Eindrucksvolle Vorstellung: Tadej Pogacar. Foto: AFP/Ena

In einem Showdown für die Geschichtsbücher hat Wunderkind Tadej Pogacar seinem Kumpel Primoz Roglic den sicher geglaubten Tour-de-France-Sieg abgejagt. Zwei Tage vor seinem 22. Geburtstag nahm Pogacar als Gewinner des Bergzeitfahrens dem Mann in Gelb rund zwei Minuten ab und wird am Sonntag in Paris wohl als erster slowenischer Sieger und jüngster Champion der Frankreich-Rundfahrt seit 116 Jahren in die Historie eingehen.

„Ich kann es nicht glauben. Ich habe nichts mehr mitbekommen, so laut waren die Fans“, sagte Pogacar: „Ich habe einfach Vollgas von Anfang bis Ende gegeben. Mein Traum war eigentlich, mitzufahren, jetzt stehe ich hier. Unglaublich. Ich weiß nicht, wann ich das kapieren werde.“

Der mit 57 Sekunden Vorsprung in den brutalen Kampf gegen die Uhr an der Planche des Belles Filles gestartete Roglic (30) wurde am vielleicht schwärzesten Tag seiner Karriere nur Fünfter (+1:56 Minuten), erreichte das Ziel schwer gezeichnet. In der Gesamtwertung hat er vor dem Abschluss am Sonntag, bei dem traditionell das Gelbe Trikot nicht mehr attackiert wird, 59 Sekunden Rückstand auf den neuen Tour-Champion. Tageszweiter wurde Roglics niederländischer Teamkollege Tom Dumoulin.

Roglic war um 17.14 Uhr als letzter Starter von der Rampe gerollt, die Ausgangslage war für den starken Zeitfahrer bei 57 Sekunden Vorsprung auf Pogacar sehr gut. Der Mann in Gelb begann auf dem unheimlich selektiven Kurs - zuerst eben, dann spürbar ansteigend und die letzten sechs Kilometer als steile Rampe - dosiert, lag bei der ersten Zwischenzeit nur auf Platz fünf und 13 Sekunden hinter Pogacar.

Zweiter beim Kampf gegen die Uhr wurde der Niederländer Tom Dumoulin (Jumbo-Visma/57:16) vor dem Australier Richie Porte (Trek-Segafredo/+ 0,58 Sekunden). Bester Deutscher war Max Schachmann auf Platz 17. „Ich habe mich in den vergangenen Tagen nicht mehr so fit gefühlt, bin heute nach Gefühl gefahren, und am Ende war es gar nicht so schlecht“, sagte der Bora-Profi: „Es hat schon weh getan da hoch, aber die Atmosphäre war großartig.“