Sebastian Vettel sorgt mit seinem Protest gegen die homophobe Politik von Ungarn-Präsident Viktor Orban Aufsehen. Foto: Imago/Hoch zwei

Die Nachricht über die Disqualifikation vom Ungarn-GP erreichte Sebastian Vettel (34) im Flieger in die Schweiz. Und sie ließ ihn vom Glauben abfallen. Wegen eines Regel-Streits um läppische 0,7 Liter Benzin sollte er seinen zweiten Platz verlieren. Oder steckt noch etwas anderes dahinter? Mit seinem Regenbogen-Protest gegen die homophobe Politik von Ungarn-Präsident Viktor Orban (58) hatte er auch den Weltverband Fia provoziert.

Aston-Martin-Chef zweifelt

Die Fakten: Nachdem Vettel seinen Aston Martin auf der Ehrenrunde wegen einer defekten Benzinpumpe abgestellt hatte, konnten die Fia-Kontrolleure statt der vorgeschriebenen 1,0 nur 0,3 Liter Benzin aus dem Tank entnehmen. Doch Aston-Martin-Teamchef Otmar Szafnauer (56) beharrte: „Nach unseren Berechnungen sollten sich noch 1,44 Liter Benzin im Auto befinden. Und zwar, nachdem die 300 Milliliter an Probe entnommen wurden.“ Sein Verdacht: „Es sieht danach aus, dass die Förderpumpen das Benzin nicht aus dem Auto kriegen.“

Problem: Das interessiert die Fia nicht. Im Reglement steht glasklar, dass die Kontrolleure den einen Liter Sprit aus dem Tank entnehmen können müssen – deshalb die Disqualifikation.

Dagegen reichte Aston Martin dennoch einen Protest ein, weshalb die Fia Vettel auf dem offiziellen Endklassement vorerst weiter als Zweiten führt. Szafnauer erklärt: „Das Auto wurde von der Fia beschlagnahmt. Wir müssen beweisen, dass das Benzin noch da war, und dass 300 Milliliter genug sind für eine repräsentative Probe. Das wird die Basis unseres Protests sein.“

Strafe für Regenbogen?

Die Regel mit der Vor-Ort-Entnahme relativiert der Teamchef: „Das ist eine alte Regel, die zurückreicht in die Zeit, bevor wir all die Messungen und Sensoren hatten.“ Aber Regel ist nun mal Regel, deshalb werden die Chancen für einen erfolgreichen Protest als gering eingestuft.

Und dann besteht da noch der Verdacht, die FIA habe Vettel  für seine Regenbogen-Shirt-Aktion bei Ungarns Hymne einen schmerzhafteren Denkzettel verpassen als die erste Verwarnung. Pikant: ein TV-Interview zuvor. In dem hatte Vettel vor der Zeremonie zugegeben: „Ich habe das Regenbogenshirt bei der Nationalhymne angelassen und gehört, dass ich dafür eine Geldstrafe bekommen soll. Sollen sie mich doch disqualifizieren, sie können tun und lassen, was sie wollen. Ist mir egal, ich würde es wieder tun.“

Letzte Warnung für Vettel?

Das war eine ähnliche freche Provokation der Fia wie Vettels Beschimpfung des verstorbenen Renndirektors Charlie Whiting (†66) im Mexiko-GP 2016 („Hier ist eine Nachricht für Charlie: Fuck off!“), für die er sich zwar später entschuldigte, aber auch danach immer wieder als Provokateur auffällig wurde.

So auch 2019 in Montreal, als er sich nach einem Verteidigungsmanöver gegen Lewis Hamilton (36) von der Rennleitung um den Sieg betrogen fühlte und dessen Nummer-1-Schild vor seinen Ferrari stellte.

Vielleicht will ihm die Fia mit der Ungarn-Disqualifikation ein letzte Warnung erteilen, sonst droht bald eine Rennsperre.