Was für eine legendäre eiserne Party: Am 27. Mai 2019 feierte der 1. FC Union gegen den VfB Stuttgart den Aufstieg in die Bundesliga. City-Press

Es gibt in der Historie eines jeden Teams Daten, die sind mit goldenen Lettern in das Geschichtsbuch des Vereins oder des Verbandes eingetragen. Als Kind, ich hatte gerade halbwegs Deutsch gelernt, machte mein Vater auf dem Weg ins Zwickauer Stadtzentrum mit mir einen kleinen Abstecher in eine Polsterei, es war nicht einmal ein Schlenker, denn der Laden lag als Eckgeschäft sowieso auf unserem Weg. Für Ortskundige: Äußere Schneeberger Ecke Breithauptstraße. Er wollte mir ein Schwarz-Weiß-Bild zeigen. Um es aber zu sehen, musste man durch den ganzen Laden, denn es hing in der hintersten Ecke. Als ich es sah, ahnte ich, warum es nur dort hängen konnte. Es zeigte nämlich jene Mannschaft, die das WM-Finale in Bern bestritten hatte. Die Namen der Spieler musst du lernen, so mein Vater, und fing an, sie aufzuzählen, wie sie vor dem Anpfiff im Wankdorfstadion aufgereiht standen: Fritz Walter, Toni Turek, Horst Eckel, Helmut Rahn, Ottmar Walter … Ich merkte mir längst nicht alle, aber dass Max Morlock der Letzte in der Reihe war, das schon.

Damit aber hörte die Nachhilfe in Sachen Fußball-Historie nicht auf. Auch das Datum, sagte mein damals noch gar nicht so alter Herr, ist wichtig, und es wäre schön, wenn du es dir merkst: 4. Juli 1954. Es war mein erstes wirklich wichtiges Fußball-Datum. Jenem Sonntag folgten für den bundesdeutschen Fußball viele weitere goldene Tage, so der 7. Juli 1974 in München, der 8. Juli 1990 in Rom und der 13. Juli 2014 in Rio. Ich habe mir sie alle gemerkt, Nachhilfe war nicht mehr nötig. Es wurde Passion. Ist bislang, da ein WM-Endspiel ziemlich sicher in der ersten Juli-Hälfte ausgetragen wurde, ja auch gar nicht so schwer.

Union feierte gegen Stuttgart wilde Aufstiegs-Party

Bierdusche für den Aufstiegstrainer: Unions Urs Fischer feierte den Einzug in die Bundesliga gegen Stuttgart ausgelassen. Imago

Natürlich hatte auch der DDR-Fußball mit dem Triumph des 1. FC Magdeburg im Europapokal der Pokalsieger in Rotterdam (8. Mai 1974), dem 1:0 in Hamburg bei der WM nur fünfeinhalb Wochen später gegen Franz Beckenbauer und Co. (22. Juni) und dem Olympiasieg 1976 in Montreal (31. Juli) seine Glanztage. Denjenigen, die es mit dem 1. FC Union halten, fallen auf Anhieb ebenso die goldenen Stunden ein: 9. Juni 1968 (Sieg im FDGB-Pokal) und die Tage im Mai, zuerst 1988 am 28. mit dem Last-Minute-3:2 in Karl-Marx-Stadt und dem wundersamen Klassenerhalt sowie 2019 am 27. mit dem 0:0 gegen den VfB Stuttgart und dem triumphalen Aufstieg in die Bundesliga.

Das soll sich jemand merken? Na aber! Für wahre Fans ist das eine leichte Übung. Trotzdem genug der Zahlen. Wichtig ist: Mit den Stuttgartern, am Sonnabend kommender Gegner in der Alten Försterei, verbinden die Eisernen auf immer und ewig ihre Ankunft unter den Schwergewichten des deutschen Fußballs. Das kann den Männern um Kapitän Christopher Trimmel, schon damals führte der inzwischen 35-Jährige die Rot-Weißen als Kapitän an, wenn er auch im entscheidenden Moment, was im Trubel um diesen Tag immer ein wenig untergeht, eine Gelbsperre abbrummte, niemand mehr nehmen. Dieses Erlebnis schweißt zusammen nach dem eisernen Motto: Und niemals vergessen …!

Union hat mit Gentner und Baumgart zwei Ex-Stuttgarter

Nach dem Abpfiff gab es kein Halten mehr: Die Profis des 1. FC Union drehten nach dem Relegations-Sieg gegen Stuttgart durch. Imago

Klar, dass die Fans beim Gedanken an den VfB ins Träumen kommen. Seitdem sind die Schwaben, auch weil der damalige Kurzzeit-Trainer Nico Willig nach dem Abstieg in der Öffentlichkeit einige Tränen verlor, weil er in den fünf Wochen seiner Amtszeit das Ruder nicht mehr herumgerissen bekam, ein ziemlich sympathischer Gegner geworden.

Erstens haben die Eisernen gegen sie keines der bisherigen drei Punktspiele in der Bundesliga verloren und zweitens haben sie aus dem Schwäbischen erst mit Christian Gentner einen erfahrenen Oldie in ihre Reihen bekommen und nun mit Timo Baumgartl einen stabilen Abwehrmann.

Union mit Sieg gegen den VfB bei 40 Punkten

Allerdings hängen sowohl die Männer aus Köpenick als auch die aus Cannstatt derzeit ein wenig in den Seilen. Die einen haben von den vergangenen fünf Punktspielen nur eines gewonnen und die anderen vier ohne ein eigenes Tor verloren. Die anderen hatten, bevor sie mit einem 3:2 gegen Mönchengladbach neue Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt geschöpft haben, zuvor aus neun Spielen nur zwei Pünktchen geholt.

Es geht am Sonnabend also um was. Die Eisernen erreichen mit einem Sieg 40 Punkte und damit erfahrungsgemäß sicher das rettende Ufer. Allein das wäre, obwohl nach einer bisher grandiosen Saison keine Überraschung mehr, wenn schon kein goldenes, dann wenigstens ein glänzendes Datum: 12. März 2022, ungefähr 17.20 Uhr, Klassenerhalt eingetütet.

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