Verantwortet den sportlichen Aufstieg des 1. FC Union: Trainer Urs Fischer. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Urs Fischer ist allem Anschein nach eine Führungskraft im besten Sinne des Wortes. Voller Energie ist der Trainer des 1. FC Union, aber nur selten impulsiv; voller Verantwortungsbewusstsein ist er, neigt jedoch keineswegs zur Hybris. Der Schweizer muss sich zudem nicht verstellen, wenn es gilt, Ruhe und Zuversicht auszustrahlen. Er ist dahingehend ein Naturtalent. Und deshalb wohl genau der Richtige, um eine Mannschaft durch eine Phase zu führen, in der es auch für Profis nicht nur um das nächste Spiel, sondern um mehr geht. Corona macht als Angstmacher eben auch vor der Blase, in die sich der Profifußball zurückgezogen hat, nicht halt.

Marcus Ingvartsen vor Comeback

Am Silvestertag stand Fischer wieder mal in einer digitalen Pressekonferenz seinen Mann. Der 54-Jährige mag diese Fragerunden nicht. Sie sind ihm womöglich sogar ein Graus, wenngleich er das dann doch ziemlich gut zu verbergen weiß. In drei Sätzen gab er dabei wie gewohnt Auskunft über das verletzte Personal. Max Kruse, Anthony Ujah, Joel Pohjanpalo, Nico Schlotterbeck und Christian Gentner stünden für die Auswärtspartie in Bremen am kommenden Sonnabendnachmittag um 15.30 Uhr allesamt nicht zur Verfügung, berichtete er, Marcus Ingvartsen hingegen schon. Der Däne, der beim 2:1 in der Liga gegen Dortmund und beim 2:3 im Pokal in Paderborn wegen einer Bauchmuskelverletzung passen musste, habe in der vergangenen Woche am Mannschaftstraining teilgenommen, wäre eine Option für den Kader, womöglich sogar für die Startelf.

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Braucht es in Anbetracht der langen Verletztenliste nicht doch ein wenig Verstärkung, und wenn ja, auf welchen Positionen braucht es schnelle Hilfe, Herr Fischer? Immerhin ging über den Jahreswechsel ja das Gerücht um, dass die Eisernen an einer Verpflichtung des serbischen Angreifers Lazar Tufegdzic interessiert seien. Herr Fischer antwortete: „Das bespreche ich mit Olli Ruhnert und nicht mit der Öffentlichkeit.“ Wobei Ruhnert, der Manager, ja selbst erklärt hatte, dass man bei Union in der vom 2. Januar bis zum 1. Februar laufenden Transferperiode über Zugänge „definitiv nachdenken“ müsse.

Aber nun gut, vom Detail zum Allgemeinen: Herr Fischer, wie kommt Union wieder in die Erfolgsspur? Herr Fischer antwortete: „Wir haben die Spur gar nicht verlassen. Natürlich hat die Niederlage im Pokal gegen Paderborn geschmerzt, aber da sprechen wir wirklich nur über eine schwache erste Hälfte. Wir wollen gegen Bremen nun schnellstmöglich im Spiel ankommen, dass wir in die Zweikämpfe kommen, dass wir versuchen, nach vorne Fußball zu spielen.“

Und ich erhoffe mir, dass wir 2021 zumindest ansatzweise wieder zur Normalität zurückkehren können.

Urs Fischer

Über den Gegner hatte der Fußballlehrer schließlich nur Gutes zu berichten, wobei man ab einem gewissen Punkt schon Zweifel haben musste, ob er da tatsächlich über den Tabellendreizehnten der höchsten deutschen Spielklasse oder vielleicht doch eher über den FC Liverpool referierte. Sehr kompakt! Sehr aggressiv! „Sie werden nie lang“, sagte er, was wohl zu bedeuten hat, dass die Hanseaten immer nach einer spielerischen Lösung suchen. Schnelles Umschaltspiel! Ziel des Bremer Spiels sei es schließlich, „hinter die letzte Kette zu kommen“. Aber welche Mannschaft will das nicht?

Dass Fischer ein Meister der Ablenkung und ein gekonnter Vermeider von Schlagzeilen ist, ist bekannt, für die Journalisten hat das zur Folge, dass es zwei, drei Anläufe braucht, um ihm Wertvolles zu entlocken. Auch für ihn sei dies alles letztlich eine neue Erfahrung, gestand er also am Donnerstag, ein Silvesterband allein in Berlin ohne Familie und Frau, eine Trainingseinheit am Neujahrstag, so etwas habe er noch nicht mitgemacht. Und er hoffe einfach nur, dass seine Jungs über Weihnachten „in dieser doch sehr schwierigen Zeit“ etwas abschalten konnten, „dass das ein wenig geholfen hat“. Aber: „Es ist so, wie es ist. Es gilt, die Situation anzunehmen.“

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Und seine Wünsche fürs Jahr 2020? Nun, Fischer zögerte bei der Antwort auf diese Frage ein wenig, differenzierte schließlich. Sportlich möge es doch bitte so weitergehen, „dass wir an dieser Entwicklung dranbleiben, dass der Weg in die gleiche Richtung geht“. Und ansonsten einfach nur Folgendes: „Ich wünsche mir Zuversicht und Gesundheit. Das sind für mich die wichtigsten Punkte. Und ich erhoffe mir, dass wir 2021 zumindest ansatzweise wieder zur Normalität zurückkehren können. Ich wünsche das allen Menschen in der ganzen Welt.“ Bei anderen mögen solche Sätze aufgesetzt wirken, bei Urs Fischer ist das allerdings nicht der Fall.