Toni Kroos bricht ein Interview mit ZDF-Reporter Nils Kaben ab nach dem 1:0 von Real Madrid gegen den FC Liverpool im Finale der Champions League. Imago/Moritz Müller

Er war Weltmeister. Jetzt holte er Henkelpott Nummer fünf!  Mehr geht kaum. Selbst Cristiano Ronaldo – neben Lionel Messi der Anwärter für den Titel „Goat“ (Greatest of all times) – kommt auf die gleiche Anzahl an Titeln in den Königsklassen. Toni Kroos schreibt mit Real Madrid Geschichte. Richtig gewürdigt wird das hierzulande eher nicht. Beim Interview mit ZDF-Reporter Nils Kaben platzte dem Mittefeldspieler der Kragen. Er brach das Gespräch ab.

Die Wertschätzung in Deutschland fliegt Kroos nicht zu. Vielleicht reagierte er deshalb so genervt, als ZDF-Reporter Nils Kaben nach dem Spiel zweimal fragte, warum das Team derart in Bedrängnis geraten war. „Du hattest 90 Minuten Zeit, dir vernünftige Fragen zu überlegen, dann stellst du mir zwei so Scheißfragen – das ist Wahnsinn“, rief Kroos und dampfte ab.

Der gebürtige Greifswalder konnte sich kaum beruhigen. Als er noch einmal an der ZDF-Kamera vorbeikam, konnte man „Ganz schlimm. Ganz schlimm, wirklich“ vernehmen. Als Kroos schon unterwegs zum nächsten Interview war, ertönte noch im ZDF aus dem Hintergrund: „Du stellst erst drei negative Fragen. Da weißt du schon, dass du aus Deutschland kommst.“

Deutschland kritisiert seine Großen gern

Es scheint eine typisch deutsche Eigenschaft zu sein, dass immer an den Großen rumgekrittelt wird. Boris Becker, der derzeit eine Haftstrafe in London wegen Insolvenzbetruges verbüßt, konnte das jüngst erfahren. Bei Franz Beckenbauer gab die (mediale) Öffentlichkeit so lange keine Ruhe, bis man der Lichtgestalt im Zuge der Sommermärchen-Affäre das Licht ausgeknipst hatte. Kroos selbst wird von der Masse eher respektiert denn geliebt. Schon vor dem Finale war klar, dass die Sympathien Liverpool und Jürgen Klopp gehören würden, nicht aber den Königlichen um Kroos.

Es dauerte, bis Kroos sich beruhigt hatte. Erst als er fünf Finger und dann den Henkelpott in die Luft streckte, war der Ärger verraucht. „Fünfmal das Ding zu gewinnen, das ist unfassbar“, sagte Reals Passmaschine voller Stolz. Das übrigens erst vor den Mikrofonen des auch übertragenden Streamingdienstes DAZN!

Kroos wird respektiert, kaum geliebt

„Ich habe vor der Saison nicht damit gerechnet, dass wir ins Finale kommen können. Geschweige denn es gewinnen“, sagte Kroos nach dem 1:0 gegen Liverpool. Zwar war die Elf von Jürgen Klopp die bessere Mannschaft, der Sieg ging aber an die eiskalten Madrilenen.

Seit acht Jahren hat der 32-Jährige bei Real einen Stammplatz, doch in Deutschland wird er das Image des „Querpass-Toni“ nicht los. Uli Hoeneß hatte vor einem Jahr sogar erklärt, Kroos passe „nicht mehr in den Fußball“. Und nicht wenige machten an ihm das peinliche Vorrunden-Scheitern bei der WM in Russland vor vier Jahren persönlich fest. Wie falsch Hoeneß liegt, bewies Kroos am Samstag mit einer abgeklärten Leistung. „Real Madrid ist unsterblich. Diese Mannschaft hat Legendenstatus“, schrieb die Zeitung Marca.

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