Die Zeichen der Zeit: Die Alte Försterei macht sich hübsch für ihre Europapokal-Premiere.
Die Zeichen der Zeit: Die Alte Försterei macht sich hübsch für ihre Europapokal-Premiere. Imago/Matthias Koch

Vorfreude, schönste Freude! Aber nicht im Advent. Sondern im September. Im Hier und Jetzt! Anders kann man die Stimmung in Köpenick nicht beschreiben in den Stunden vor dem Europa-League-Auftakt des 1. FC Union gegen den Royale Union St. Gilloise am Donnerstag (18.45 Uhr, RTL+). Im 102. Jahr seines Bestehens erlebt der Standort Alte Försterei erstmals internationale Spiele! „Genießen“ ist die Vokabel, die vor dieser Premiere derzeit am häufigsten fällt. Egal, wen man fragt.

In Köpenick, so stellte der Spiegel jüngst fest, wird wenig dem Zufall überlassen. Dazu zählte der immer häufiger vorbeikommende Schreiber des Hamburger Politikmagazins denn auch die Musikauswahl. Am Sonnabend gegen den FC Bayern, als der 1. FC Union mit dem 1:1 gegen den Branchenprimus das Dutzend niederlagenloser Spiele vollmachte, dröhnte beispielsweise der Evergreen von Fury and the Slaughterhouse „Won’t forget these days“ durch die Alte Försterei.

Weniger, weil Christof Stein-Schneider, der Leadgitarrist der Hannoveraner Rockband zugegen war beim Ligagipfel gegen die Münchner (1:1). Sondern weil diese Tage wirklich unvergesslich sind für alle Anhänger des 1. FC Union.

St. Gilloise wird gegen den 1. FC Union nur von 600 Fans unterstützt

Wie sangen die Toten Hosen so schön? Schmeißt das Flutlicht an! Sie kommen gleich raus und dann kann die Show losgehen … „Dass wir schon letztes Jahr international dabei waren, das war der absolute Wahnsinn. Es ist für uns einfach nur verrückt und wir werden das einfach nur genießen. Das haben wir uns verdient. Und ich freue mich speziell auf die Auswärtsspiele. Neue Stadien zu sehen, ist immer ein Highlight für Fußballer. Aber jetzt im Europapokal auch noch zu Hause spielen zu können, ist was ganz Besonderes“, fasste Christopher Trimmel, der Mannschaftskapitän des 1. FC Union, die Gefühlslage der Eisernen trefflich zusammen.

Europa League. Was ein Klang für die rot-weißen Ohren. Vorbei die Tage, in denen der Kaiser diesen Wettbewerb geschmäht hatte. „Cup der Verlierer“ hatte Franz Beckenbauer den UEFA-Cup einst geschimpft. Die Europa League war ja längere Zeit nichts anderes als genau dieser umtitulierte und umgebrandete Wettbewerb. Sozusagen alter Wein in neuen Schläuchen. Auch die Trophäe blieb ja die gleiche. 

Doch nun wurde die Europa League in der Vorsaison kräftig aufgewertet. Inklusive möglichem Aufstieg in die Königsklasse für den Sieger. Es gibt ja noch die Conference League als dritte kontinentale Konkurrenz. Zudem wurde das Starterfeld von 48 Teams auf 32 Klubs verkleinert. Kleiner, also feiner.

Was man in Köpenick vorhat, ist ja auch klar. Der 1. FC Union will gegen den belgischen Vizemeister, der nur von rund 600 Anhängern unterstützt werden wird, gut aus dem den Startlöchern kommen. Und diesmal die Gruppenphase überstehen.

1. FC Union: Urs Fischer schielt aufs Prestige, weniger auf die Kohle

Der sportliche Ehrgeiz bei Urs Fischer und seinem Team ist da. „Wenn du an einem Wettbewerb teilnimmst, dann willst du alles versuchen, um da etwas zu erreichen. Wir wollen versuchen, europäisch zu überwintern“, schielt Fischer aufs Prestige, weniger auf die Kohle, die es zu gewinnen gibt.

Doch auch die spielt natürlich eine Rolle: Neben dem Startgeld von 6,3 Millionen gibt es ja auch 630.000 Euro für jeden Sieg. Oder umgerechnet 210.000 Euro pro Punkt. Platz zwei in der Gruppe ist mit 550.000 Euro dotiert, für den Ersten verdoppelt sich der Bonus. Und im Achtelfinale werden noch einmal 1,2 Millionen ausgeschüttet (500.000 für die „Play-offs“ genannte Zwischenrunde).  

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