Ameisen sind faszinierende Tiere - aber wussten Sie schon, wie sie es schaffen, bei Hochwasser zu überleben?
Ameisen sind faszinierende Tiere - aber wussten Sie schon, wie sie es schaffen, bei Hochwasser zu überleben? imago/Blickwinkel

Als ich vor etwas mehr als einem Jahr begann, diese Kolumne zu schreiben, nahm ich mir vor, regelmäßig auch den Bereich des „Unnützen Wissens“ abzudecken. Also: Über Dinge zu schreiben, über die ich durch Zufall stolperte – und von denen ich sicher bin, dass SIE sie noch nicht wussten. Fakten, die einfach schräg, verrückt, unglaublich scheinen. Und die trotzdem einfach Spaß machen. Das letzte Mal ist nun schon eine Weile her, deshalb habe ich heute mal wieder drei tolle Fakten für Sie. Es geht um Grillen, Stubenfliegen und Ameisen.

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Insekten sind ja grundsätzlich nicht jedermanns Sache – aber die Welt dieser Tiere ist so riesengroß, dass es beinahe unvorstellbar ist. Noch dazu entziehen sie sich den Menschen meist. Natürlich haben wir ab und an eine Fliege in der Wohnung, sehen Ameisen im Garten oder ärgern uns beim Spaziergang in der freien Natur über die nervigen Mücken. Aber: Die Welt der Insekten bietet noch viel mehr als die Dinge, die wir auf den ersten Blick sehen können.

Kämpfe zwischen Grillen sind in China seit Jahrhunderten Tradition

Wussten Sie etwa, dass es in China Tradition ist, Kämpfe mit Grillen durchzuführen? Als ich zum ersten Mal davon hörte, musste ich erst einmal recherchieren, ob es wirklich stimmt. Hahnenkämpfe und Hundekämpfe – so schlimm sie sind – kennt jeder. Aber Grillenkämpfe? Aber ja! Das ganze geht auf eine lange Tradition zurück Jia Sidao, ein kaiserlicher Minister, der von 1213 bis 1275 lebte, schrieb um 1260 eine lange Anleitung über die Haltung vom Kampf-Grillen.

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Und noch heute gibt es solche Kämpfe. Dabei werden männliche Grillen einzeln gehalten, für den Kampf zusammengebracht. Dann berühren die Organisatoren mit einem Grashalm, einem kleinen Pinsel oder einem Katzen-Schnurrhaar die Antennen der Tiere, das macht sie aggressiv. Dann kommen die Grillen in eine Arena, um zu kämpfen. Dabei kann es sogar zu Schulterwürfen kommen, wie man sie vom Wrestling kennt. Der Kampf ist beendet, wenn eine Grille die Flucht ergreift.

Wenn Grillen wütend sind, können sie sich zu echten Kämpfern entwickeln.
Wenn Grillen wütend sind, können sie sich zu echten Kämpfern entwickeln. imago/Blickwinkel

Um es nun auf die Spitze zu treiben: Es gibt bei Grillen-Kämpfen, wie ich gelesen habe, sogar Gewichtsklassen. Denn: Sind die Tiere unterschiedlich groß, wird das kleinere der beiden in den meisten Fällen automatisch die Flucht ergreifen. Deshalb werden sie vorher mithilfe ganz feiner elektronischer Wagen gewogen. Man kann davon halten, was man möchte – aber dass es sowas überhaupt gibt, hört sich schon recht schräg an, oder?

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Aber nicht alle Insekten brauchen den Menschen, um ihre wahren Kräfte zu zeigen. Beispiel: Ameisen. Schon jedes Kind weiß, dass diese kleinen Krabbler unfassbar stark sind – aber wussten Sie, was die Krabbler leisten, wenn sie Überflutungen ausgesetzt sind? Sie bauen ein Floß! Das untersuchten unter anderem Forscher des Georgia Institute of Technology. Die Tiere halten sich aneinander fest und können so wohl sogar über einen längeren Zeitraum als Ameisen-Klumpen auf dem Wasser schwimmen.

Ameisen bauen ein Floß, um bei Hochwasser zu überleben

Wie das geht? Die Ameisen verhaken sich mit ihren Kiefern und Füßen ineinander. So entsteht eine Art Gewebe, in das zusätzlich noch Luft eingeschlossen wird – so gelingt es ganzen Kolonien, in Hochwassern zu überleben. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn die Oberflächenspannung des Wassers groß genug ist, sonst geht auch das beste Ameisen-Floß unter.

Die Stubenfliege verirrt sich gern in Wohnungen - und nervt dann gewaltig. Aber: Das Tier hat auch faszinierende Eigenschaften.
Die Stubenfliege verirrt sich gern in Wohnungen - und nervt dann gewaltig. Aber: Das Tier hat auch faszinierende Eigenschaften. imago/Imagebroker

Übrigens: Es gibt noch andere spannende Ameisen-Taktiken gegen das Wasser. So entdeckten Forscher 2001, wie die Tiere einer malaysischen Ameisen-Art damit umgehen, wenn Wasser in den Bambus läuft, den sie bewohnen: Sie nutzen ihre Köpfe als Korken, um die Öffnungen im Bambus zu verschließen – und drinnen trinken andere Ameisen das eingelaufene Wasser, um es im Freien wieder „rauszupinkeln“.

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Einen haben wir noch: Wussten Sie, dass die Stubenfliege, die uns alle so gern mit ihrer bloßen Anwesenheit nervt, mit den Füßen schmecken kann? Die Tiere haben ihre Geschmacksrezeptoren auf den Unterschenkeln und an den Füßen. Das ist übrigens auch die Erklärung dafür, dass Fliegen gern auf ihrem Essen umherlaufen, bevor sie mit ihrem kleinen Saugrüssel zur Tat schreiben – das haben Sie bestimmt schon einmal beobachtet. Ich bin sicher, dass Sie das noch nicht wussten – und dass Sie es nun bestimmt nie wieder vergessen werden.

Florian Thalmann schreibt jede Woche im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com