Robert Andrich (r.) lässt sich für das zwischenzeitliche 1:0 feiern. Foto: AP/Pool/Michael Sohn

Es bleibt für den 1. FC Union ein Schneckenrennen im Kampf gegen den Abstieg. Auch gegen den FC Schalke 04 schaffen die Eisernen beim 1:1 (1:1) und nun sieben Spielen ohne Sieg keinen wirklichen Befreiungsschlag. Dabei hätte Robert Andrich der Mann der Partie werden können. Genau er aber spiegelt die 90 Minuten exakt wider: Seinem ersten Saisontor lässt er seine zehnte Gelbe folgen.

Was hätte es für ein Spiel werden können. Das, das dem 1. FC Union nach dem 0:1 von Werder Bremen Minuten vor dem Anpfiff des eigenen Spiels die Tür zum Klassenerhalt ganz weit öffnet. Das den Rot-Weißen das Ende ihrer Sieglos-Serie bringt. Das sie fit sein lässt im Bundesliga-Endspurt und das sie zu neuem Selbstvertrauen führt. Alles deutet darauf hin, weil sie loslegen wie ein Team, das nur einen Weg kennt: hin zum gegnerischen Tor.

Der Plan geht auf, zumindest mit dem schnellen 1:0 (11.) nach feinem Konter von Anthony Ujah und klasse Zuspiel in den Lauf von Robert Andrich. Das Ende des besten Angriffs: das erste Saisontor des Mittelfeldmannes in seinem 28. Spiel. Es ist der Moment, der die Partie für Andrich zu einer unvergessenen hätte machen können. „Na klar wollten wir den Dreier“, sagt der Torschütze, „aber dann geben wir, wie in den Wochen zuvor schon, das Spiel wieder aus der Hand.“

Erstmals gehen die Eisernen nach der Corona-Pause in Führung. Zehn Unentwegte, die sich außerhalb des Stadions lautstark bemerkbar machen, haben allen Grund zur Freude. Zumindest in dieser Phase. Besser noch: Die Rot-Weißen bleiben dran, sie drängen auf eine höhere Ausbeute. Was zuvor aber schon Yunus Malli versäumt (4., nach prima Solo-Lauf von Marius Bülter), gelingt auch Florian Hübner (15.) und Ujah (24.) nicht. Sie schaffen trotz guter Gelegenheiten keinen weiteren Treffer. Dabei sind sie erstens viel besser drauf als der Gegner, auch weil Bülter in seiner neuen Rolle als etwas defensiverer Part auf der linken Seite alles gibt, und zweitens die Königsblauen beeindruckt sind vom engagierten Auftritt des Aufsteigers.

Eine einzige Szene aber stellt das Spiel auf den Kopf, und zwar grundlegend. Aus dem Nichts, wirklich aus dem Nichts, zieht Jonjoe Kenny aus gut 25 Metern drauf – drin ist die Kugel. Das 1:1 (28.) ist für Schalke weder verdient noch ist es gerecht. Nur gibt es einen Knacks im Spiel der Rot-Weißen, die fortan wie verwandelt wirken, allerdings selten zu ihrem Vorteil.

Nun wird deutlich, warum die einen, die Unioner dem Tabellenkeller verflucht nahegekommen sind, die anderen, die Schalker, bei nun zwölf Partien ohne Dreier in einer für ihre Ansprüche noch größeren Krise stecken. Stückwerk löst Stückwerk ab, ein Zweikampf folgt auf den nächsten, klare Aktionen sind, wenn überhaupt, an den Fingern einer Hand abzuzählen. So sieht Abstiegskampf und Abstiegskrampf aus. Andrich aber ist zuversichtlich: „Wir haben alles noch in eigener Hand.“

Es ist für Andrich trotzdem ein Spiel geworden, das der Mittelfeldmann nicht vergessen wird: Er hat sich nämlich seine zehnte Verwarnung geholt und ist im nächsten Kampf gegen den Abstieg, am Sonnabend bei Mitaufsteiger Köln, gesperrt. Mal wieder.