Der PS-König von Brasilien mit Fahne: Lewis Hamilton hat nach seiner irren Aufholjagd allen Grund, auf dem Siegerpodest stolz zu lächeln.  Foto: AFP/Nelson Almeida

Das war wirklich weltmeisterlich! Lewis Hamilton (36) trotzte einer Doppel-Strafe, zeigte zwei Wahnsinns-Aufholjagden und schnappte WM-Spitzenreiter Max Verstappen (24) noch den Brasilien-GP weg. Verstappen-Helfer Sergio Perez (32) klaute ihm zwar noch den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde, dennoch verkürzte der Weltmeister seinen Rückstand auf nur noch 14 WM-Punkte. Das kann der Brite in den verbleibenden drei Rennen noch aufholen.

Was für ein Triumph des Willens! Nach Hamiltons zweiter Aufholjagd nach dem Sprintrennen (von Rang 20 auf fünf) stellte er Verstappen in der 48. Runde. Der Brite versuchte außen vorbeizugehen, doch „Mad Max“ drückte ihn von der Piste. Hamilton funkte: „Er ist crazy.“ Doch Fia-Rennleiter Michael Masi (42) hielt nicht mal eine Untersuchung des Vorfalls für nötig.

Hamilton zynisch: „Natürlich nicht.“ Nicht nur für Ex-Formel-1-Pilot Timo Glock (39) eine Fehlentscheidung: „Lewis war schon halb neben ihm und wurde von der Strecke gedrängt.“

Ratschlag von Papa Hamilton

Doch Hamilton blieb fokussiert und schnappte sich Verstappen in der 59. Runde. Und jubelte noch im Auto: „Yeah, großartig Jungs. Was für ein Sieg und das nach einer 25-Plätze-Strafe.“ Später sagte er: „Das Wochenende war schwierig, alles lief gegen uns, aber ich habe nie aufgegeben. Mein Vater hat mich an ein Formel-3-Rennen erinnert, in das ich auch als Letzter gehen musste. Ich habe gepusht und das Ding gedreht. Das fühlt sich fast an wie mein erster Sieg.“

Verstappen haderte: „Wir haben alles versucht, es war ein toller Kampf, aber am Ende hat ein wenig Pace gefehlt. Es war ein bisschen Schadensbegrenzung, aber ich bin zuversichtlich, dass wir zurückschlagen.“

Genugtuung für Toto Wolff

Was für eine Genugtuung – auch für Mercedes-Teamchef Toto Wolff (49). Der fühlte sich zuvor von der Fia verschaukelt, die Hamilton wegen eines um 0,2 mm zu großen Spalts im Heckflügel vom Qualifying disqualifiziert hatten. Nur dank seiner Aufholjagd im Sprintrennen und trotz der Fünf-Plätze-Strafe wegen des Wechsels von Motorteilen kam er überhaupt in Schlagdistanz zu Verstappen.

Wolff tobte: „Hier wurde mit zweierlei Maß gemessen. Red Bull durfte beim letzten Rennen Teile wechseln und wir werden wegen eines kleinen Schadens disqualifiziert. Das war ja kein Regelbruch.“

Sebastian Vettel ohne Chance

Für Sebastian Vettel (34) gab es nach dem Zwischenhoch in Mexiko (Siebter) wieder eins auf die Mütze. Am Start noch vom dank der Hamilton-Strafe geerbten 9. Platz auf sieben vorgefahren, wurde er auf Rang 11 durchgereicht. Weder dem Alpha-Tauri noch dem McLaren-Mercedes oder Alpine ist sein Aston Martin gewachsen.

Kimi küsst Mick Schumacher

Mick Schumacher (22) wurde nach einem frühen Crash Letzter. Am Start verlor er erneut eine Position an seinen Haas-Intimfeind Nikita Mazepin (22). Und in der 11. Runde geriet er eingangs des Senna-S mit Kimi Räikkönen (42) aneinander.

Der Finne versuchte, ihn außen zu überholen und rumpelte beim Einlenken über den Frontflügel, der abriss und sich unter dem Haas verhakte. Bei der Fahrt in die Box und Nasen-OP verlor Mick viel Zeit und wurde schon früh überrundet.

Ausgerechnet Kimi! Der „Iceman“ hatte bei ihrer Pressekonferenz auf Micks Aussage („Ich hätte gerne die Möglichkeit gehabt, mal richtig gegen ihn zu fahren“) gescherzt: „Ich werde mal langsamer fahren und dann racen wir!“ Leider endete ihr erstes Renn-Duell im Crash.