Ein (zu) weiter Anzug verleiht Flügel. Tricksereien und Pfusch bei der Anzugskontrolle sollen beim Skispringen gang und gäbe sein.
Ein (zu) weiter Anzug verleiht Flügel. Tricksereien und Pfusch bei der Anzugskontrolle sollen beim Skispringen gang und gäbe sein. IMAGO/Beautiful Sports

Die Skisprung-Szene erschüttert ein handfester Skandal. Ein anonymer Athlet berichtet, dass bei den Anzugskontrollen betrogen wird. Klar ist: Umso weiter der Anzug, desto mehr Auftrieb erhält ein Springer. Die DSV-Adler um Markus Eisenbichler und Karl Geiger reagieren mit Unverständnis auf die Betrugsvorwürfe, sehen bei der Anzugskontrolle keine Probleme. Doch die Vorwürfe haben es in sich.

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„Es betrügen praktisch alle, da muss ich mitziehen, sonst habe ich keine Chance“, erklärt der aktive Springer. Zudem behauptet der anonyme Athlet gegenüber der Schweizer Zeitung Blick, dass bei Kontrollen trotz strenger Vorgaben selten ganz genau hingeschaut werde. Sein Fazit: „Zurzeit kann ich die Anzugskontrollen nicht ernst nehmen.“

Nach eigenen Angaben sei er am vergangenen Skiflug-Wochenende am Kulm mit einem regelwidrigen Anzug mit zu großem Volumen gesprungen. Bemerkt habe es jedoch niemand. Die Schrittkontrolle vor dem Start passierte er problemlos, auch das Stadion nach seinem Sprung konnte er ohne weitere Überprüfungen verlassen.

Skisprung-Skandal: DSV-Adler wollen von Betrug nichts wissen

DSV-Adler Markus Eisenbichler kritisiert den anonymen Hinweisgeber, hält die Anzugskontrollen für fair.
DSV-Adler Markus Eisenbichler kritisiert den anonymen Hinweisgeber, hält die Anzugskontrollen für fair.

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Sollte das so stimmen, wäre das ein handfester Skisprung-Skandal.

Doch die deutschen Athleten glauben nicht so recht an Tricksereien und Pfusch bei der Anzugkontrolle. „Das ist immer ein schwieriges Thema. So ein Anzug ist an den eigenen Körper angepasst. Der Körper variiert, der Stoff variiert“, kommentierte Karl Geiger (29) die Thematik. Geiger weiter: „Ich glaube, unser Kontrolleur hat eine Linie, die er verfolgt, einen roten Faden. Er hat eine Grenze, und ich würde nicht behaupten, dass es irgendwie abartig ist.“

Pikant: Seit vergangenem Sommer ist der Österreicher Christian Kathol Materialkontrolleur im Weltcup. Im Mai hatte er das Amt von Mika Jukkara übernommen. Der Finne war als Kontrolleur nicht unumstritten und sorgte unter anderem bei Olympia 2022 in Peking durch die Disqualifikationen mehrerer Springerinnen im Mixed-Teamwettbewerb für Kritik.

Skisprung-Skandal: Anzug-Kontrolleuer wurde ausgetauscht

Geigers Teamkollege Markus Eisenbichler (31) nimmt Jukkaras Nachfolger Kathol in Schutz: „Er macht sehr gute Kontrollen. Ich weiß ganz genau: Wenn es zu groß ist, misst er nach, dann bist du raus. Wir bewegen uns in einem guten Rahmen. Er disqualifiziert nicht immer sofort. Er ist total fair.“

Dem anonymen Springer, der behauptet, beim Skispringen sei Betrug an der Tagesordnung, kontert Eisenbichler: „Der Schweizer Kollege, der das gemacht hat, soll sich mal aufs Wesentliche konzentrieren.“

Auch DSV-Adler Andreas Wellinger (27) versteht die Vorwürfe nicht: „Ich finde es eine sehr gewagte Aussage. Es ist Leistungssport, jeder versucht, ans Limit zu gehen. Die Kontrollen laufen in meinen Augen 100-mal besser als letztes Jahr. Man sollte sich auf den Sport konzentrieren.“

Leichter gesagt als getan, wenn Betrug an der Tagesordnung sein soll …

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