Alexander Zverev kämpfte sich in die Partie, schlug Tennis-Dominator Novak Djokovic im Olympia-Halbfinale.  dpa

Alexander Zverev blickte nach einem der größten Siege seiner Karriere überwältigt gen Himmel, dann vergrub er das Gesicht in beiden Händen, sackte in die Knie und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Die deutsche Nummer eins hat im Halbfinale des olympischen Tennisturniers den scheinbar unbezwingbaren Novak Djokovic aus dem Weg geräumt und Tennis-Ikone Steffi Graf ihrem Rekord gesichert. Nun steht Zverev selbst auf der Schwelle zum Olymp – Gold ist nur noch zwei Sätze entfernt.

„Das ist einer der stolzesten Momente meiner Karriere - wenn nicht sogar der stolzeste“, sagte Zverev total ergriffen, nachdem er im Halbfinale von Tokio Djokovics Traum vom Golden Slam wie eine Seifenblase hatte platzen lassen. „Ich habe jetzt eine Medaille für Deutschland geholt“, sagte die Nummer fünf der Welt: „Das ist ein unglaubliches Gefühl.“

In einem wahren Krimi kämpfte sich der Hamburger  zurück in die Partie, siegte mit 1:6, 6:3, 6:1 gegen den Grand-Slam-Rekordchampion aus Serbien. 

Zverev rettet Steffi Grafs Rekord

Im Endspiel am Sonntag kämpft der 24-Jährige gegen Karen Chatschanow um die erste Goldmedaille für den Deutschen Tennis Bund (DTB) im Männer-Einzel überhaupt – und ist klar favorisiert. Vor 21 Jahren in Sydney hatte Tommy Haas Silber gewonnen.

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Verlor im zweiten Satz gegen Sascha Zverev bei Olympia völlig den Faden und konnte es nicht fassen: Serbiens Novak Djokovic. 

Gleichzeitig verteidigte Zverev das Alleinstellungsmerkmal der deutschen Ikone Steffi Graf. Sie bleibt der einzige Tennisprofi, der den sogenannten Golden Slam schaffte, den Gewinn aller vier Grand-Slam-Turniere und der olympischen Goldmedaille in einem Kalenderjahr. Graf gelang dies 1988, Djokovic hat in diesem Jahr bereits die Major-Titel in Melbourne, Paris und Wimbledon geholt.

„Es ist wichtig, dass Sascha aktiv und offensiv spielt und die Punkte beherrscht“, sagte Bundestrainer Michael Kohlmann, der neben Doppel-Spezialist Kevin Krawietz von der Tribüne aus anfeuerte. Und Zverev ging von Beginn an hohes Risiko ein und gab in den Grundlinienduellen den Ton an, doch mit einem völlig missratenen Überkopfball leitete der 24-Jährige Djokovics erstes Break zum 3:1 ein. Der Serbe wurde dominanter, Zverev streute leichtere Fehler ein.

Sascha Zverevs sensationelles Comeback

Mit Satz eins in der Tasche bot Djokovic dem Deutschen auf einmal Chancen, doch der nahm diese nicht an. Der Frust saß entsprechend tief: Erst pfefferte Zverev seinen Schläger auf den Court, nach Djokovics Break zum 3:2 feuerte er einen Ball entnervt auf die oberen Ränge, das Match schien entschieden – doch dann startete Zverev sein sensationelles Comeback.

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Zu Tränen gerührt: Alexander Zverev ließ seinen Emotionen nach dem gewonnen Olympia-Halbfinale freien Lauf. 

Acht (!) Games in Folge gewann er, mit jedem Punkt wurde die Brust breiter – so hilflos hatte man Djokovic schon lange nicht mehr gesehen, Zverev spielte wie im Rausch. Nach 2:03 Stunden versetzte er dem gescheiterten Jäger des Golden Slam den K.o, DOSB-Präsident Alfons Hörmann jubelte auf der Tribüne ausgelassen mit.

Der letzte Sieg gegen den Ausnahmekönner lag bereits zweieinhalb Jahre zurückgelegen, als Zverev im Endspiel der ATP Finals den bislang größten Titel seiner Karriere holte. Der Gewinn einer Olympiamedaille, womöglich sogar einer goldenen, kann da mindestens mithalten.

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