Thomas Doll wechselte 1990 als 24-Jähriger vom DDR-Rekordmeister BFC Dynamo als einer der ersten ostdeutschen Spieler in den Westen, zum Hamburger SV. Foto: Peter Steffen/dpa

Der ostdeutsche Fußballtrainer und frühere Spieler Thomas Doll hat sich nach der Wiedervereinigung 1990 erst an das neue Leben als Profi im Westen gewöhnen müssen. „Autogramme kannten wir gar nicht“, sagte Doll im Interview des TV-Senders Sky anlässlich der Wiedervereinigung, die sich am Sonnabend zum 30. Mal jährte. Das sei ein ganz besonderer Tag, nach dem sich viele jahrelang gesehnt hätten.

Doll wechselte 1990 als 24-Jähriger vom DDR-Rekordmeister BFC Dynamo als einer der ersten ostdeutschen Spieler in den Westen, zum Hamburger SV. Schlimm sei in der Zeit zuvor gewesen, dass – wie nachher rausgekommen sei – Telefone im Trainingslager abgehört und von eigenen Mitspielern Berichte über einen geschrieben worden seien. „Mein Vater hat seine Arbeit verloren, als ich 17 Jahre alt war, weil wir ein Westpaket bekommen haben“, sagte Doll. Er habe danach sechs Monate lang nicht an Jugendturnieren teilnehmen dürfen. „Das war keine einfache Zeit. Aber ich habe mich da durchgeboxt und bin jetzt glücklich, wenn ich zurückschaue“, sagte er.

Nach der Wiedervereinigung hätten sich ostdeutscher Spieler erst an Medien, Presse und die neue Aufmerksamkeit im Westen gewöhnen müssen. „Wir hatten im Osten Schwierigkeiten, unsere Meinung zu äußern. Man musste aufpassen, was man sagt“, sagte er. Er sei aber schon immer jemand gewesen, der eine eigene Meinung hatte. „Der immer ein bisschen frech war.“

So habe er sich mit seinem Freund Andy Thom während ihrer gemeinsamen Zeit beim BFC Dynamo einen Scherz erlaubt: Als sie für ein Auswärtsspiel bei Werder Bremen im Europapokal der Landesmeister im Westen waren, seien sie im Supermarkt von zwei Leuten verfolgt worden – „mit Lodenmantel, also typisch Stasi.“ Thom und er hätten sich hinter Regale geduckt. „Die haben uns nicht gefunden und sind ganz aufgeregt geworden. Die Situation haben wir genossen.“