Alexander Zverev trainiert lieber mit seinem Team als nach Berlin zu kommen.  Foto: dpa

Die erwartete Absage von Alexander Zverev kam am Mittwoch per Instagram. „Ich habe die Entscheidung getroffen, für den Moment mit meinem Team zu trainieren und keine offiziellen Events zu spielen“, teilte der Weltranglistensiebte mit: „Es ist nie schön, auf ein Heimspiel zu verzichten, aber ich werde bald zurück sein.“

Zverev hatte nach wochenlangem Schweigen dann auch noch ein paar andere Infos für seine Follower parat. „Ich habe meinen dritten Corona-Test hinter mir, und er war glücklicherweise ebenfalls negativ“, schrieb er. Zum anderen „“beginne ich gerade eine Testphase mit David Ferrer in meinem Team, es könnte nicht aufregender sein. Ich kann es kaum erwarten, dass die Tour wieder losgeht.“

In Berlin geht der Tennis-Alltag am Montag also ohne Zverev los. Veranstalter Edwin Weindorfer hatte das bereits am Mittwochmorgen geahnt. „Es ist alles andere als sicher, dass Alexander Zverev bei uns spielt“, sagte Weindorfer.

Die Situation hat eine Vorgeschichte. Zverev habe „nicht nur einen Fehler gemacht, sondern zwei“, hatte Weindorfer der Süddeutschen Zeitung in der vergangenen Woche gesagt. Er bezog sich damit auf Zverevs Verhalten während der vieldiskutierten Adria Tour und in einem Video, das ihn kurz danach bei einer ausgelassenen Party zeigte.

In Berlin sei „so etwas ausgeschlossen“, hatte Weindorfer hinzugefügt: „Hier sind ganz klare Verhaltensregeln.“ Wie diese aussehen, daran ließ er keinen Zweifel: „Bei uns herrscht Zero Tolerance. Wenn sich ein Spieler hier danebenbenimmt und glaubt, er kann in dieser Woche Party machen, wird dieser Spieler von uns eliminiert.“

Großer Knall drohte

Ein großes Fragezeichen steht in Berlin zudem noch hinter Nick Kyrgios. Der Australier sitzt in Melbourne fest, das seit Dienstag in einem Corona-Lockdown isoliert ist. Kaum vorstellbar, dass er die Reise nach Deutschland antreten kann.

Dabei  wäre seine Teilnahme nicht ohne Brisanz. In Berlin soll nämlich auch Österreichs Weltranglistendritter Dominic Thiem antreten, und mit dem liefert sich Kyrgios via Twitter gerade ein bemerkenswertes Verbal-Scharmützel.

Auch dabei spielt Zverev eine Hauptrolle. Thiem hatte sich in der Tiroler Tageszeitung über die Kritik an seinem Kollegen in Deutschland aufgeregt: „Mir taugt nicht, wie ihn die Leute kritisieren. Er wird behandelt, als wäre er ein Volksschulkind. Aber er ist ein 23-jähriger Mann.“ Natürlich habe Zverev Fehler gemacht - „aber ich verstehe nicht, wieso sich da jetzt alle einmischen“, sagte Thiem.

Das brachte Kyrgios, der bereits Zverev heftig kritisiert hatte, vollends auf die Palme, er stellte Thiem öffentlich in Frage: „Worüber redest Du eigentlich, Dominic Thiem? Keiner von euch hat die intellektuellen Fähigkeiten zu begreifen, um was es mir geht. Mir geht es um Verantwortung.“

Kyrgios ging das bei der Adria-Tour in Verruf geratene Trio Thiem, Zverev und Novak Djokovic erneut heftig an. „Das zeigt doch, was das alles für ein Witz ist. Zwei von denen feiern während einer globalen Pandemie. Menschen verlieren ihr Leben, ihre Verwandten und Freunde, und dann redet Thiem von einem 'Fehler'. Und solche Leute stehen an der Spitze unseres Sports.“