Für viele Haustiere endet der Sommer an der nächsten Laterne: Immer wieder werden Hunde und Katzen ausgesetzt, weil die Besitzer in den Urlaub fahren wollen.
Für viele Haustiere endet der Sommer an der nächsten Laterne: Immer wieder werden Hunde und Katzen ausgesetzt, weil die Besitzer in den Urlaub fahren wollen. imago/McPhoto

Der Sommer ist da – und mit ihm die Urlaubssaison. Viele Familien fahren an die Strände im In- oder Ausland – nachdem die Corona-Regeln abgeschafft wurden, ist das auch wieder ohne große Probleme möglich. Das bedeutet aber auch: Für Deutschlands Tierschützer wird es ein anstrengender Sommer. Denn was passiert mit all den Hunden und Katzen, die sich die Menschen in Deutschland während der Pandemie angeschafft haben?

Lesen Sie dazu jetzt auch: Wichtige Tipps für alle Tierhalter! So bringen Sie Hund, Katze und Kaninchen gut durch die Mega-Hitze >>

Die Antwort liegt auf der Hand: Sie werden verstoßen, in die Tierheime gebracht, im schlimmsten Fall ausgesetzt, am besten gleich an der Autobahnraststätte auf dem Weg an die See. Zumindest gehe ich davon aus. Die Liebe wird für viele Hunde und Katzen dort enden, wo der Urlaub beginnt. Oder sollte ich mich irren?

Nachdem sich viele Menschen im Lockdown ein Haustier anschafften, nachdem immer wieder vor dem Danach gewarnt wurde und nachdem immer wieder gesagt wurde, dass die Entscheidung zum Haustier keine spontane sein darf, wird es nun interessant: Jetzt kommt die Zeit, in der alle neuen Hunde- und Katzenhalter beweisen können, wie tierfreundlich sie wirklich sind. Verzichtet man auf den Urlaub, sucht man für den neuen Liebling eine Unterkunft mit Betreuung – oder führt der letzte Weg vor der großen Reise doch ins Tierheim?

Im Lockdown schafften sich viele Menschen ein Haustier an

Immer wieder habe ich in den vergangenen Jahren über den Trend zum Tier berichtet. Und immer wieder gab es dabei auch Ängste bei vielen Tierschützern: Was passiert, wenn Lockdowns und Homeoffice-Zeiten ändern? Immer wieder hörte man in den vergangenen Monaten von Tierheimen, in denen es bereits zu Platzproblemen kam, weil immer mehr Haustiere ausgesetzt oder abgegeben wurden. Und nun wird die Urlaubszeit zur nächsten Bewährungsprobe.

Ich frage mich ja immer wieder: Wer bringt so etwas übers Herz? Wer sich ein Haustier zulegt, nimmt es doch in seine Familie auf, kümmert sich darum, hegt und pflegt es – und nach zwei Jahren Pandemie sollte immerhin so etwas wie eine Freundschaft zwischen Mensch und Tier entstanden sein. Und dann, wenn Malle winkt, die Lust auf Strand plötzlich größer wird, überlässt man das kleine Wesen sich selbst, bindet es vor dem Tierheim an – oder setzt es, wie es inzwischen immer wieder vorkommt, an einem öffentlichen Müllplatz aus?

Tierschützer: Wer ein Tier aussetzt, zahlt 25.000 Euro Bußgeld

Ein solches Verhalten kann man nicht tolerieren. „Wir verurteilen aufs Tiefste, wer sein Tier aus welchen Gründen auch immer aussetzt“, sagt etwa sagt Eva Rönspieß, Vorsitzende des Tierschutzvereins für Berlin (TVB). „Bis zu 25.000 Euro Bußgeld kostet es, wer seinem Tier solch Leiden zumutet und Schäden in Kauf nimmt. Daher zeigen wir jeden Fall an.“

Immer wieder lassen Tierhalter ihre Lieblings irgendwo zurück.
Immer wieder lassen Tierhalter ihre Lieblings irgendwo zurück. imago/CHROMORANGE

Denn niemand muss sein Tier aussetzen. Im Berliner Tierheim weist man schon jetzt darauf hin, dass es auch andere Möglichkeiten gibt – wenn man sich kümmert. Auch in Berlin gibt es etwa zahlreiche Tierpensionen. Das Problem: „Gute Tierpensionen sind oft lange im Voraus ausgebucht“, sagt Eva Rönspieß. „Wer bis jetzt noch keinen passenden Platz für seinen Liebling organisiert hat, sollte dringend auch im Freundes- und Bekanntenkreis sowie in der Nachbarschaft nach einer Unterbringung suchen.“

Jetzt auch lesen: Zuckersüß: Im Tierpark Berlin gibt's Nachwuchs bei den Giraffen! Es ist ein Mädchen - und hier sind die ersten Bilder >>

Sie rät auch zum „Housesitting“. Dabei zieht eine Person des Vertrauens vorübergehend zu Hause ein, während man im Urlaub ist. Der Vorteil: So können die Tiere in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Auf Nachbarschaftsportalen im Internet könne man zudem zahlreiche Angebote von Pflegestellen finden, die ein Haustier während der Urlaubszeit aufnehmen. „Wichtig: Die Unterbringung vorher ansehen, auf Herz und Nieren prüfen, gegebenenfalls andere nach Erfahrungen fragen und idealerweise einen Tierbetreuungsvertrag abschließen“, heißt es in einer Mitteilung des Tierheims.

Ihr Tierhalter, lasst eure Tiere im Sommer nicht allein!

Ich hoffe, dass die meisten Tiere das Glück haben werden, den Sommer gemeinsam mit ihren Familien zu verbringen – und dass ihre Liebe nicht am nächsten Laternenmast landet. Und ich finde, dass sich nicht nur Tierhalter ihrer Verantwortung bewusst sein sollten. In der nahenden und beginnenden Urlaubszeit sind wir alle gefragt: Wir sollten mit offenen Augen durch die Welt gehen – und die Leute, die ihre Tiere aussetzen, nicht einfach so davonkommen lassen.

Florian Thalmann schreibt im KURIER jede Woche über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com