Variante Ost: Drei panierte Scheiben Jagdwurst liegen als „Jägerschnitzel“ auf einer Portion Spirelli mit Tomatensoße Foto: Jan Woitas/dpa

Kein anderes Tellergericht sorgt so für deutsch-deutsche Missverständnisse wie das Jägerschnitzel. So lässt es Westdeutsche im Osten entgeistert auf eine panierte Jagdwurstscheibe starren. Der Ostdeutsche im Westen ist enttäuscht, wenn er ein gebratenes Stück Fleisch mit Pilzsoße statt des erhofften Lieblingsessens aus Kindertagen vorgesetzt bekommt: Jägerschnitzel - also Jagdwurst mit Nudeln und Tomatensoße. Generationen von Familien zwischen Ostsee und Erzgebirge ließen sich das in Kantine und Schulküche schmecken.

Und doch - auch 30 Jahre nach dem Mauerfall - sorgt die Verwechslung auf dem Teller auch noch heute für ordentlichen Zoff. Jetzt brach im Nachrichtendienst Twitter sogar ein richtiger Shitstorm über die Definition von Jägerschnitzel los. Und obwohl Geschmäcker ja verschieden sind, so sind einige der Aussagen zum Lieblingsgericht der Ostdeutschen ziemlich geschmacklos.

Variante West: Jägerschnitzel mit Pilzsoße und Pommes Foto: Imago Images/Andre Bonn

„Es ist eine Beleidigung, dass dieser Fraß überhaupt Schnitzel genannt werden darf“, schrieb zum Beispiel der Nutzer Lucas. Ein anderer setzt noch einen drauf: „Ich sehe gerade, dass man in den neuen Bundesländern dies hier als Jägerschnitzel bezeichnet und weiß jetzt, warum dort alle ständig am Jammern sind. Das hielte ich auch nicht aus.“ In den Zoff steigt auch noch Nutzer Boggsen ein: „Leute, die behaupten, der Trabbi war ein echtes Auto, erklären also nun, was ein echtes Jägerschnitzel ist. Passt zu 2020.“

Natürlich wollen das die vornehmlich ostdeutschen Twitter-User und Panierte-Jagdwurst-Fans nicht einfach auf sich sitzen lassen. So schreibt Franks Zwitscherstube: „Jägerschnitzel (Ost) ist genau wie Pfefferwürstchen oder Bratstulle leckeres Armeleuteessen, und wer das verächtlich macht, hat mehr Geld, als seiner verrotteten Seele guttut.“ Oder Ronja: „Jeder, der behauptet, das ein RICHTIGES Jägerschnitzel (panierte Jagdwurst) eklig ist, hat doch noch nie eins gegessen oder Geschmacksverirrungen.“ Ähnlich sieht es Kiki: „Wie Ihr Euer Jägerschnitzel macht, ist mir dagegen völlig (Jagd-) Wurst.“

Nun könnte man meinen, dass am Schnitzel der Ost-West-Konflikt ausgefochten wird und Deutschland ein kulinarisches Minenfeld ist. Doch ganz so ernst nehmen den Zoff dann doch nicht alle. Spöttisch schreibt User Train Tracks: „Es wird spannend sein zu sehen, welchen Stellenwert die #Jägerschnitzel-Debatte von 2020 in der Geschichtsschreibung einnimmt.“ Einige versuchen zu schlichten: „Euch brennt wohl der Arsch!? Was issn so schwer dran zu akzeptieren, dass in verschiedenen Regionen manche Gerichte anders zubereitet werden? Esst doch, was ihr wollt!“, schreibt die Nutzerin Wortgestalten. 

Beschwichtigen will auch Dill-Sergeant: „Ich habe dieses Jägerschnitzel (Ost-Version) noch nie probiert, aber anstatt hier dumm rumzustreiten denke ich darüber nach, es einfach mal zu essen! Klingt nämlich auch lecker!“ Sogar der Duden zeigt sich versöhnlich und benennt in seiner Ausgabe beide Gerichte:

Auch Twitter-User Horst Hutzel kann den Jägerschnitzel-Zoff nicht ernst nehmen und schreibt: „Ich finde die Diskussion über Jägerschnitzel furchtbar. Ist es nicht eh schon schlimm genug, dass bei uns ausschließlich Jäger und keine Jägerinnen zu Schnitzeln verarbeitet werden.“ Kulinarisch versöhnend schreibt auch Revieraufsicht: „Ihr könnt euer Jägerschnitzel so essen, wie ihr wollt, solange mir keiner Majo in den Kartoffelsalat kippt.“ Aber darüber kann man ja bekanntlich auch streiten...