Enrique Plantey sorgt bei den Paralympics in China nicht nur auf der Piste, sondern auch mit seinem Sex-Buch für Aufregung. Imago, Instgram

Wie komme ich zum Höhepunkt? Welche Stellung ist am intensivsten? Oder: Wie spreche ich eine Frau an? Enrique Plantey kann sich vor Fragen kaum retten. Der argentinische Skifahrer ist bei den Paralympischen Winterspielen in Peking eine Attraktion – aber nicht im sportlichen Sinn. Noch in diesem Jahr veröffentlicht der 39-Jährige mit seiner Partnerin ein Sex-Buch für Behinderte.

„Wir wollen über die Empfindungen unseres Körpers sprechen, wir wollen die Lust und den echten Orgasmus spüren“, sagte Plantey, der mit seiner nicht behinderten Freundin Triana Serfaty bei Instagram den Sex-Blog „Sexistimos“ betreibt. Fast 8000 Menschen lesen die Einträge regelmäßig, das gleichnamige Buch soll das breite Themenspektrum zusammenfassen.

Ratschläge und erotische Kurzgeschichten

Neben wahren Geschichten aus dem Leben behinderter Paare werden auch medizinische Ratschläge und erotische Kurzgeschichten zu lesen sein. „Es ist voller Tabus, den sexuellen und denen mit Behinderung“, kündigte Plantey an: „Wir haben die Aufmerksamkeit der Menschen geweckt, sie wollen mehr erfahren.“

Plantey selbst ist querschnittsgelähmt. Seit seinem elften Lebensjahr sitzt er im Rollstuhl, nachdem er bei einem schweren Autounfall, bei dem sein Vater und sein Bruder ums Leben kamen, eine Rückenmarksverletzung erlitt. Mit seiner Mutter kämpfte sich Plantey in Kuba bei einer viermonatigen Physiotherapie ins Leben zurück.

Enrique Plantey seit 10 Jahren mit Triana ein Paar

Mit seiner Triana ist Plantey seit zehn Jahren in einer Beziehung. Doch nach dem ersten Treffen wollten Serfatys Freundinnen nur eines wissen. „Gibt es sexuelle Gemeinsamkeiten?“, verriet Plantey und klärte auf: „Wir schauen uns andere Bereiche am Körper an, wir können andere Dinge machen und auch andere Fähigkeiten entwickeln.“

Das seien „die Dinge, die wir mit den Menschen teilen möchten, damit auch sie die ausprobieren können“, sagte Plantey, der bei der Eröffnungsfeier die argentinische Fahne ins Nationalstadion Pekings getragen hatte. Sexuell beeinträchtigt fühlt er sich derweil nicht.

Jeder kennt Sexistimos bei den Paralympics

„Der Mann setzt sich selbst unter Druck, weil er denkt, dass er nicht so viel Freude bereiten kann wie früher – und das ist falsch“, erklärte Plantey: „Sie können die gleiche Freude bereiten, auch wenn Sie sich nicht mehr so bewegen können wie früher.“ Seinen Rat suchen auch viele Behindertensportler.

Im paralympischen Dorf „kennt jeder Sexistimos“, erklärte Serfaty, die ihren Freund bereits zum dritten Mal als Teammitglied der Argentinier zu den Spielen begleitet. Mit einigen der Athletinnen und Athleten habe das Paar „bereits bei Instagram kommuniziert“, sagte die Krankenschwester, „nun treffen wir sie Angesicht zu Angesicht.“

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