Simon Ernst und Johannes Golla versuchen alles, um Norwegens Magnus Gullerud zu stoppen. Foto: dpa/Marijan Murat

Jetzt geht das Ding andersrum. Leider überall. In der Vorrunde der Handball-EM in Ungarn und der Slowakei wurde die DHB-Auswahl täglich von neuen Corona-Fällen geschockt, fuhr auf dem Parkett aber drei Siege in drei Spielen ein. Vorm Hauptrunden-Hit gegen Norwegen gab es keine neue Infektionen, Bundestrainer Alfred Gislason konnte erstmals im Turnier zum zweiten Mal in Folge auf den gleichen Kader zurückgreifen. Dafür aber folgte im zweiten Spiel die zweite Niederlage - diesmal 23:28 (12:14).

Die unerfahrene deutsche Mannschaft war gegen den EM-Dritten wie schon am Vortag gegen Europameister Spanien (23:29) trotz einer starken kämpferischen Leistung recht deutlich unterlegen. Eine zu schwache Offensive kostete das von elf coronabedingten Ausfällen gebeutelte DHB-Team die Chance auf eine Überraschung.

Johannes Golla trifft viermal

Auch der in der ersten Halbzeit herausragende Torhüter Johannes Bitter konnte die verdiente Niederlage nicht verhindern. Bester Werfer war Kapitän Johannes Golla mit vier Toren.

Um das Halbfinale noch zu erreichen, braucht das deutsche Team nun dringend zwei Siege - und ist auf Schützenhilfe angewiesen. Verliert die deutsche Mannschaft auch die nächste Partie gegen Vizeweltmeister Schweden am Sonntag (18 Uhr, ARD), ist der Medaillentraum schon vorzeitig ausgeträumt.

Zum Abschluss der Hauptrunde geht es am Dienstag (18.00 Uhr/ZDF) gegen Russland. Die besten beiden Mannschaften der Sechsergruppe ziehen ins Halbfinale ein.

Kai Häfner gibt Richtung vor 

„Wir müssen es schaffen, eine kompakte Abwehr zu stellen. Ganz wichtig wird, dass wir den Rückzug hinbekommen, die Norweger werden brutal Tempo machen“, hatte der infizierte Nationalspieler Kai Häfner vor dem Anwurf via Video-Schalte prognostiziert. Der 2016er-Europameister sah kurz darauf im Hotelzimmer vor dem Fernseher, wie genau das zu Beginn gelang.

Die deutsche Deckung mit einem starken Bitter als Rückhalt ließ in den ersten acht Minuten nur zwei Gegentore zu. Vorne funktionierte das Kreisspiel vor 2026 Zuschauern in Bratislava zunächst sehr ordentlich, Golla traf gleich doppelt. Auch im Gegenstoß präsentierte sich Deutschland sehr effektiv.

Starker Jogi Bitter reicht nicht

Die Norweger mussten für jedes ihrer Tore hart kämpfen. Der Kieler Starspieler Sander Sagosen wurde von Simon Ernst in der deutschen Abwehr gut bearbeitet, zudem parierte Jogi Bitter einen Ball nach dem anderen (am Ende starke 39 Prozent abgewehrter Bälle). Das Problem: In der Offensive fand der Rückraum nur selten Lücken.

Als David Schmidt eine neun Minuten lange Durststrecke ohne deutschen Treffer beendete, war aus einer 6:5-Führung (17.) längst ein Rückstand geworden. Auch in der zweiten Halbzeit blieb jeder Versuch einer Aufholjagd schon in Ansätzen stecken. So dass der Sieg der Norweger nie wirklich in Gefahr geriet.