Das Duell fordert beide: Lewis Hamilton zeigt fix und fertig den Sieger-Pokal von Saudi-Arabien, Max Verstappen ist bedient. Foto: AP/Hassan Ammar

Wenn das kein PS-Wahnsinn ist, was dann? Der GP von Saudi-Arabien, die Premiere auf der hammerharten Strecke in Dschidda wird zur Achterbahnfahrt von grandiosem Rennsport bis gnadenlosem, fast schon über dem Limit geführten Racing zwischen WM-Spitzenreiter Max Verstappen (24) und Jäger Lewis Hamilton (36). Mit fast schon unglaublichem Ausgang: Hamilton gewinnt seinen 103. Grand Prix vor Verstappen, ins WM-Finale kommenden Sonntag in Abu Dhabi gehen beide mit jeweils 369,5 Punkten. Der Holländer liegt nur vorn wegen der größeren Anzahl an Siegen.

Das Duell wird immer giftiger. Verstappen holzt geradezu über die Piste, fährt mehrere Harakiri-Attacken gegen den siebenmaligen Champion, kassiert eine Fünf-Sekundenstrafe und wird wohl noch von den Renn-Kommissaren vorgeladen werden. Hamilton verpennt den dritten Re-Start, saugt sich dann aber nach und nach an den Red Bull von Verstappen ran, fährt mit demoliertem Frontflügel als Erster über die Ziellinie und funkt im Jubel an die Mercedes-Box: „Großartiger Job, Jungs, so mag ich das.“

Mick Schumacher crasht früh

Alle hatten es geahnt und befürchtet. Und schon in der Startaufstellung, in der sich Mechaniker zwischen den Streckenmauern dicht an dich drängen, wird klar, wie eng der Kurs ist. Hamilton und sein Teamkollege Valtteri Bottas, der schließlich Dritter wird, erwischen einen Start nach Maß. 

Klar ist: Auf dieser Strecke lauern überall Gefahren. Bekommt Mick Schumacher (22) hautnah zu spüren, als er Haas frühzeitig mächtig ramponiert. Das Safety Car muss raus. Mercedes holte beide Autos zum Reifenwechsel rein. Verstappen bleibt draußen und übernimmt die Führung vor Hamilton und Bottas.

Mercedes verzockt sich

War das die taktische Finesse, auf die Red Bull nur gelauert hatte? Nun lag das Risiko plötzlich beim Briten, der mehr und mehr unter Zugzwang gerät, weil es lange dauert, um Micks Haas-Wrack zu bergen. Das Rennen wird unterbrochen. Hamilton funkt: „Heißt das, er kann Reifen wechseln?“ Die Mercedes-Box antwortet: „Leider Lewis, ist das so.“ Mit er ist Verstappen gemeint, der nun alle Vorteile bei sich hat. „Wir haben zu sehr gezockt“, motzt Hamilton. Sein Renningenieur antwortet nur noch kleinlaut.

Grund für die Unterbrechung ist das Herrichten der Barrieren, in die Mick gekracht war. 16 Minuten nach dem Abbruch rollen die Boliden wieder los zum stehenden Start: Hamilton kommt diesmal von Platz zwei innen besser weg, zieht vor Verstappen in die Kurve, der verlässt die Strecke, um die Attacke zu erfolgreich zu kontern - ein klarer Regelverstoß, weil sich Verstappen einen Vorteil verschafft.

Hamilton muss sogar so bremsen, sodass auch noch Esteban Ocon vorbeikommt. Zeit genug, sich die Bilder anzuschauen, gibt es direkt danach: Hinten kracht es, unter anderem schied Mick  Teamkollege Nikita Mazepin aus, auch Sergio Perez im zweiten Red Bull.

„Klares Foul von Max“

Wieder Unterbrechung. Und nun auch noch ein Funk-Hin-und-Her der Extraklasse. Rennleitung an Red Bull, Red Bull an Rennleitung, Rennleitung an Mercedes mit dem Ergebnis: Auf eine Untersuchung des Vorfalls und damit eine vermutliche Fünf-Sekunden-Strafe wird verzichtet, wenn Verstappen Ocon und Hamilton vorbeilässt. Das machen Verstappen und Red Bull, ziehen aber die etwas schnelleren und weicheren Reifen auf.

Dritter Start beim vorletzten Rennen: Und die Gummirechung geht auf. Verstappen zeigt, dass er das Risiko auch in so einem entscheidenden Rennen nicht scheut, kommt am besten weg und schießt innen an Hamilton vorbei bis auf Platz eins. Doch der Brite  macht Druck. Und dann eskaliert es: Verstappen schaltet runter (ist wie bremsen), als Hamilton erneut vorbeiziehen will. Er kracht „Mad Max“ hinten ins Auto und demoliert den Frontflügel an seinem Mercedes. Ex-Pilot Ralf Schumacher (46) legt sich als TV-Experte sofort fest:„ Ein klares Foul von Max, das geht so nicht, das muss Konsequenzen haben.“

Duell mit neuer Dimension

Red Bull bekniet Verstappen, die Position zurückgeben. Zuvor hat der nämlich erneut eine Attacke gekontert und dabei die Strecke verlassen. Nach den Crashs in Silverstone und Monza erreicht das vergiftete Duell noch mal eine neue Dimension.

Verstappen lässt Hamilton zwar wieder vorbei, attackiert aber direkt wieder. Die Rennleitung hat genug und brummt ihm eine Fünf-Sekunden-Strafe auf. Ob da noch mehr kommt?