Auf Abschiedstour: Sebastian Vettel drehte in Abu Dhabi seine letzten Runden für Ferrari. Foto: AP

Kein Rosenwasser zum Ferrari-Abschied für Sebastian Vettel (33), dafür ein Frust-Bier in der Garage. Statt auf dem Podium mit Red-Bull-Heißdüse Max Verstappen (23) dessen ersten Saisonsieg zu feiern, ging der aussortierte Altmeister nach seinem enttäuschenden 14. Platz zu seinem Team, um sich mit Anstand von seinen Ingenieuren und Mechanikern zu verabschieden.

Ein trauriger Abschied von seiner alten Liebe Ferrari, von der sich Vettel nach der Blitz-Scheidung durch Teamchef Mattia Binotto (51) im Mai im Rosenkrieg trennte. Dass der „Binocchio“ wegen seiner Herpes-Infektion aus Abu Dhabi abreisen musste, war vielleicht Schicksal. Die restliche Scuderia erwies Vettel die Ehre und bildete auf dem Weg in die Startaufstellung ein Spalier. Teamkollege Charles Leclerc (23) fuhr mit einem Helm mit dem Schriftzug „Danke Seb“, der mit einem Glitzer-Helm.

Und am Start zum Nachtrennen ließ es Vettel noch einmal funkeln. Vom 13. Rang profitierte er vom Duell seines wegen der Verstappen-Kollision in Bahrain um drei Startplätze strafversetzten Leclerc mit Renault-Pilot Esteban Ocon (24) und bremste sich am Monegassen vorbei. Der war auf Medium-Reifen auf einer anderen Strategie und machte Druck, doch Vettel verteidigte sich gut.

Dann der nächste traurige Abschied: Sakhir-Sieger Sergio Perez (30) fiel im letzten Rennen für Racing Point mit einem Defekt aus. Das Safety-Car kam raus, die McLaren und Alpha Tauri fuhren zum Reifenwechsel und Vettel war schon Siebter.
In der 17. Runde bot er auch seinem künftigen Ferrari-Nachfolger Carlos Sainz (26) im schnelleren McLaren einen harten Kampf und musste ihn erst im dritten Anlauf passieren lassen. „Well done“, lobte ihn sein Renningenieur Riccardo Adami (47). Der Italiener ist ein enger Vertrauter und könnte Vettel nach neuesten Gerüchten doch zu Aston Martin begleiten.

Ab Rennhälfte rückte ihm sein künftiger Teamkollege Lance Stroll (22) auf die Pelle, doch auch den ließ er abtropfen. Der Kanadier geriet in die Fänge von Pierre Gasly (24), den auch Vettel mit seinen abgewetzten Reifen ziehen lassen musste. In der 33. Runde funkte Vettel: „Ich werde aufgefressen.“ Drei Runden später wurde er erlöst, bekam angefahrene Medien-Reifen aufgezogen und kam als 15. wieder auf die Strecke.

Als Ersten schnappte er sich Williams-Jungstar George Russell (22). Dann sollte Leclerc dran glauben, der sich an „Iceman“ Kimi Räikkönen (41) die Zähne ausbiss. Dabei verletzte er fünfmal die Track Limits, wurde aber von FIA-Rennleiter Michael Masi (40) nicht bestraft. Pikant, ist der Monegasse doch nicht nur Binottos Liebling, sondern wird auch von Nicolas Todt (43), Sohn von FIA-Präsident Jean Todt (74) gemanagt. So blieb Vettel dahinter 14. und musste sich auch noch von Sieger Verstappen, dem Mercedes-Duo Valtteri Bottas (31), Lewis Hamilton (35) und Red-Bull-Versager Alexander Albon (24) überrunden lassen.