Die Tiertafeln versorgen Haustierhalter, bei denen das Geld nicht reicht, mit Futter und anderen Dingen.
Die Tiertafeln versorgen Haustierhalter, bei denen das Geld nicht reicht, mit Futter und anderen Dingen. imago/epd

Die Preise steigen überall, das Geld wird knapper – und das trifft nicht nur viele Privatpersonen hart, sondern auch zahlreiche Organisationen, die sich um Menschen kümmern, denen es nicht so gut geht. Aber auch um Tiere – beispielsweise die Berliner Tiertafeln. Sie sammeln Geld, aber auch Futter- und Sachspenden, verteilen sie an jene, die sonst Probleme damit haben, ihre Haustiere zu versorgen. Denn: Niemand soll sein geliebtes Tier aus finanziellen Gründen aufgeben müssen, heißt es bei den Tiertafeln. Doch gerade jetzt, wo es für Haustierhalter sowieso um immer größere finanzielle Belastungen geht, leiden auch die Tiertafeln.

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Das Problem: Weil das Geld nicht mehr so locker sitzt, kommen immer weniger Spenden bei den entsprechenden Betreibern an. Die Not ist bei vielen Tiertafeln in ganz Deutschland zu spüren – etwa in Brandenburg. In Falkensee werden die Futterspenden etwa schon seit Herbst 2021 immer knapper, berichtet die Vereinsvorsitzende Petra Birkholz. „Manchmal reicht es nicht für die monatliche Ausgabe“, sagt sie. Problematisch ist es auch in Bad Belzig. Es gebe weniger Futterspenden – und auch größere finanzielle Zuwendungen, die so wichtig seien, bleiben hier aus.

Überall in Deutschland gibt es Probleme bei den Tiertafeln

Große Probleme auch in Sachsen: „Unsere Vorräte sind zu etwa zwei Drittel aufgebraucht“, sagte Sabine Köhn von der Tiertafel „Pfotenhilfe“ Chemnitz. Seit April 2019 gibt es die Tafel, bisher waren die Regale immer gut gefüllt. Und: Bisher flossen die Spenden reichlich. Doch seit einem halben Jahr wird es deutlich weniger.

Auch bei der Tiertafel in Chemnitz gibt es Futter - und nicht nur das,
Auch bei der Tiertafel in Chemnitz gibt es Futter - und nicht nur das, dpa/Hendrik Schmidt

Das Problem: Zugleich werden theoretisch mehr Spenden gebraucht, weil mehr Menschen kommen, um sich Futter zu holen. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen macht die Inflation auch das Versorgen von Haustieren teurer. Zum anderen brachten die Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine flüchten mussten, ihre geliebten Haustiere mit – und das stellt Organisationen wie die Tiertafeln vor neue Herausforderungen.

Auch die Berliner Tiertafel ruft zum Spenden auf

Deshalb rief auch die Berliner Tafel bereits zum Spenden auf. „Die geflüchteten Menschen können für sich und ihre Tiere oft nur das Allernötigste mitbringen - sie brauchen bei der Ankunft dringend Futter und notwendiges Zubehör“, sagt Linda Hüttmann, die Vorsitzende der Tiertafel. Bereits vor dem Beginn des Ukraine-Krieges kamen regelmäßig bis zu 250 Tierhalter zur Futterausgabe, aktuell müssen zusätzlich 500 Haustierhalter aus der Ukraine versorgt werden.

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Vor Jahren war ich für den KURIER bei der Futterausgabe der Tiertafel – damals gab es einen Grund zum Feiern: Die Ehrenamtlichen Helfer bezogen nach einer Pause ihr neues Quartier in Hohenschönhausen, konnten nach der Aufgabe des letzten Standortes in Baumschulenweg endlich wieder Bedürftige versorgen. Ein schöner Anlass – doch die Geschichten, die ich dort hörte, zeigten mir, wie wichtig die Arbeit der Tiertafel-Mitarbeiter ist.

2019 eröffnete die Berliner Tiertafel ihren damals neuen Standort - und im Lager gab es reichlich Futter.
2019 eröffnete die Berliner Tiertafel ihren damals neuen Standort - und im Lager gab es reichlich Futter. Sabine Gudath

So traf ich eine Berlinerin, die mit ihrer Hündin kam, um Futter zu holen. „Die Kleine wurde bei mir in der Wohnung geboren, gehört seitdem zu mir“, sagte die Frau. Sie arbeitete als Schneiderin, doch erlitt einen schweren Autounfall. Folge: Arbeiten ging nicht mehr, das Geld wurde knapp. Ein Rentner-Paar brachte Hündin Jaisy mit. „Unsere Kinder sind aus dem Haus, die Kleine ist der Ersatz. Ein Leben ohne sie ist kaum vorstellbar“, erzählte mir die Frau.. Doch die Mini-Rente reichte nicht mehr. „Aber ich esse selbst lieber eine Stulle weniger, damit es ihr gut geht“, sagte ihr Mann über Jaisy.

Ich kann nur hoffen, dass die Tiertafeln trotz der naturgemäß geringeren Spendenbereitschaft überleben, dass sie auch weiterhin in der Lage sind, Deutschlands arme Tierhalter zu versorgen. Denn die Folgen sind dramatisch: Schon vor Wochen wurde gewarnt, dass durch die gestiegenen Kosten immer mehr Menschen ihre geliebten Tiere abgeben müssen – die Folgen sind in den Tierheimen zu spüren.

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Hier leidet man sowieso unter den Folgen der Corona-Pandemie: Die Tierheime sind voll, weil immer mehr Leute ihre im Lockdown angeschafften Tiere abgeben müssen. Die Tatsache, dass die Versorgung angesichts gestiegener Preise nun schwerer fällt, wird die Situation weiter verschärfen. Wer spenden möchte, findet alle Infos dazu im Internet – etwa auf der Seite der Berliner Tiertafel unter www.tiertafel.org.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com