Sebastian Vettel vor wenigen Tagen in Frankreich.
Sebastian Vettel vor wenigen Tagen in Frankreich. AFP

Dass Sebastian Vettel Charakter hat, bewies der viermalige Weltmeister mehrfach: Trotz vieler Rückschläge kämpfte sich der viermalige Weltmeister immer wieder aufs Sieger-Podium zurück. Er ist glücklich mit Ehefrau Hanna verheiratet, beide haben zwei Kinder – und dennoch setzt er sich seit Jahren nachdrücklich für die Rechte von LGBTI ein, vor allem in Ländern, die Formel-1-Rennen veranstalten, queere Menschen aber diskriminieren oder gar verfolgen. Nun das fulminante Statement: Sebastian Vettel gibt den Rennsport auf, und seine Begründung setzt erneut ein deutliches Zeichen.

Sebastian Vettel nimmt ganz in Schwarz gekleidet auf einem Hocker Platz, blickt in die Kamera, atmet einmal tief durch – und spricht dann die Entscheidung aus, die in den vergangenen Monaten gereift ist. „Ich werde meine Zeit in der Formel 1 am Ende des Jahres beenden“, sagt der viermalige Weltmeister in einem Video, das er auf seiner eigens dafür eingerichteten Instagram-Seite verbreitet: „Meine Leidenschaft für die Formel 1 geht einher mit hohem Zeitaufwand, Zeit, die ich mit meiner Familie verbringen möchte.“

Sebastian Vettel: „Es gibt mein Leben auf der Strecke und mein Leben neben der Strecke“

Vettel, dessen Vertrag bei Aston Martin ausläuft, holt in dem knapp vierminütigen Clip weit aus – und er wird nachdenklich. „Ich liebe diesen Sport, er war im Zentrum meines Lebens, seit ich denken kann. Aber es gibt mein Leben auf der Strecke und mein Leben neben der Strecke“, betont er: „Mich der Formel 1 so zu widmen, wie ich es in der Vergangenheit getan habe, wie ich es für richtig halte, und ein guter Vater und Ehemann zu sein“ – das passe für ihn nicht mehr zusammen.

Vier WM-Titel, 53 Siege und 122 Podiumsplatzierungen stehen in seiner Vita, damit ist er einer der erfolgreichsten Formel-1-Piloten der Geschichte. Nur Michael Schumacher, Lewis Hamilton (beide 7) und Juan Manuel Fangio (5) haben mehr Meisterschaften gewonnen. Vettels bislang letzter Rennsieg liegt drei Jahre zurück, 2019 hatte er im Ferrari in Singapur gewonnen.

Seit Wochen wurde über Sebastian Vettels Zukunft spekuliert

Von 2010 bis 2013 dominierte er mit Red Bull die Formel 1, 2015 folgte der Wechsel zu Ferrari. Doch dort blieb ihm der Traum vom Titel mit der Scuderia verwehrt, seit 2021 ist er bei Aston Martin. Seit Wochen wurde über Vettels Zukunft spekuliert, nun beginnt am Sonntag (15.00 Uhr/Sky) in Ungarn seine Abschiedstour, die bis zum Saisonende zehn Rennen umfasst.

„Meine Ziele haben sich verändert: weg von Rennsiegen und um Meisterschaften zu kämpfen, hin zu meinen Kindern“, sagt Vettel: „Ich möchte sie aufwachsen sehen, ihnen meine Werte weitergeben, ihnen zuhören und mich nicht mehr verabschieden müssen. Ich möchte von ihnen lernen und mich von ihnen inspirieren lassen. Kinder sind unsere Zukunft. Es gibt so vieles zu entdecken und zu lernen. Über das Leben und über mich selbst.“

Vater zu sein, das hat Sebastians Perspektive verändert

Vielleicht auch aus der Perspektive, Vater zu sein, hat sich der Blickwinkel auf den Motorsport und dessen Verantwortung für die Gesellschaft verändert. „Was heißt Zukunft? Wir leben in einer sich stark verändernden Welt. Wie wir alle die nächsten Jahre gestalten, wird unser zukünftiges Leben bestimmen. Formel-1-Fahrer zu sein, bringt Dinge mit sich, die mir nicht mehr gefallen“, sagt der 35-Jährige: „Vielleicht werden diese irgendwann gelöst. Aber der Wille, diese Veränderung umzusetzen, muss viel stärker werden und schon heute zum Handeln führen. Reden reicht nicht mehr aus, und wir können es uns nicht leisten zu warten. Es gibt keine Alternative.“

Dieses Rennen habe bereits begonnen. „Mein bestes Rennen?“, fragt Vettel: „Liegt noch vor mir. Ich glaube an das Morgen. Zeit verläuft in eine Richtung, und ich möchte mit der Zeit gehen. Wenn man zurückblickt, wird man eh nur langsamer. Ich freue mich auf das Unbekannte und neue Herausforderungen.“