Stubenfliegen sind harmlos - aber sie können trotzdem gewaltig nerven.
Stubenfliegen sind harmlos - aber sie können trotzdem gewaltig nerven. imago/inagebroker

Ich habe eine Frage: Mit wie vielen Mitbewohnern wohnen Sie eigentlich zusammen? Mit dem Lebenspartner oder der Partnerin, den Kindern, den Eltern, sonst niemandem? Da haben Sie sich geschnitten. Denn ich wette mit Ihnen? In ihren vier Wänden gibt es noch reichlich andere Mitbewohner, von denen Sie bisher vielleicht noch gar nicht allzu viel mitbekommen haben. Ich rede von den kleinen Tierchen, die sich selbst in den schmalsten Ritzen verstecken. Spinnen, Silberfische, Ameisen. Hereinspaziert in meine kleine Wohngemeinschaft!

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Zugegeben: Auch ich hatte die Hoffnung, dass in meinen vier Wänden in Karlshorst nur genau zwei Bewohner leben, nämlich mein Lebensgefährte und ich. Nur habe ich in der letzten Zeit das Gefühl, dass die Wohngemeinschaft immer größer wird. Und die Mitbewohner, die sich bei uns blicken lassen, sind nicht immer feine Kerlchen: Sie hängen einfach nur rum (Spinnen) oder haben gewaltig die Lampe an (Fliegen). Vor ein paar Tagen vergingen sie sich sogar an meinem Cocktail (Ameisen)!

Spinnen in der Wohnung: Darum sind die Krabbler gar nicht schlecht

Ich komme vom Land, wuchs mit Insekten auf. War froh, als wir in unserem jetzigen Wohnkomplex eine Wohnung in der fünften Etage bekamen. Es heißt schließlich, man esse im Laufe seines Lebens etwa 20 Spinnen im Schlaf… und ich sage immer: Ich hatte meine Ration schon weg, als ich zehn Jahre alt war. Also: Je weiter oben ich lebe, desto weniger Krabbler werde ich treffen, dachte ich. In meine Berechnungen flossen die Baumkronen, die nahe unseres Balkons zu finden sind, nicht ein – sie bieten den Tierchen eine bequeme Einstiegsmöglichkeit ins Hause Thalmann.

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Seit einiger Zeit haben wir etwa Spinnen. Ich hatte vor den Krabblern immer Angst, doch langsam weicht die Furcht einer Art Akzeptanz. Neulich war ich aber genervt, weil bei der wöchentlichen Putzroutine des Schlafzimmers immer wieder feine Weben unter dem Bett auftauchten. Also hieß es am letzten Wochenende: Matratzen weg, Lattenroste raus. Ich begab mich zwischen all den Ritzen auf die Suche – und dann, gut versteckt, fand ich sie: Eine dicke, schwarze Kreuzspinne.

Ameisen sind ja ganz putzig: Rote Waldameisen wie diese treten zum Glück aber nur selten in Wohnungen auf.
Ameisen sind ja ganz putzig: Rote Waldameisen wie diese treten zum Glück aber nur selten in Wohnungen auf. imago/imagebroker

Ich habe sie natürlich nicht mit dem Pantoffel erschlagen, sondern vorsichtig mit dem Staubwedel nach draußen gebracht. Seitdem ist Ruhe unterm Bett, die Weben sind verschwunden. Das ist auf der einen Seite gut, schließlich ist es kein besonders beruhigender Gedanke, sein Bett mit einer Spinne zu teilen. Dabei ist dagegen ja erstmal nichts einzuwenden: Mit ihren Netzen fangen die Krabbler schließlich Fliegen und Mücken. Und die gehen mir ja nun oft noch viel mehr auf den Zeiger.

Mücken nerven, aber Fliegen im Wohnzimmer nerven noch viel mehr

Mücken stechen. Dabei verhalten sie sich aber zumindest ruhig. Fliegen aber brummen, knallen gegen Fensterscheiben, nerven! Und dann – ist Ihnen das schonmal aufgefallen? – scheinen Fliegen immer nur um die Lampe in der Mitte des Raums zu kreisen. Ich habe gelesen, dass es daran liegt, dass die Stubenfliege Entfernungen nicht richtig einschätzen kann. Sie bremst deshalb lange vor Wänden ab. Und weil in einer normalen Wohnung überall Wände sind, wirkt es so, als kreise sie ständig nur in der Mitte des Raums. Fliegen sind also, so könnte man es sagen, recht dumm.

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Manche Spinnen (hier: die südamerikanischen Spinne Guriurius minuano) sehen ja echt süß aus. Aber unterm Bett möchte man sie trotzdem nicht haben.
Manche Spinnen (hier: die südamerikanischen Spinne Guriurius minuano) sehen ja echt süß aus. Aber unterm Bett möchte man sie trotzdem nicht haben. dpa/Damián Hagopián

Im Gegensatz zu Ameisen. Die müssen es nämlich irgendwie geschafft haben, auf meinen Balkon zu gelangen. Wir bemerkten sie schon vor Wochen – da wuselten sie plötzlich in den Ecken umher. Vor ein paar Tagen saß ich dann abends draußen, neben mir einen alkoholfreien Cocktail aus Limetten, Maracujasaft, Ginger Ale und Eis, und dachte nichts Schlimmes. Die Dunkelheit hüllte Berlin nach und nach ein. Gegen 23 Uhr ging ich rein, stellte mein Glas auf den Tisch – und mein Freund sagte: „Siehst du das auch?“ Mehrere Ameisen waren es, die am Glas emporkletterten, auf der Jagd nach Zucker.

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Die machen mir nun wiederum gar nichts aus, denn die kenne ich vom Land. Dort gehören Ameisenstraßen rund ums Haus zum natürlichen Jahresverlauf. Nur einmal, ich erinnere mich gut, hatten sich im Haus meiner Eltern Flügelameisen eingenistet, die großen. Das war eher unangenehm, aber solange es hier nicht so schlimm ist, versuche ich, friedlich mit meinen Mitbewohnern zu leben. Solange sie nicht meinen Joghurt im Kühlschrank futtern oder mich beim Duschen stören, sind wir o.k. miteinander. Und im Bett komme ich auch ganz gut ohne aus.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com