hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und war heute da, wo er sein musste“, so der Schweizer Fußballlehrer.

Mein Freund der Ball! Unions Joel Pohjanpalo mit der Trophäe des Spiels gegen Bremen.
Ottmar Winter

Pohjanpalo selber wollte nach dem Schlusspfiff gar nicht so groß auf seine drei Treffer eingehen. Obwohl sie für ihn eine Premiere waren. Denn erstmals konnte er in einem Spiel einnetzen, in dem er von Beginn an auflaufen durfte. Seine bisherigen neun Erstligatreffer waren ihm allesamt nur als Joker geglückt. Viel wichtiger war ihm das Drama um seinen Kollegen Cedric Teuchert, der mit einer Knieverletzung am Ende der Partie aus dem Stadion getragen werden musste. „Ich hoffe, dass bei Ceddi alles gut ausgeht. Das sah nicht gut aus“, so der 26-Jährige.

Pohjanpalo wie einst Teixeira

Zurück zur Eingangsfrage. Wer nach einem Dreierpack für die Eisernen sucht, muss gar nicht so weit in der Vergangenheit zurückschauen. Einem gewissen Sebastian Polter gelang das Ende September 2017 beim 5:0 gegen den werdenden Drittliga-Dino Kaiserslautern. Allerdings erzielte Polter nur die ungraden Tore zum 1:0, 3:0 und 5:0-Endstand (6./25./77. Minute). Mittendrin gab es noch eine Bude von Steven Skrzybski (32.) und ein Eigentor des Lauterers Malagnini Modica (12.).

Die Ehre des letzten lupenreinen Hattricks – also drei Buden in einer Halbzeit ohne Gegentreffer oder andere Schützen dazwischen –  gebührt übrigens der eisernen Legende Daniel Teixeira! Der steuerte im 7:0 beim SV Torgelow Greif Anfang Oktober 2005 sogar einen Vierfachpack bei. Der Hattrick waren die Treffer zwei, drei und vier vor der Pause. Erzielt in den sportlich schwärzesten Zeiten der Eisernen – in der viertklassigen Oberliga Nordost! Lang, lang ist’s her.