Hündin Ella wurde in Wedding vermutlich aus einem Auto geworfen, später landete sie im Tierheim. Tierheim Berlin

Eigentlich wollte ich Ihnen in dieser Woche eine schöne Tiergeschichte erzählen – und im Rahmen meiner Kolumne darüber schreiben, wie ich angesichts der schönen Frühlingstage momentan die Natur und Berlins Tierwelt entdecke und erkunde. Doch meine Freude an der schönen Jahreszeit wurde arg geschmälert, als mich ein Hilferuf aus dem Berliner Tierheim ereilte. Dort mussten in den vergangenen Tagen und Wochen nämlich besonders viele ausgesetzte Tiere aufgenommen werden. Wer gibt ihnen ein Zuhause?

Hunde im Tierheim: Diese armen Seelen wurden ausgesetzt

Frühlingsgefühle in Berlin? Im Moment scheint eher die Zeit der Herzlosigkeit gekommen zu sein. Denn: Es scheint, als wollen sich gerade jetzt besonders viele Menschen ihrer Tiere entledigen. Etwa Hündin Ella: Die Malteser-Mix-Dame, etwa ein bis zwei Jahre alt, wurde wohl in Wedding aus einem Auto geworden. „Sie war völlig verfilzt und verdreckt, als sie gefunden wurde“, heißt es.

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Pech hatte auch Pinscher-Hündin Grete. Sie wurde in Hohenschönhausen ausgesetzt, die Umstände sind allerdings völlig unklar. Sie sei sehr lieb, aber schon recht alt – und leide an Tumoren. Eine Tierheim-Mitarbeiterin brachte die Hündin in ihrer Pflegestelle unter, wolle sie vermutlich auch bei sich behalten. So viel Glück hatten Anna und Sammy: Die Katzen wurden in einer Transportbox vor dem Tierheim ausgesetzt, werden hoffentlich bald ein neues Zuhause finden.

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Richtig schlimm ist aber die Geschichte der namenlosen Bolonka-Hündin, die vor dem Tierheim ausgesetzt wurde. Auf Facebook posteten die Tierschützer ein Bild der bezaubernden Hündin. „Ende März wurde die kleine Bolonka-Hündin ausgesetzt, spätabends einfach an unserer Eingangsschranke angebunden“, heißt es zu dem Foto. Ihr Zustand sei katastrophal gewesen.

„Uralt, blind, taub, dement, kot- und urininkontinent – das war nur die Spitze des Eisbergs.“ Das kleine Seelchen sei „fast nur noch von ihrem Fell zusammengehalten“ worden. „Einige Tage haben wir noch alles versucht, aber sie hat sich furchtbar gequält; wir mussten sie erlösen.“ Einen Namen hatte die Hündin noch nicht. Tier-Freunde schlugen auf Facebook unter anderem vor, sie auf „Hope“ zu taufen – „Hoffnung“.

Auch die Tierpfleger sind fassungslos, fragen: „Warum?“

Die Tierpfleger stellten im Netz die Frage: „Wer macht sowas? Warum? Wie bringt man es übers Herz, sein hilfebedürftiges Tier am Ende so im Stich zu lassen?“ Und schon wieder muss auch ich die Frage stellen, die mich in solchen Fällen immer beschäftigt: Warum? Wer sich ein Tier anschafft, sollte es in die Familie aufnehmen, sich darum kümmern, ihm seine Liebe schenken. Und sich nicht davon trennen, als sei es ein wertloses Stück Müll.

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Und es trifft auch die ganz kleinen: Im Tierheim hat man aktuell vor allem mit einer wahren Kleintier-Flut zu kämpfen. So wurden in Mitte zwei süße Kaninchen mit den Namen Peppi und Lora an einer Kirche ausgesetzt – in einem beiliegenden Brief war die Rede davon, dass die beiden Geschwister seien und zusammen bleiben sollten. In Hellersdorf und Marzahn überließen Besitzer insgesamt fünf Kaninchen an Müllplätzen ihrem Schicksal. Heftig auch ein Fall aus Kreuzberg: Hier landeten acht Meerschweinchen in einem Karton auf einem Kinderbauernhof.

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Auch hier die Frage: Warum? „Bei den vielen Kaninchen, die ausgesetzt werden, liegt natürlich die Vermutung nahe, dass es mit Ostern zusammenhängt“, heißt es auf Nachfrage aus dem Tierheim. „Möglicherweise waren die Tiere ein Geschenk, wurden unkastriert irgendwo gekauft und nun müssen sie wieder weg – unter Umständen mit Nachwuchs im Gepäck.“ Leider seien vor allem Kleintiere wie Hamster, Kaninchen und Meerschweinchen leicht zu bekommen. „Und sie passen gut in Kisten und Geschenkkartons – das wird ihnen dann zum Verhängnis.“

Ich finde es schrecklich – denn während wir alle uns auf den Frühling freuen und die schöne Zeit genießen, können diese Tiere nur hoffen, bald wieder ein liebevolles Zuhause zu finden. Ich hoffe für sie, dass das schnell klappt. Und dass alle, die sich ein Haustier anschaffen wollen, lieber erst im Tierheim danach suchen, anstatt zu dubiosen Züchtern zu gehen oder auf Internet-Anzeigen zu antworten. Diese armen Seelchen haben es verdient.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com