Das neue iPad Air 4 (l.) und das iPad 8 mit den passenden Tastaturen von Apple. Foto: Christoph Dernbach/dpa

Apple zeigt klare Kante: Wie beim iPad Pro umschließt das neue iPad Air nun ein markanter Edelstahlrahmen. Vom iPad Pro hat das neue Air auch weitere Features geerbt. So wird es nicht mehr mit einem Lightning-Kabel geladen, sondern verfügt über eine USB-C-Buchse. Es gibt aber durchaus noch Unterschiede zu den Pro-Modellen.

Auf den ersten Blick fällt auf, wie dünn die Ränder des Bildschirms beim iPad Air 4 geworden sind. Das ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass Apple den platzraubenden Home-Button am unteren Display-Rand abgeschafft hat. Das Gerät lässt sich aber weiterhin mit einem Fingerabdruck entsperren. Der Touch-ID-Sensor ist nun in den Ein- und Ausschaltknopf an der Oberseite gewandert. Diese Freischalt-Option würde man sich auch beim aktuellen iPhone wünschen.

Mit dem Gehäuse des neuen iPad Air setz Apple nun auch neue farbliche Akzente. Neben dem bewährten Finish in Silber, Grau und Rosa-Gold sind nun auch die Farben Blau und Grün zu haben.

Das Display der neuen iPads überzeugt

Im Praxistest überzeugt vor allem die Display-Qualität des iPad Air. Hier wurde eine entspiegelte Glasschicht auf das eigentliche Displaypanel laminiert. Das Ergebnis: Der 10,9-Zoll-Bildschirm reflektiert spürbar weniger Licht. Die Zahl der Pixel wurde gegenüber dem iPad Air 3 leicht auf 3,87 Millionen Pixel erhöht.

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In Verbindung mit dem Apple Pencil und der hohen Farbtreue bietet sich das iPad Air als mobile Maschine für die kreative Bildbearbeitung an. Apps wie Pixelmator Photo eignen sich hervorragend dafür. Wie der große Pro-Bruder ist das iPad Air 4 kompatibel mit der zweiten Generation des Apple Pencil, die an einer Seite abgeflacht ist, um magnetisch am der Gehäuseseite zu haften, um aufgeladen zu werden.

Auch als mobile Video-Bearbeitungsstation macht das iPad Air 4 eine gute Figur. Der A14 Bionic-Chip – genauer gesagt ein sogenanntes System-on-a-Chip mit etlichen Einzelprozessoren – verleiht dem iPad so viel Power, dass auch beim Videoschnitt in 4K-Auflösung in einer App wie Luma Fusion nichts ruckelt.

Die Kamera ist eher mau

Das Filmmaterial dazu sollte man im Zweifelsfall besser mit dem iPhone aufnehmen. Das iPad Air verfügt nämlich nicht über die beste Kamera, die im Apple-Universum zu finden ist. Zwar wurde die Auflösung von acht auf zwölf Megapixel erhöht. Das führt dazu, dass die Aufnahmen feinere Details darstellen. Auch die etwas größere Blendenöffnung (f/1,8 statt f/2,4) trägt zu einer verbesserten Darstellung bei.

Doch die gewaltigen Fortschritte bei Aufnahmen in dunklen Umgebungen, die mit dem iPhone 11 und 12 eingeführt wurden, werden hier schmerzlich vermisst. Selbst ein iPhone 8 kann bessere Fotos aufnehmen als das iPad Air. Die Kamera leistet aber gute Dienste, wenn es darum geht, Dokumente einzuscannen oder die Umgebung in AR-Apps anzuzeigen.

Das neue iPad Air 4 (u.) und das iPad 8 verfügen nur über mittelmäßige Kameras. 
Foto: Christoph Dernbach/dpa

Für die Anwender, die ständig in Videokonferenzen stecken, gibt es eine gute Nachricht: Die Frontkamera des iPad Air 4 bietet immerhin eine Auflösung von sieben Megapixeln und kann 1080p-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde aufzeichnen. Die Kamera auf der Rückseite schafft sogar eine 4K-Auflösung mit 60 Frames pro Sekunde. Bei Tageslicht überzeugen die Ergebnisse, bei wenig Licht kommt man dagegen schnell an die Grenzen.

