Seit gemeinsamen Zeiten bei Ferrari mehr als nur gute Freunde: Michael Schumacher und Ex-Teamchef Jean Todt.  Foto: Imago/HochZwei

Der 29. Dezember 2013, Michael Schumachers (52) Schicksalstag. Vor acht Jahren verunglückte der Renngott beim Skifahren in Méribel so tragisch, dass er als Pflegefall abgeschottet auf seinem Schweizer Anwesen lebt. Schumis Formel-1-Rekord bleibt durch den verpassten achten Titel von Lewis Hamilton (36) noch mindestens ein Jahr bestehen, doch seine Familie und engsten Freunde halten auch die Erinnerung an den Menschen Michael lebendig.

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Jean Todt (75) ist einer der wenigen engen Vertrauten, der Schumi seit dem Unfall stetig in der Reha besucht. Sein langjähriger Ferrari-Teamchef enthüllte sogar, dass er mit dem Patienten die Rennen im TV schaue. Jetzt, nachdem der von Todt protegierte Sohn Mick (22) seine erste Formel-1-Saison absolviert hat und er selbst als Fia-Präsident aufhört, blickt der Franzose noch einmal auf seine Zeit mit Schumi zurück.

Erste Begegnung in Osaka

„Mir fehlt Michael jeden Tag“, sagt Todt, den der Kerpener in den schwierigen Anfangsjahren bei Ferrari gestärkt und später mit fünf WM-Titel in Serie zur Legende gemacht hatte.

Doch seine erste Begegnung mit Schumi hatte er schon vor 30 Jahren: „Ich glaube, das erste Mal habe ich ihn 1991 auf dem Flughafen von Osaka getroffen. Damals fuhr er für Mercedes in der Sportwagenmeisterschaft und ich war der Teamchef bei Peugeot.“

„Äußerst brillanter Stil“

Und schon damals habe Schumi ihn beeindruckt: „Ich erinnere mich, dass ein Fahrer einen äußerst brillanten Stint hingelegt hatte, und ich fragte nach, wer das war. Man sagte mir: Es war ein junger Fahrer namens Schumacher.“

Der mischte ab dem Debüt in Spa die Formel 1 auf, gewann mit Benetton zwei WM-Titel, bevor er Ferrari aus dem Chaos in die Erfolgsspur führte.

Schumis Vertrauen war so wichtig

Todt gesteht im Rückblick: „Ich bin am 1. Juli 1993 zu Ferrari gekommen und wir haben 1999 unseren ersten Konstrukteurs-Titel gewonnen, dann 2000 mit Michael den ersten Fahrer-Titel. Das war eine lange Zeit, in der ich mich oft gefragt habe, ob wir das anvisierte Ziel erreichen.“

Und er betont, wie wichtig Schumis Vertrauen war: „Wir hatten oft schwierige Prüfungen zu bestehen, in denen wir uns immer sehr einig blieben. Ich glaube, wir hatten den gleichen Ehrgeiz, die gleiche Einstellung zur Arbeit, zum Engagement. Und dann haben wir verstanden, dass wir uns gegenseitig brauchen.“

Zoff gab's nur beim Spielen

Die unglücklich verpassten Titel von 1997 bis 1999 hätten sie zusammengeschweißt und auch in den Erfolgsjahren stets wachsam bleiben lassen: „Die Arbeit, die Angst vor dem Verlieren, das Engagement und ein ständiger Fokus. Ich denke, es ist wie bei einem Athleten, der eine 200 Kilogramm schwere Hantel tragen muss. In dem Moment, in dem er sie loslässt, fällt sie herunter. Es war wichtig, sie nicht fallen zu lassen.“

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Aus dem Vertrauensverhältnis wurde eine Freundschaft, die über das Ende ihrer Ferrari-Ära und den Unfall hinweg andauert. Gab es da nie Streit? Todt schmunzelnd: „Außerhalb der Arbeit, wenn wir Backgammon oder andere Spiele spielten, gab es vielleicht ein wenig Spannung, da er nicht gerne verliert und ich auch nicht. Aber das war wirklich außerhalb der Arbeit.“