Mick Schumacher (r.) war dabei, als Vater Michael auf der Skipeste in den französischen Bergen verunglückte. Foto: imago images/Simon

Der Jahreswechsel 2013/14. Deutschland hat nur ein Thema: Schumi beim Skifahren verunglückt. Nur Scheibchenweise sickert durch, wie Ernst die Lage ist. Der PS-König kämpft um sein Leben. Das Drama dauert bis heute.

Rückblende zu diesem verdammte 29. Dezember 2013. Jenen Tag, der das Leben von Michael Schumacher (51) und seiner Familie für immer veränderte. Urlaub im französischen Meribel. Bei einer morgendlichen Skitour wollte Schumi einem Freund helfen, verließ die markierte Piste und stürzte er über einen Felsen, der von Neuschnee bedeckt war. Es war kurz nach 11 Uhr, als er mit dem Kopf auf einem weiteren Felsen aufschlug. Sein Sohn Mick (21) und Freunde waren bei ihm, er war zunächst noch ansprechbar, dann verlor er das Bewusstsein. Um 11.07 Uhr ging der Notruf bei der Bergwacht ein.

Nach der Bergung und Einlieferung per Hubschrauber in die Erstversorgungs-Klinik in Albertville wurde festgestellt, dass Schumi ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte, wobei sein Gehirn durch Blutergüsse und Schwellungen geschädigt wurde. Er wurde auf die Intensivstation der Uniklinik Grenoble verlegt und in ein künstliches Koma versetzt. In mehreren Operationen retteten die Ärzte sein Leben, entdeckten aber weitere Hirnschädigungen. Dann begann das Hoffen und Bangen.

Nach 169 Tagen im Koma erlangte Schumi wieder das Bewusstsein, doch er sollte nicht mehr derselbe sein. In seiner Mobilität und Kommunikation eingeschränkt, kämpft er auch heute noch in der Rehabilitation auf seinem Schweizer Anwesen um die Rückkehr in ein normales Leben. Dabei macht Schumi Fortschritte, schaut mit seinem Freund Jean Todt (74) Formel-1-Rennen im Fernsehen und verfolgt auch die Karriere seines Sohnes Mick. Todt sagt: „Er kämpft. Ich hoffe, die Welt wird ihn wiedersehen können. Darauf arbeiten er und seine Familie hin.“ Zum Jahrestag des Unfalls beschreiben Mick und die Schumi-Fans ihre Gefühle.

Für den Sohn ist die Erinnerung besonders emotional, weil er beim Sturz seines Vaters auf der Skipiste dabei war. Damals war er noch ein talentierter Kartfahrer, der von seinem Vater behutsam gefördert wurde. Sieben Jahre später hat er es in die Formel 1 geschafft, dank der Unterstützung seiner Mutter Corinna (51).

Der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ erklärt er seine emotionale Stärke: „Ich bin in einem besonderen Umfeld aufgewachsen. Was passiert ist, hat mich zu der Person gemacht, die ich bin. Die Definition eines Charakters, einer Persönlichkeit, ist das Ergebnis einer intimen Erfahrung, die verschiedene, spezifische Gefühle und Ereignisse durchläuft. Jeder Mann oder jede Frau sucht nach Antworten auf ihre eigenen Fragen. So war es auch bei mir.“

Dass alle seine Leistungen stets mit denen seines Vaters verglichen werden, ist Mick bewusst. „Ich habe nie ein Problem damit gehabt, wenn an meinen Vater Michael erinnert wird, wenn ein Vergleich gesucht wird“, erklärt er. „Ich denke, es ist eine Ehre und ein Ansporn, mit einer so wichtigen Person zu tun zu haben. Für mich bedeutet es Engagement, ich versuche, mein Bestes zu geben, wenn möglich, und ich erlebe das alles nicht mit schwerem Herzen.“

Auch für den Michael-und-Mick-Schumacher-Fanclub Kerpen ist der Jahrestag seines Unfalls natürlich ein emotionaler. Vorsitzender Reiner Ferling (68) schreibt: „Der 29.12.2013 – ein Tag, den keiner von uns vergessen wird. Es schleicht sich ein Gefühl ein, als wäre es gestern passiert. Die gleichen Emotionen wie vor sieben Jahren: unfassbar, Leere, Hoffnung. Aber auch das Gefühl zu haben, dazu beitragen zu können, dass es mit Unterstützung des Fanclubs Michael auf seinem langen Weg der Genesung besser gehen kann. Rückgängig kann man diesen Unfall nicht machen, das ist leider Realität.“

Eine traurige Realität, in der die Schumi-Fans ihrem Idol und dessen Familie mit zahlreichen Aktionen Mut machten. Dieses Jahr fällt dies aufgrund der Corona-Pandemie aus, aber Ferling verrät: „Im nächsten Jahr sind größere Events geplant, bei denen wir etwas machen werden. Im Mittelpunkt steht natürlich das Formel-1-Debüt von Mick, den wir hoffentlich so oft wie möglich vor Ort unterstützen werden.“

Micks offene Worte begrüßt Ferling: „Ich habe das Gefühl, dass er mittlerweile offener mit dem Unfall und der Situation seines Vaters umgeht. Das muss er ja auch, sonst wird er in der Formel 1 untergebuttert. Er hat den richtigen Schritt gemacht und wird seinen Weg weiter gehen. In seinem ersten Jahr würden wir uns über einen Punkt freuen, aber Erwartungen haben wir keine. Erst mal ist wichtig, dass er seinen Teamkollegen schlägt, alles weitere ergibt sich.“