Vor allem bei Spaziergängen über Wiesen ist Vorsicht geboten - im Gras lauern gefährliche Pflanzenteile und Zecken.
Vor allem bei Spaziergängen über Wiesen ist Vorsicht geboten - im Gras lauern gefährliche Pflanzenteile und Zecken. imago/Westend61

Während in der kalten Jahreszeit oft mit Ausflügen ins Freie gespart wird, genießen viele im Frühling, Sommer und Herbst lange Touren durch die freie Natur. Dabei dürfen natürlich auch die Vierbeiner mit – auch ich sehe bei meinen Wanderungen immer wieder Hundehalter, deren Lieblingen es besonders viel Freude macht, durch Wälder und Felder zu toben. Allerdings lauern im Gras auch Gefahren… und damit sind nicht nur Zecken gemeint. Tierschützer warnen jetzt vor Pflanzenteilchen, die für die Tiere lebensgefährlich werden können.

Die Rede ist von sogenannten „Grannen“ – das sind scharfe und borstige Pflanzenteile, die vor allem an Getreide- und verschiedenen Wiesenpflanzen vorkommen. Bei Spaziergängen über Wiesen, durch hohes Gras ober über Felder ist deshalb äußerste Vorsicht geboten, raten die Tierschützer von „Vier Pfoten“.

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Der Grund: Die Grannen sind mit kleinen Widerhaken ausgestattet, heißt es in einer Mitteilung der Tierschützer. „Diese Widerhaken ermöglichen es ihnen, sich an verschiedenen Körperstellen des Hundes anzuhaften. Sobald Grannen sich im Fell des Hundes festgesetzt haben, werden sie mit jeder Bewegung tiefer geführt.“ Dann bohren sie sich immer tiefer in die Haut – und an den betroffenen Stellen können sich leicht Infektionen bilden.

Grannen bei Hunden: An diesen Symptomen merkt man es

Doch nicht nur die Haut ist gefährdet: Grannen können sich auch in Nase, Mund und Ohren der Hunde festsetzen, dann etwa durch den Magen-Darm-Trakt oder die Atemwege wandern. Dann kann es zu lebensbedrohlichen Schäden kommen! „Vermeiden Sie aktuell, Ihren Hund durch hohes Gras oder Getreidefelder laufen zu lassen. Halten Sie gegebenenfalls das Fell, besonders das an den Pfoten, kurz und bürsten Sie die Unterwolle aus. Nach jedem Spaziergang gilt: Unbedingt den Hund nach Grannen absuchen“, sagt Sarah Ross, Heimtier-Expertin bei „Vier Pfoten“.

Grannen lauern vor allem auf Wiesen und in Feldern - sie kommen unter anderem an Getreidepflanzen vor.
Grannen lauern vor allem auf Wiesen und in Feldern - sie kommen unter anderem an Getreidepflanzen vor. imago/Wolfgang MAria Weber

Es sei gut möglich, die Fremdkörper zu entfernen, solange sie nur im Fell hängen oder leicht in die Haut eingedrungen sind. „Nehmen Sie dafür gegebenenfalls eine Pinzette zur Hilfe“, sagt Ross. „Ist eine Granne jedoch schon tiefer in der Haut, muss der Hund umgehend in tierärztliche Behandlung, damit die Granne dort entfernt und der Hund entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente erhalten kann.“

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Und welche Symptome deuten auf Grannen hin? Hunde reagieren entsprechend – je nachdem, wo sich das lästige Pflanzenteilchen festgesetzt hat. Bei Grannen im Ohr wird sich das Tier etwa genau dort kratzen oder öfter den Kopf schütteln, um das Anhängsel loszuwerden. Ross: „Es kann außerdem sein, dass der Hund seinen Kopf schief hält und dabei übel riechende Flüssigkeit aus dem Ohr austritt.“

Grannen beim Hund: In der Nase können sie besonders gefährlich werden

Bei Grannen in der Nase läuft die Nase dementsprechend – oder es wird sogar Nasenbluten ausgelöst. Auch häufiges Niesen kann ein Warnsignal sein. Hier ist besondere Vorsicht geboten: „Wandern Grannen über die Nase und Luftröhre des Hundes zur Lunge, führt dies zu plötzlichem und anhaltendem Husten oder Atemnot: Es besteht absolute Lebensgefahr für den Hund.“ Am häufigsten setzen sich Grannen aber an den Pfoten fest – das macht sich durch ein Humpeln des Hundes bemerkbar.

Aber nicht nur Grannen lauern im hohen Gras – auch Zecken. Die können nicht nur für den Menschen gefährlich werden, sondern auch für Hunde. In der Umgebung von Forst (Spree-Neiße) sind laut Meldungen bereits mehrere Hunde nachweislich an der Krankheit Babesiose (Hundemalaria) gestorben, die von den Tieren übertragen wird. Babesiose gehe mit hohem Fieber und rot verfärbtem Harn einher, sagte Christine Klaus, Fachtierärztin für Mikrobiologie und Parasitologie am Friedrich-Loeffler-Institut in Jena.

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Aber auch eine FSME-Infektion könne bei Hunden tödlich ausgehen. Doch jeder kann seinen Vierbeiner schützen: Es gebe sehr gute zeckenabwehrende Mittel, die etwa als Halsband angewendet werden – und mit denen das Risiko eines Bisses etwas reduziert werden kann. Aber auch hier gilt: Besser nach dem Ausflug in der Natur den Hund nach Zecken absuchen – und das verhalten genau beobachten.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com