Morgens sieht man in vielen Berliner Grünanlagen die Spuren der gemeinen Müllsau. imago/Photocase

In meiner Kolumne berichte ich jede Woche von großen und kleinen Tieren aus Berlin und der ganzen Welt – doch während es sonst oft um Hunde und Katzen, Wildtiere oder Insekten geht, möchte ich mich dieses Mal einer ganz besonderen Spezies widmen. Einer leider gar nicht so seltenen Art, die mir vor allem in Berlin immer wieder begegnet. Und bei der es mir recht wäre, wenn sie – im Gegensatz zu allen anderen Tieren – ausgerottet würde. Die Rede ist von einer Art, die Sie ganz sicher kennen: Ich schreibe von der gemeinen Müll-Sau.

Lesen Sie dazu jetzt auch: Wer holt sie aus dem Tierheim? Die traurige Geschichte dieser Häschen rührt zu Tränen – finden Sie ein liebevolles Zuhause? >>

Die gemeine Müll-Sau hält sich meistens in Parks und Grünanlagen der Stadt auf, würde aber auch schon in Wäldern und sogar in einigen recht unscheinbaren Regionen angetroffen. Diese besonders Art bewegt sich gewöhnlich auf zwei Beinen fort und lässt, wo sie auch steht und geht, ihre Abfälle liegen. Besonders aktiv verhält sich die Müll-Sau übrigens, wenn sie in Gruppen angetroffen wird. Bei größeren Rudeln oder dem Aufeinandertreffen gleich mehrerer Rudel ist es kaum möglich, die Spuren der Müll-Sau am kommenden Tag zu übersehen.

Lesen Sie dazu jetzt auch: So süß, so klein – und so traurig! Timon und Pumba warten im Tierheim Berlin auf ein neues Zuhause... wer gibt ihnen eine Chance? >>

Die Berliner Müllsau: Diese ekelhafte Tierart gehört endlich ausgerottet!

Aber Spaß beiseite – was hier vielleicht lustig klingt, brennt mir auf der Seele. Ich bin sehr oft – ich habe darüber bereits geschrieben – in der Natur unterwegs. Gehe morgens gern spazieren, an freien Tagen stehen größere Wanderungen an. Ich erfreue mich daran, die Natur zu bestaunen, den Vögeln zuzuhören, mit etwas Glück auch mal Wildtiere in freier Wildbahn zu bestaunen. Doch ich empfinde es immer wieder als Schande, wie einige Menschen mit der Natur umgehen. Und dafür muss ich übrigens kein Klimaaktivist, kein Naturschützer und auch kein Greta-Thunberg-Anhänger sein.

Achtlos hingeworfener Abfall gehört in vielen Berliner Grünanlagen zum Stadtbild. Sabine Gudath

Beispiel Biesdorf: 2021 gab es einen Aufschrei, weil die Uferkante des Biesdorfer Baggersee mit Steinen zugeschüttet wurde. Im See soll nicht mehr gebadet werden – und auch der Aufenthalt um den See sollte dadurch unattraktiver gemacht werden. Das ist blöd für die Anwohner und jeden, der sich hier gern aufhält. Allerdings habe ich mir im vergangenen Sommer mal den Spaß gemacht, an einem Montagmorgen um das Gewässer zu laufen.

Lesen Sie dazu jetzt auch: Armer, kleiner Toni! Dieser süße Hund aus dem Tierheim Berlin sucht dringend eine Pflegestelle! Wer schenkt ihm ein schönes Leben? >>

Überall Müllberge, kaputte Flaschen, ausgebrannte Einmalgrills, Essensreste. An einigen Stellen watete man förmlich durch Abfälle. Was soll das? Kann nicht jeder, der Müll verursacht, ihn auch wieder mitnehmen? Anderes Beispiel, ebenfalls aus meiner Region Berlins: Manchmal spaziere ich von der Karlshorster Treskowallee aus entlang eines sehr schönen Weges bis Rummelsburg.

Überall kippen die Menschen einfach achtlos ihre Abfälle ab

Mitten auf der Strecke, am Rand einer Kleingartenanlage, hatte neulich jemand eine größere Menge Müll abgeworfen. Und nein, es war kein Tier, das einen gelben Sack zerfetzt hatte, sondern offensichtlich eine durch Einzelpersonen gestartete Müllkippe voller Unrat.

Noch eine Begebenheit: Einmal bin ich von Karlshorst auf meinem Lieblingsweg nach Biesdorf gelaufen, im Gepäck einen Müllsack und Handschuhe – und habe entlang der Strecke Abfälle gesammelt. Weggeworfene Masken, Dosen, Flaschen, Chipstüten, sogar eine leere Schale eines Fertiggerichts. Am Ende des etwa anderthalb Kilometer langen Weges war der Sack voll. Allerdings kann es auch nicht die Lösung sein, dass man ständig anderen Leuten hinterherputzen muss.

Nach den Party-Nächten am Wochenende liegen viele Berliner Parks voller Müll. Berliner KURIER/Benjamin Pritzkuleit

Um beim Thema der Kolumne zu bleiben: Mir tut es vor allem Leid um die Tiere. Döner- und Bratwurst-Reste sind nicht die richtige Ernährung für die Wasservögel am Baggersee. Der Müll kann vielen Wildtieren gefährlich werden, wenn sie sich daran verletzten oder ihn versehentlich fressen. Und selbst die kleinste Tierwelt – jene der Insekten – ist bedroht, wenn wir mir unseren Grünanlagen und Parks weiter so umgehen, wie wir es momentan tun.

Können wir alle nicht die Müll-Sau zähmen, die in uns steckt?

Können wir nicht alle einfach die Müll-Sau zähmen, die tief in uns steckt? Schaffen wir es, diese Tierart, die alles andere als niedlich ist, endlich auszurotten? Inzwischen wird sogar darüber nachgedacht, den Zugang zu Berliner Parks zu verbieten, weil die Natur vor uns allen geschützt werden muss.

Lesen Sie dazu jetzt auch: Dramatische Tier-Geschichte: Diese Husky-Welpen flohen mit ihrer Mama aus der Ukraine – jetzt suchen sie ein neues Zuhause >>

Schön wäre das nicht… aber wenn es keine andere Möglichkeit gibt, unser Stadtgrün zu bewahren, wenn wir uns alle nicht am Riemen reißen und anfangen, uns wie normale Menschen zu benehmen, dann wird es bald keine andere Möglichkeit mehr geben.

Lesen Sie dazu jetzt auch: So süß, so klein – und so traurig! Timon und Pumba warten im Tierheim Berlin auf ein neues Zuhause... wer gibt ihnen eine Chance? >>

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com