Der Spieler hat sechs Versuche, um ein Wort mit fünf Buchstaben zu erraten. dpa/Fernando Gutierrez-Juarez

Es gibt immer wieder solche Spiele-Hypes. Dass die ganze Welt süchtig nach einem Game ist. Und spielen muss und spielen und spielen. Tetris für den Gameboy aus den frühen 90ern ist vielleicht die Mutter aller Spiele-Hypes. Später kamen Pokemons, Moorhühner oder das Quizduell. Jetzt geht es mal wieder um Buchstaben und ein schlaues Köpfchen. Das Online-Buchstabenrätsel „Wordle“ ist bislang das Trend-Spiel des Jahres – täglich suchen weltweit Millionen Menschen nach dem Wort des Tages. KURIER erklärt wie es geht, was hinter dem Hype steckt.

Wordle klingt ein wenig wie die schwäbische Verkleinerungsform des englischen „Word“ (Wort). Und ein kleines, kurzes Spiel ist es auch. Ein Spiel der Software-Entwickler Steven Cravotta und Josh Wardle, das eigentlich als Geschenk für Wardles  Freundin gedacht war. Dann ging „Wordle“ als Web-Anwendung an den Start – und eroberte das Netz im Sturm. Mittlerweile gibt es teils verrückte Adaptionen und Statistiken.

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Das Spiel: So geht es

Bei „Wordle“ haben Nutzer sechs Versuche, um ein Wort mit fünf Buchstaben zu erraten. Dabei gibt es nach jedem Versuch Farbhinweise: Richtig platzierte Buchstaben werden grün eingefärbt, nicht vorkommende Buchstaben grau. Kommt ein Buchstabe vor, aber nicht an der getippten Stelle, wird er gelb.

Die Idee: Schon 1987 ein TV-Hit

Die Idee für das Spiel ist schon wesentlich älter. 1987 ging in den USA die TV-Spielshow „Lingo“ mit sehr ähnlichem Prinzip an den Start. Zwei Jahre später wurde eine Adaption im holländischen Fernsehen zum langjährigen Hit, später dann auch in Frankreich und zuletzt in Großbritannien. In Deutschland wurde die „Lingo“-Adaption „5 mal 5“ von 1993 bis 1994 bei Sat.1 ausgestrahlt.

Der Erfolg: Warum so viele danach süchtig werden

Den Erfolg von „Wordle“ begünstigen zwei Faktoren: Es gibt jeden Tag nur ein Wordle-Rätsel. Außerdem können Nutzer ihre Ergebnisse über soziale Netzwerke wie Twitter oder WhatsApp an Freunde weiterleiten, ohne dabei das Wort zu verraten. So kann ein Spieler stolz zeigen, wenn er das Wort des Tages in zwei Versuchen erraten hat – oder dramatisch im letzten Versuch. Der Erfolg spricht für sich: Nach Angaben der New York Times Company wird „Wordle“ inzwischen täglich von Millionen Menschen gespielt. Der Mutterkonzern der „New York Times“ übernahm das Spiel Ende Januar – laut Verlagsangaben zu einem Preis im „unteren siebenstelligen Bereich“.

Der Software-Entwickler Steven Cravotta hatte die Idee zum Spiel „Wordle“. AFP/Sullivan

Die Varianten: Welche Spiele so ähnlich sind

Da es jeden Tag nur ein Wordle gibt, bleibt viel Spielraum für Nachahmer. Für Spieler, die nicht genug kriegen können, sind mittlerweile zahlreiche Alternativen auf dem Markt. Für deutsche „Wordle“-Fans gibt es etwa „Wördl“ und „6mal5“, wo deutsche Wörter erraten werden können. Bei „Hello Wordl“ oder „WordGuessr“ kann man vorab die gewünschte Länge der Wörter angeben, bei „Octordle“ parallel acht Begriffe gleichzeitig erraten. „Heardle“ ist für Musik-Experten: Dort geht es um Songs, die man mit Hilfe ihrer Anfangssequenzen erraten muss. In „Worldle“ muss ein Land anhand seiner Umrisse erkannt werden, Zahlen-Liebhaber sind bei „Nerdle“ gut aufgehoben. Sportfreunde können in „Who Are Ya?“ Fußballer auf Basis von Daten erraten - mit dieser Anwendung wechselt der „Wordle“-Hype dann aber schon sanft in die Richtung des Spiels „Wer bin ich?“.

Die Parodien: Auf der Suche nach Schimpfwörter und Flüchen

Bei großen Hypes sind auch Parodie-Versionen nicht weit: In „Sweardle“ wird nach Schimpfwörtern und Flüchen gesucht, bei „Absurdle“ wird das gesuchte Wort durchaus während der Rätselrunde noch verändert, um es dem Spieler schwer zu machen. In „Letterle“ muss ein Buchstabe richtig erraten werden - das ist also eher etwas für Freunde des Wurfs einer 26-seitigen Münze.

Der Hype: Von 90 Spielern auf Millionen in nur drei Monaten

Erst beschäftigten sich nur Entwickler Wardle und seine Freundin Palak Shah mit dem Spiel. Nach der Veröffentlichung im Oktober 2021 spielten „Wordle“ am 1. November laut Wardle 90 Menschen. Zwei Monate später waren es 300.000 Menschen, kurz darauf übertraf „Wordle“ dann die Millionenmarke - Tendenz immer weiter steigend. „Wenn es Ihnen wie mir geht, wachen auch Sie jeden Morgen auf und denken an „Wordle““, sagte Jonathan Knight, General Manager von The New York Times Games. „Es hat uns alle ein wenig mehr zusammengebracht.“ Es sei einfach ein Spiel, das Spaß mache, sagte Wardle der „New York Times“. „Es ist etwas, was dich dazu animiert, dich drei Minuten am Tag damit zu beschäftigen. Mehr nicht.“

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Die Klügsten: Die Schweden sind am schnellsten

Da „Wordle“ schon fast die ganze Welt erobert hat, haben die Macher der Internet-Seite „WordTips“ mithilfe von Geodaten Tausende Tweets ausgewertet und ein Länderranking erstellt. Demnach sind die Schweden die Wordle-Könige, sie brauchen durchschnittlich 3,72 Versuche. Deutschland liegt mit 4,01 Versuchen im Mittelfeld.

Ein Tipp für Einsteiger: Was der perfekte Startbegriff ist

Ein Tipp für mögliche Einsteiger: Tüftler haben perfekte Startbegriffe ermittelt, in denen möglichst viele häufig vorkommende Buchstaben enthalten sind. In englischen wie auch deutschen Versionen fahren Spieler mit „Adieu“ und „Agent“ besonders gut.