Tastatur ist sinnvoll

Ähnlich wie das iPad Pro positioniert Apple das neue iPad Air 4 als vollwertige Arbeitsmaschine, die in weiten Teilen einen Laptop ersetzen kann. Dazu ist man allerdings auf eine Tastatur angewiesen. Zur Auswahl stehen das Smart Keyboard Folio für 193 Euro sowie das Magic Keyboard mit einem Trackpad, das 330 Euro kostet. Hier lohnt sich der Preisaufschlag, denn gerade bei der Arbeit mit einer Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation erweist sich das Trackpad als ungemein praktisch.

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Für viele Anwender dürften die Pro-Features des iPad Air ausreichen, das mit 64 Gigabyte (GB) Speicher rund 630 Euro kostet und damit 250 Euro billiger ist als das aktuelle iPad Pro 11 Zoll mit 128 GB. Wenn etwas mehr Speicher benötigt wird, kann man auch zu iPad Air 4 mit 256 GB für rund 800 Euro greifen.

Im Vergleich zum echten Pro-iPad fehlt die True-Depth-Funktion der Selfiekamera, die für die Gesichtserkennung FaceID und den Portrait-Modus der Kamera benötigt wird. Das iPad Air verfügt auch nicht über den Lidar-Sensor, der AR-Anwendungen aufwertet. Und dem iPad Air fehlt in Vergleich zur Pro-Reihe etwas Wumms, denn es muss mit zwei statt vier Lautsprechern auskommen.

iPad 8 gibt sich traditionell

Das iPad Air ist für alle Anwender interessant, die wie mit einem Pro-Modell ernsthaft arbeiten wollen, aber nicht bereits sind, 860 Euro oder mehr dafür auszugeben. Wem die 630 Euro für den Einstiegspreis beim iPad Air 4 zu hoch ist, sollte sich das neue iPad 8 anschauen. Das kommt ganz traditionell mit einem abgerundeten Gehäuse und einem breiteren Displayrand daher.

Es verfügt auch noch über die klassische Home-Taste und eine Klinkenbuchse für einen Kopfhörer. Während das Design hier etwas altbacken wirkt, steckt im Innern mit dem A12-Bionic-Prozessor halbwegs aktuelle Technik. Im Praxistest liefen 3D-Spiele, Musik-Recording mit Garage Band oder der Videoschnitt in Luma Fusion flüssig ab.

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Die Kameras können wie beim iPad Air 4 nicht wirklich überzeugen. Weder mit der Optik auf der Rückseite noch mit der Selfie-Knipse gelingen überragende Fotos. Für Schnappschüsse reicht es aber allemal. Das iPad 8 ist weniger ein Laptop-Ersatz, obwohl es auch für dieses einfachere Gerät eine Tastatur gibt, auf der sich gut schreiben lässt. Das iPad 8 ist aber mehr als nur eine Abspielstation für Filme oder ein Reader für E-Books. Dazu hat es zu viel Power.

Standard-iPad für Schule oder Uni

Das neue Standard-iPad von Apple dürfte sich mit einem Einstiegspreis von 369 Euro (32 GB) gut im Alltag in der Schule oder Uni schlagen. Das Modell mit 128 GB Speicher kostet 466 Euro. Die Kunden kaufen damit auch ein Stück Zukunftssicherheit ein, denn die Prozessorleistung gegenüber dem Vorgängermodell wurde enorm verbessert. Und Apple ist bekannt dafür, seine Geräte lange mit aktueller Software zu versorgen.

Außerdem findet sich erstmals bei einem einfachen iPad-Modell ein Spezialchip für KI-Anwendungen (Neural Engine). Das iPad 8 unterstützt auch den Apple Pencil, allerdings nur den einfacheren Stift der ersten Generation, den Pencil 1 (100 Euro). Er lässt sich auch durch günstigere Stifte ersetzen, etwa durch den nur 70 Euro teuren Logitech Crayon.

Der Aufschlag für den LTE-Mobilfunk (4G) wurde von einst 170 Euro auf 136 Euro abgesenkt. Beide neuen iPads kommen aber auch ohne 4G online: Das iPad 8 funkt noch mit Wi-Fi 5, das iPad Air 4 bereits mit Wi-Fi 6, mit dem um ein Drittel höhere Datenübertragungsraten möglich sind.