Urs Fischer auf einer klassischen Sitzgelegenheit für Fußballtrainer.
Urs Fischer auf einer klassischen Sitzgelegenheit für Fußballtrainer. Imago/Matthias Koch

Servus, Österreich! Tach jesacht, Hauptstadt. Da sind sie ja wieder. Der 1. FC Union kehrte am Mittwoch aus dem Trainingslager in Neukirchen am Großvenediger zurück. Wie weit ist das Team von Urs Fischer knapp eineinhalb Wochen vor dem Pflichtspielstart beim Chemnitzer FC (1. August, 18 Uhr/Sky)? Nur noch ein Test liegt vor den Eisernen. Kommenden Sonnabend (17 Uhr) in der Alten Försterei gegen Nottingham Forest. Dann wird es ernst.

Können die Eisernen erneut Höhenluft schnuppern, so wie ihr Präsident Dirk Zingler, der den Trip ins Salzburger Land mit einem Ausflug auf den 2224 Meter hohen Wildkogel abrundete, an dessen Fuß die Köpenicker ihr Camp bezogen hatten?

Wird nicht zwingend erwartet. Zingler machte in Österreich nach einer Strategiesitzung mit seinen Klub-Oberen klar, dass einzig und allein der Klassenerhalt das Ziel ist, man ein Mehr gerne mitnehmen würde, es aber nicht Voraussetzung ist. „Zwölf Vereine können absteigen, sechs nicht. Und wir gehören zu den zwölf, die jedes Jahr absteigen oder um Europa spielen können“, so Zingler.

1. FC Union: Sheraldo Becker im Mannschaftsrat

En passant kündigte der Boss übrigens einen Strategiewechsel an. Union will jetzt Wachstum aus Bordmitteln schaffen. „Wir nehmen Fremdmittel auf und erhöhen die Verbindlichkeiten, um in den Sport zu investieren, weil wir überzeugt davon sind, dass dieser Weg richtig ist. Jetzt sind wir in der Lage, unsere Verbindlichkeiten zu senken und weiter in den Sport zu investieren. Gesundsparen kann man sich als Unternehmen nicht“, so Zingler. Angesichts des gewachsenen negativen Eigenkapitals in der Corona-Zeit eine froh stimmende Botschaft.

Doch zurück zum Team, bei dem sich zwölf Tage vor dem Saisonbeginn schon einiges abzeichnet. Das Gerüst steht nach den zehn intensiven Tagen im Salzburger Land. Frederik Rönnow, Robin Knoche, Rani Khedira, der frisch in den Mannschaftsrat aufgestiegene Sheraldo Becker und Jordan Siebatcheu bilden die Hauptachse. Dazu dürften Niko Gießelmann und Kapitän Christopher Trimmel stoßen. Letzterer wird aber im Saisonverlauf häufiger mit Julian Ryerson den Platz tauschen.

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Bleibt die Frage, wer neben Robin Knoche die Kohlen aus dem Feuer holen soll. Danilho Doekhi und Paul Jaeckel liefern sich einen heißen Kampf. Denkbar ist sogar, dass beide beim Startschuss spielen. Dann nämlich, wenn der Niederländer auf die linke Seite rückt. Zumindest so lange, bis Linksfuß Diogo Leite vollends in Köpenick angekommen ist. Was sicherlich kaum bis zum Start in Chemnitz der Fall sein wird.

1. FC Union: Mit Morten Thorsby werden die Karten neu gemischt

Das größte Gedrängel herrscht nach wie vor im offensiven Mittelfeld. Hier drängte sich András Schäfer zuletzt auf. Zumindest war der Ungar in den Testspielen deutlich auffälliger als Neuzugang Milos Pantović. Die vakante Position daneben schrie ursprünglich nach Genki Haraguchi. Auch weil Janik Haberer nach seiner Verletzungspause noch etwas hinterherhinkt und ein Jamie Leweling eher in vorderer Front gesehen wird. Doch mit Neuzugang Morton Thorsby werden die Karten völlig neu gemischt.

Dass er Diogo Leite gleich mal die Rückennummer 2 wegschnappt – mit der wurde der Portugiese im Trainingslager fotografiert – spricht Bände für Ansprüche des Klimaaktivisten. Der Norweger nennt seine Bewegung „#2 community“, um auf das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens aufmerksam zu machen. In Italien bekam er deswegen den Spitznamen „Greta Thunberg des Fußballs“ verpasst.

Zwölf Tage bleiben Urs Fischer noch, um diese Frage zu klären. Zwölf spannende Tage.

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