Patrick Moster, Sportdirektor vom BDR (Bund Deutscher Radfahrer), steht am Streckenrand neben Azzedine Lagab aus Algerien in Aktion beim Zeitfahren.  Foto: dpa

Heimlich still und leise hat der Bund Deutscher Radfahrer den Rassismus-Skandal um Patrick Moster in Tokio um ein Kapitel erweitert. Vergangene Woche wurde der Sportdirektor 24 Stunden nach seinen verbalen Entgleisungen an der Strecke nach Hause geschickt. Dort sollte die Aufarbeitung erfolgen. Sie ist bereits abgeschlossen. Moster bleibt im Amt, erhält eine Abmahnung.

Heinz Seesing entsetzt über die Entscheidung für Moster

„Entweder hat man Prinzipien oder man hat keine“, ist Berlins ehemaliger Sechstage-Boss Heinz Seesing entsetzt über die Entscheidung. „Vor laufender Kamera beleidigte ein Funktionär ausländische Sportler und der Verband findet einen Teppich, der groß und schwer genug ist, dass der Skandal darunter passt, unfassbar!“

Moster hatte im Zeitfahren Niklas Arndt (Köln) mit den Worten angefeuert: „Hol’ die Kameltreiber, hol’ die Kameltreiber, komm“, um die vor ihm fahrenden Azzedine Lagab (Algerien) und Amanuel Ghebreigzabhier (Eritrea) einzuholen.

Sehr wahrscheinlich schafft das Urteil des BDR keine Ruhe im Kessel, heizt viel mehr die Diskussion nur weiter an. Zu gewaltig war die Welle der empörten Reaktionen auf die Verfehlungen Mosters. Allen aus dem Herzen schrieb Rick Zabel: „Ich habe heute sehr lange mit mir gerungen, öffentlich was zum Thema Patrick Moster und seinen rassistischen Aussagen zu sagen. Auf der einen Seite verstehe ich alle SportlerInnen, die nichts dazu sagen, weil man Angst davor hat, selbst in die Schusslinie zu geraten, wenn man seine Meinung äußert oder einfach nicht mehr für eine EM, WM oder Olympia nominiert wird“, schrieb der Sohn des Ex-Radstars Erik Zabel bei Instagram. „Auch wenn ich selber nicht bei den Olympischen Spielen dabei bin, schäme ich mich für die Aussagen.“

Rick Zabel kritisiert die Entscheidung des BDR

Zabel kritisierte, dass es nach dem Rennen nur eine „lapidare Entschuldigung“ gegeben habe. „Ich persönlich kann nicht verstehen, dass nach diesem Verhalten nicht sofortige Konsequenzen vom BDR oder DOSB getroffen worden sind.“ Wenn man olympische Werte und Anti-Rassismus-Kampagnen nachhaltig glaubhaft vertreten wolle, dürfe ein solcher Vorfall nicht geduldet werden.

Das Strafmaß nimmt den den Vorfall dennoch hin. Auch wenn es damit begründet wird, dass es bei Moster in 21 Jahren beim BDR „kein einziges in diese Richtung gehendes Fehlverhalten gegeben hat“, wie es in einer Stellungnahme des Verbandes heißt. Auch wenn Moster bis auf weiteres von seinen internationalen Aufgaben entbunden wird. Auch wenn das Urteil Einbußen bei seinem Gehalt zur Folge hat. Auch wenn der BDR die beiden Sportler aus Eritrea und Algerien sowie Vertreter ihrer Verbände einladen will.

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Das Vergehen der rassistischen Entgleisung bleibt und damit ist Moster in der Position des Sportdirektors untragbar. Karrieren in Deutschland endeten schon wegen viel geringerer Vergehen. MF