TV-Experte Ralf Schumacher gibt Ferrari im Streit mit Racing Point einen vor den Bug.  Foto: imago images Christian Schroedter

Auf der Strecke blamiert Ferrari-Teamchef Mattia Binotto (50) den degradierten Sebastian Vettel (33) mit seiner Roten Gurke. Motorschaden im dritten Training, nur 12. Startplatz im Qualifying zum zweiten Silverstone-GP „70 Jahre Formel 1“ (Sonntag, 15.10 Uhr, RTL). Eine Schande. Und hinter den Kulissen blamiert sich Ferrari mit dem Protest gegen die rosa Mercedes-Kopie von Racing Point, in der Nico Hülkenberg (32) auf Rang drei raste.

Vettel legte schonungslos offen, wie lahm seine Rote Gurke ist: „Ich habe alles aus dem Auto rausgeholt und war zufrieden mit meinen Runden. Aber mehr war nicht drin.“

Binotto-Liebling Charles Leclerc (22) schaffte es dagegen locker in die Top Ten, strandete dann aber auf Rang acht.

Auf der Pole-Position steht im Jubiläums-GP der mit einem neuen Mercedes-Vertrag ausgestattete Valtteri Bottas (30), der Weltmeister Lewis Hamilton (35) die Pole wegschnappte.

Hülkenberg rast auf Rang drei

Wirklich sensationell ist aber die Leistung von Hülkenberg, der erneut den corona-infizierten Mexikaner Sergio Perez (30) ersetzt und Stammpilot Lance Stroll (22) klar distanzierte. Was für eine Genugtuung nach seinem durch einen Motorschaden verhinderten Formel-1-Comeback am Vorsonntag.

„Das sind wirklich verrückte Tage für mich. Ich bin ehrlich gesagt etwas überrascht, hier zu stehen“, sagte Hülkenberg. Aber der Emmericher hat „Blut geleckt“ und will vom dritten Startplatz endlich seinen 177 Rennen andauernden Podiumsfluch brechen: „Ich werde von da vorne natürlich alles geben und werde versuchen, das Auto auf der Strecke halten.“

Doch der Speed von Hülkenbergs „Pink Panther“ ruft einen Riesen-Protest hervor. Trotz der Strafe gegen Racing Point (400.000 Euro und Abzug von 15 WM-Punkten) für das illegale Kopieren der Bremsbelüftungen des 2019er-Mercedes W10 fordern die Rivalen Ferrari, Renault, McLaren und Williams eine härtere Bestrafung.

Denn trotz des vom FIA-Delegierten Nikolas Tombazis (52) nach erneuter Prüfung der Bremsbelüftungen festgestellten illegalen Kopierprozesses darf Racing Point sie in dieser Saison weiter nutzen.

„Das ist wie bei einem Eisberg, im Moment handelt es sich nur um die Spitze des Eisbergs“, behauptet Binotto, dass Racing Point noch mehr Teile von Mercedes zum Kopieren erhalten habe als nur die Bremsbelüftungen. Das dementieren Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer (55) und der als Aston-Martin-Teilhaber doppelt verdächtige Mercedes-Teamchef Toto Wolff (48).

McLaren pestet gegen Racing Point

Doch selbst McLaren-Boss Zak Brown (48) als künftiger Mercedes-Kunde schimpft über Racing-Point: „Sie haben behauptet, den Wagen nur anhand von Fotos kopiert zu haben. Wenn man aber das FIA-Dokument liest, wird klar, dass das kompletter Mist ist.“

Szafnauer schießt zurück: „Ich bin überrascht, wie wenig Zak von Technik versteht. Wir haben die Bremsbelüftungen im Jahr 2018 von Mercedes legal erworben und uns davon für die aktuellen inspirieren lassen.“

Natürlich misstraut auch Binotto dem Mercedes-Klüngel und fordert die FIA zum Durchgreifen auf: „Es geht um das ganze Konzept des Kopierens. Dürfen wir oder dürfen wir nicht ein ganzes Konzept kopieren.“

Doch auch der Ferrari-„Pinocchio“ fängt sich einen Konter von Szafnauer. Er wirft der Scuderia Schummelei mit den Kundenteams vor: „Haas ist schon 2015 mit einem gebrauchten Ferrari gefahren.“

Und auch Sky-Experte Ralf Schumacher (45) findet: „Bei der Thematik Racing Point sollte Ferrari die ersten sein, die die Klappe halten.“   Was er meint: Die Scuderia selbst war mit ihrem Schummel-Motor dank des Geheim-Abkommens mit der FIA straffrei davon gekommen.