Sebastian Vettel und sein Ferrari werden wohl keine Freunde mehr.  Foto: Imago Image

Sebastian Vettel (33) hat von Ferrari endgültig die Nase voll. Erst sabotierten drei Pannen sein Training und Qualifying (nur Zehnter). Vettel sarkastisch: „Schlimmer kann es nicht mehr werden.“ Doch es wurde schlimmer. Im Rennen wurde er von einem Renault und Alpha Tauri überholt und nur wegen des Reifenplatzers bei Valtteri Bottas (30) Zehnter. Er motzte: „Da ist irgendwo der Wurm drin.“ Nun der Verdacht: Steigt Vettel nun direkt aus seiner Roten Gurke?

Das Mobbing zermürbt den Altmeister. Erst der Rauswurf zum Saisonende von Teamchef Mattia Binotto (50) und dessen Märchenstunde. Dann dessen Gierhals-Vorwürfe und der Ungeduld-Vorwurf von Fiat-Boss John Elkann (44). Und nun bekam Vettel im Gegensatz zum neuen Liebling Charles Leclerc (22) ein Pannen-Auto.

Ladeluftkühler-Defekt im ersten Training, lose Pedale im zweiten und dritten – da konnte Vettel seine Rote Gurke natürlich nicht ordentlich für den High-Speed-Kurs abstimmen. Die Folgen: Ein Fahrfehler im Qualifying, nur Startplatz zehn. Derweil raste Leclerc im gleichen Auto auf Platz vier – knapp hinter Max Verstappen (22).

Das kam selbst Red-Bull-Sportchef Dr. Helmut Marko (77) komisch vor: „Es ist uns ein Rätsel, wo Leclerc die Geschwindigkeit hergeholt hat. Er war schneller auf den Geraden als wir. Allerdings scheint das nur bei ihm der Fall gewesen zu sein, nicht bei Vettel.“

Da kommt der Verdacht auf: Wird Vettel von Ferrari sabotiert, damit Leclerc und die Rauswurf-Entscheidung besser aussehen?

Öffentlich wird Vettel dies zwar nie sagen. Er nahm den Quali-Patzer sogar auf seine Kappe: „Ich will niemandem böse Absicht unterstellen. Auch auf meiner Seite lief es im Qualifying nicht ideal.“

Doch in einem Interview mit „La Repubblica“ rechnet Vettel nun mit Ferrari ab. „Ich denke, dass ich hier und da vielleicht nicht die Unterstützung hatte, die ich brauchte, wünschte oder erbeten habe“, klagt er. Da klingt die Enttäuschung über die Benachteiligung und durch Team-Politik verschenkte Titel durch.

Schon Binotto-Vorgänger Maurizio Arrivabene (63) setzte nicht alles auf Vettel – und so torpedierten der Singapur-Crash mit Kimi Räikkönen (40) und dessen Windschatten-Bevorzugung in Monza Vettels Titelchancen. Binotto gewährte ihm den Nummer-1-Status nur kurz, ließ ihn aber nach dessen Technik-Kritik in Le Castellet wie eine heiße Kartoffel fallen.

Seitdem setzt er alles auf Leclerc, dem er einen Fünf-Jahres-Vertrag mit erfolgsabhängigen Gehaltssteigerungen und den Nummer-1-Status gab. Vettel kommentiert süffisant: „Das Versprechen hat Herr Marchionne mir auch gegeben, als er mir erklärte, dass sie jemanden suchen, der das Team wiederaufbaut. Damals war ich der Kandidat, jetzt nicht mehr...“

Steigt Vettel jetzt wirklich sofort aus der Roten Gurke – und direkt um in den Racing Point, der in Silverstone von Perez-Vertreter Nico Hülkenberg (32) gesteuert werden sollte. Vettel weicht aus: „Ich freue mich erstmal für Nico, dass er wieder dabei ist. Soviel ich weiß, wurde er zunächst nur für ein Rennen bestätigt.“ Einen Rücktritt schließt er jedenfalls aus: „Auf jeden Fall fühle ich mich wettbewerbsfähig – geistig und körperlich nicht weniger als in der Vergangenheit. Ich möchte die beste Wahl für mich selbst treffen. Vielleicht kann ich in zwei oder mehr Wochen sagen, was ich beschlossen habe. Ich habe es nicht eilig.“

Er hat ja auch zwei Optionen: Ein Wechsel zu Racing Point, das 2021 als Aston-Martin-Werksteam angreifen will, oder doch das Comeback bei Red Bull, wo Alexander Albon (24) überhaupt nicht mit dem Auto klarkommt und im Rennen den Haas von Kevin Magnussen (27) rammte.

Die Option favorisiert TV-Experte Jacques Villeneuve (49): „Vettel hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er die Autos von Newey im Griff hat. Das macht ihn zum perfekten Teamkollegen für Verstappen. Red Bull hätte damit endlich zwei Fahrer, die am Limit fahren können.“