Sebastian Vettels Prognose für das Rennen in Sotschi ist unverändert schlecht. AFP

Die Geisterrennen sind zu Ende in der Formel 1, doch für Sebastian Vettel (33) geht der Horror weiter. WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton (35) kann vor 32.000 Zuschauern im Großen Preis von Russland (Sonntag, 13.10 Uhr, RTL & Sky) mit seinem 91. GP-Sieg den Rekord von Michael Schumacher (51) einstellen. Vettel macht das auch im Hinblick auf Schumis tragisches Schicksal traurig: „Michael ist noch immer mein Idol, deshalb finde ich es irgendwie schade, dass er diesen Rekord jetzt bald verlieren wird.“

Umso trauriger, dass Hamilton diese vor Jahren noch als unerreichbar geltende Schumi-Bestmarke angesichts seines Kampfes gegen Rassismus noch abtut: „Ich weiß nicht genau, was es mir bedeutet, es passieren gerade so viele andere Sachen auf der Welt.“ Immerhin rang sich der Mercedes-Superstar noch ab: „Natürlich wird mir diese 91 eine Ehre sein.“

So ein Verhalten geht Traditionalist Vettel gegen den Strich. Dennoch zieht er den Hut vor Hamilton: „Ich habe auch großen Respekt vor der Leistung von Lewis, denn diese 91 wirkten lange wie eine niemals wieder zu erreichende Zahl.“

Ihm selbst droht dagegen in seiner Roten Gurke die nächste Blamage. Nach denen in den Ferrari-Heimrennen in Monza (Aus nach Bremsversagen) und dem 1000. Grand Prix in Mugello (10. vom 14. Startplatz dank acht Ausfällen) befürchtet Vettel, erneut nur um hintere Plätze kämpfen zu können: „Ich erwarte keine Wunder.“ Nachdem er in Mugello zum sechsten Mal das Top-Ten-Qualifying verpasste, kam er im Rennen nicht mal mit dem WM-Letzten mit und gab zu: „Sogar der Williams war schneller als wir.“

Ferrari hat zwar ein neues Aero-Paket für die Rote Gurke in Wladimir Putins (67) Olympiastadt von 2014 mitgebracht, doch Teamchef Mattia Binotto (50) dämpft die Erwartungen bereits: „Es wird kleinere Upgrades geben, das wird aber nicht das große Gesamtbild verändern. Im Rennen fehlt uns im Moment die Pace, und wir verschleißen die Reifen zu sehr.“ Der „Binocchio“ vertröstet die Fans weiter auf die Zukunft: „Wir müssen unsere Projekte für 2021 überdenken. Ich denke, das wird noch ein bisschen mehr Zeit benötigen.“

Das ist Vettel, der von allen Entwicklungen bereits ausgegrenzt wurde, angesichts seines Wechsels zum neuen Aston Martin-Werksteam wurscht: „Nächstes Jahr betrifft mich das nicht mehr.“ Noch acht Rennen lang muss er das rote Elend ertragen, bevor er sich im James-Bond-Auto rächen will.

Sein künftiger Teamchef Otmar Szafnauer (56) hofft angesichts des dann noch weiter verbesserten Mercedes-Klons auf Siege: „Er wird das Team auf ein neues Level heben. Ich bin sicher, dass er uns in 1000 kleinen Details helfen wird, damit wir uns verbessern. Er weiß schließlich, wie es ist, in einem Top-Team zu arbeiten.“ Das ist das aktuelle Ferrari nicht mehr.