Simon Geschke am Mont Ventoux. AP/Roth

Nach dem Triumph von Nils Pollitt (27) auf der 12. Etappe hat diese 108. Tour de France ihren ersten deutschen Helden. Die Solofahrt des Kölners weckte aber auch Erinnerungen und neue Begehrlichkeiten. Besonders bei Simon Geschke (35).

2015 war es, als sich der Sohn von Bahnrad-Legende Jürgen „Tutti“ Geschke (78) seinen bisher größten Tag als Radsportler bescherte. Er kam auf der 17. Etappe, einem richtig schweren Ritt durch die Berge von Digne-les-Bains nach Pra-Loup, nach runden 50 Kilometern als Solist als erster ins Ziel. Die Chance auf eine Wiederholung wird sich vielleicht in den Pyrenäen bieten. Berlins Bart kriegt von seinem Team jedenfalls freie Fahrt.

Wichtigster Helfer des Franzosen Guillaume Martin

Geschkes Haupt-Job ist es aber, Kapitän Guillaume Martin (28) als wichtigster Helfer in den Bergen zu unterstützen, der in der Gesamtwertung als einziger Franzose in den Top Ten liegt. Und auf anderer Ebene noch viel mehr herausragt: Martin ist studierter Philosoph, hat das Buch „Sokrates auf dem Rennrad“ geschrieben und war Kolumnist der Tageszeitung „Le Monde“.

Doch nicht nur die Arbeit für den schlauesten Profi im Feld macht Geschke Spaß, es ist sein ganzes neues Team. In nur wenigen Monaten fand er bei den Franzosen von Cofidis ein zweites Zuhause: „Der Staff ist schon seit Jahren zusammen. Dadurch entsteht eine tolle Atmosphäre und man kann Vertrauen aufbauen.“

Vertrag bis 2023 verlängert

Zunächst unterschrieb der Bergspezialist für ein Jahr. Doch schon im Juni einigte man sich auf eine Verlängerung bis 2023. „Das waren für uns großartige Neuigkeiten. Simon gehört zu unseren wichtigsten Fahrern“, sagte Manager und Ex-Profi Cedric Vasseur. Für Geschke sollte es eigentlich der letzte Vertrag der Karriere sein. Nun ist er stark am Grübeln und verriet: „Das Team hat schon gesagt, man könne sich nächstes Jahr mal neu unterhalten.“

Zukunftsmusik! Aktuell zählt bei seiner neunten Tour die Arbeit für Kapitän Martin und Erfüllung des Traums vom zweiten Etappensieg. In der Gesamtwertung liegt Geschke über eineinhalb Stunden zurück. Wenn er also wieder sein Herz in beide Beine nimmt, wird ihm keiner der Tour-Favoriten nachstellen. Das vergrößert die Chance aufs Durchkommen bei einem Solo erheblich. Jetzt muss sich die Chance nur noch bieten.