Hatten sich am Ende nicht mehr viel zu sagen: Ex-Unioner Max Kruse und Trainer Urs Fischer. Imago

Manchmal hat ein Fußballverein was von Familie. Das trifft insbesondere auf den 1. FC Union zu. Diesen Eindruck jedenfalls – die Stichworte Bluten für Union, Stadionausbau durch hunderte von Anhängern, die Eisern-Card, mit der sich Fans ein Leben lang an den Verein binden, stehen dafür – vermitteln die Rot-Weißen seit vielen Jahren.

Klar aber ist auch, dass es umso schwieriger wird, das Familiäre zu wahren, die Nähe und Wärme zu erhalten, je höher ein Verein klettert. Es kommen Befindlichkeiten von zig Außenstehenden hinzu, denen man manchmal nicht gerecht werden will, um des lieben Friedens oder des schnöden Mammons willen aber gerecht werden sollte und sich auch schon mal verbiegt. Ohne Kompromisse kommt wahrscheinlich niemand durchs Leben.

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Auch Union ist vor Ärger nicht gefeit

Ab und an oder sogar ziemlich häufig gibt’s in einer Familie aber auch Stress. Die Kinder quengeln, in der Schule hagelt es miese Noten, die Arbeitskollegen schießen quer oder es nervt einfach nur die Schwiegermutter.

Gar nicht so selten führt das zur Trennung. Im Jahr 2020 lag die Scheidungsrate in Deutschland bei 38,5 Prozent. Auf drei Eheschließungen kommt rechnerisch etwas mehr als eine Scheidung. Als häufigste Trennungsgründe werden Treulosigkeit und Affären, Gewalt in der Ehe, fehlende Körperlichkeit und fehlende Gemeinsamkeiten mit dem Partner angegeben.

Auch da ist ein Fußballverein dem wahren Leben ziemlich ähnlich. Und auch da gilt: Je mehr auf dem Spiel steht, desto unangenehmer werden die Auseinandersetzungen. Hin und wieder fällt es da schwer, die Ruhe zu bewahren, weil es da schon mal zugeht wie auf dem Basar oder gar im Boxring. Obwohl: Dort werden Tiefschläge wenigstens bestraft.

Union und Max Kruse hatten eine gute Zeit

Was das mit dem 1. FC Union zu tun hat? Die Eisernen haben gerade eine Trennung hinter sich, die nicht ohne Nebengeräusche bleibt, auch wenn das Geld – dabei handelt es sich immer um mindestens siebenstellige Beträge – das meiste schon geregelt hat. Gestern noch auf Wolke sieben und mit einem Himmel voller Geigen kommt es fast über Nacht zu Wortklauberei, zum Worte-im-Mund-umdrehen und zum zerschnittenen Tischtuch.

Den Derby-Sieg gegen Hertha BSC feierte Ex-Unioner Max Kruse und Trainer Urs Fischer noch ausgelassen – selbst als Kruse bereits ausgewechselt war. Imago

Gerade noch gurrten Turteltäubchen, sie wollten zusammen erneut nach Europa und vielleicht den DFB-Pokal gewinnen, nun herrscht, das erste Mal für die Eisernen, so etwas wie Rosenkrieg. Das ist schade, weil es für beide eine gute Zeit war, im speziellen Fall sowohl für den 1. FC Union als auch für Max Kruse.

Wenn es unangenehm wird und sportliche Dellen oder auch handfeste Ergebniskrisen zu managen sind, flüchten sich die Verantwortlichen – Trainer, Manager, Spieler gleichermaßen – in der Regel zum Nach-vorn-Schauen. Da interessiert angeblich nicht, warum die eine dicke Chance versiebt und die andere versemmelt wurde, sondern allein das Morgen und ganz besonders das nächste Spiel, in dem alles besser gemacht werden soll.

Max Kruse: Reden ist nur Silber

Warum dann aber die beleidigte Leberwurst spielen, wenn ein Trainer, der in erster Linie das Wohl und Wehe der ganzen Gruppe im Sinn, das Gebilde in drei Wettbewerben in Balance zu halten hat, einem angeblich zu wenige Spielminuten gewährt? Sollte man als gut 34-Jähriger, mündiger Profi hin, gekränkte Eitelkeit her, nicht besser über den Dingen stehen und Taten sprechen lassen? Hätte doch gepasst. Manchmal ist Reden tatsächlich nur Silber.

Mit Trennungen, mal mit schmerzhaften wie bei Rafal Gikiewicz, Robert Andrich und Marvin Friedrich, mal mit eher geräuschlosen wie bei Sebastian Griesbeck, Cedric Teuchert und Neven Subotic, haben die Eisernen längst Erfahrungen gesammelt und werden noch reichlich damit konfrontiert. Auch deshalb, weil die Verweildauer eines Profis bei einem Verein nicht nur gefühlt immer kürzer wird.

Union hilft ein Sieg gegen Bielefeld

Rafal Gikiewicz blieb zwei Jahre, Robert Andrich auch, Sebastian Andersson ebenso, nicht anders Christian Gentner. Neven Subotic nahm nach nur einer Saison eine andere Ausfahrt und Max Kruse nach anderthalb Spielzeiten. Der heutige Profi ist oftmals ein Wandersmann und längst nicht alle haben das Durchhaltevermögen eines Christopher Trimmel oder eines Michael Parensen.

In einer Familie gilt zudem der Zusammenhalt in guten wie in schlechten Zeiten. Zumindest in der Theorie. Noch mehr blanke Theorie ist das mit Fußballern und Vereinen. Da sollte sich auch, obwohl mittlerweile viele neidisch in die Alte Försterei schauen, in Köpenick niemand blenden lassen. Das wird, je länger und erfolgreicher die Eisernen in Deutschlands Eliteliga mitmischen, noch ziemlich häufig passieren. Seitenhiebe danach nicht ausgeschlossen.

Gegen etwaigen Trennungsschmerz wie vielleicht den im Falle von Max Kruse hilft am besten ein Befreiungsschlag, nach Möglichkeit einer mit drei Punkten. Fürs Erste würde am Sonnabend in Bielefeld (15.30 Uhr, Sky) dafür sogar auch nur einer genügen.

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