Ferrari-Pilot Charles Leclerc jubelt über die Pole Position in Singapur. Auch, weil Red Bull bei Weltmeister Max Verstappen (r.) patzte.
Ferrari-Pilot Charles Leclerc jubelt über die Pole Position in Singapur. Auch, weil Red Bull bei Weltmeister Max Verstappen (r.) patzte. Imago/Andy Hone, dpa/Vincent Thian

Nur eine spektakuläre Aufholjagd und grobe Patzer der Konkurrenz können Formel-1-Weltmeister Max Verstappen nach einer bitteren Tank-Panne zum frühzeitigen Titelgewinn beim Großen Preis von Singapur verhelfen. Der Niederländer geht am Sonntag (14.00 Uhr/Sky) nur vom achten Startplatz in den Grand Prix, bei dem sich dem 25-Jährigen die erste Chance zum erneuten WM-Gewinn bietet. Hauptkonkurrent Charles Leclerc sicherte sich am Samstag hauchdünn die Pole Position und darf schon zum neunten Mal in dieser Saison von ganz vorne starten.

„Ich bin sehr glücklich mit dem heutigen Resultat. Wir hatten einige Probleme, aber haben uns gut davon erholt“, sagte der Monegasse Leclerc von Ferrari: „Wenn wir alles richtig umsetzen, können wir hier gewinnen.“ Ein Sieg des 24-Jährigen wird die WM-Entscheidung aber wohl nur um eine Woche verschieben, Verstappens Vorsprung ist sechs WM-Läufe vor Saisonende schon viel zu groß.

Verstappen flucht über Red Bulls Tank-Panne 

Eigentlich sah bei Verstappen alles nach einem besseren Resultat aus, bis er bei seiner letzten schnellen Runde plötzlich in die Box abbog. Grund dafür war zu wenig Sprit im Tank. Man habe in einer Diskussion bei Red Bull „übersehen, dass wir nur für fünf Runden getankt haben, deshalb haben wir die letzte Runde abbrechen müssen“, sagte Motorsportberater Helmut Marko: „Das ist ärgerlich. Da sind Faktoren zusammengekommen, Hektik, dann kann so was auch uns passieren.“ Die Ausgangslage für Verstappen sei nun „sehr schwierig“. Entsprechend ungehalten reagierte der Weltmeister:  „Was zur Hölle?!“, schrie Verstappen in den Funk, „warum?! Unglaublich, Leute!“ 

Verstappen weiter: Das ist unglaublich frustrierend und sollte nicht passieren“, sagte Verstappen: „Das ist inakzeptabel. Du füllst das Auto für fünf Runden und willst sechs Runden fahren, die Logik passt nicht.“ Er müsse nun erstmal „ins Hotel und abschalten“, sagte Verstappen und verließ die Strecke schnell.

Große Freude herrschte dagegen bei Ferrari. Leclerc landete in 1:49,412 Minuten mit nur 0,022 Sekunden Vorsprung vor Sergio Perez im Red Bull auf der Pole Position.

Auch der drittplatzierte Rekordweltmeister Lewis Hamilton war mit nur 0,054 Sekunden Rückstand extrem dicht an der Spitze dran.  „Ich habe so viel Druck gemacht und war so nah dran“, sagte Hamilton, der von den Fans auf den Tribünen am lautesten bejubelt wurde: „Es war schwer, die perfekte Runde zu bekommen. Ich bin aber dankbar, in der zweiten Reihe zu sein.“ Auch Leclerc war nach durchwachsenen Trainingseinheiten zufrieden: „Wir dachten wir bekommen die Pole nicht, aber dann hat es doch gereicht. Wir hatten einige Probleme, aber haben uns gut davon erholt.“

WM-Punkte für Vettel und Schumacher weit weg

Haas-Pilot Mick Schumacher fährt um seine Zukunft in der Formel 1, wurde in Singapur im Qualifying 13.
Haas-Pilot Mick Schumacher fährt um seine Zukunft in der Formel 1, wurde in Singapur im Qualifying 13.

Der fünfmalige Singapur-Sieger Sebastian Vettel steuerte seinen Aston Martin unter Flutlicht in der Nacht auf Platz 14. Der 35-jährige Hesse hatte bei der bislang letzten Austragung 2019 gesiegt, in den vergangenen beiden Jahren war der Grand Prix wegen der Corona-Pandemie jeweils abgesagt worden. Für Vettel wird es vor seinem Rücktritt im November der letzte WM-Lauf auf einer seiner Lieblingsstrecken. Landsmann Mick Schumacher, der immer noch um einen Vertrag für die kommende Saison kämpft, musste sich im Haas-Rennwagen in Fernost mit Rang 13 begnügen. Für WM-Punkte muss sich der 23-Jährige deutlich steigern.

So kann Max Verstappen in Singapur Weltmeister werden

In Singapur hatte es am Samstagmittag heftig geregnet, sodass in der ersten halben Stunde des letzten Trainings nicht gefahren werden konnte. Auch bei der Zeitenjagd drei Stunden später waren teilweise noch deutlich nasse Stellen auf dem Asphalt zu sehen. Am Ende war es jedoch so trocken, dass mit schnellen Reifen gefahren werden konnte.

Wenn Verstappen am Sonntag (14.00 Uhr/Sky) gewinnt, kann er die erfolgreiche Titelverteidigung bereits frühzeitig perfekt machen und zum zweiten Mal Weltmeister werden. Allerdings muss er Hauptkonkurrent Leclerc und auch seinen Stall-Rivalen Sergio Perez dazu auf Abstand halten. Vor dem 17. von 22 Saisonläufen führt Verstappen mit 116 Punkten vor Leclerc. Nach dem Grand Prix bräuchte er für die Entscheidung 138 Zähler Vorsprung. Ansonsten wird die Entscheidung auf die kommende Woche in Japan vertagt.

Lesen Sie hier mehr Sportnachrichten >>