Formel-1-Pilot Sebastian Vettel fährt seit dieser Saison für Aston Martin - und den Top-Teams hinterher.  dpa

Vier Wochen Sommerpause mit seiner Familie milderten Sebastian Vettels (34) Wut über seine Disqualifikation in Budapest. „Das Podium wird aus den Büchern gelöscht, aber nicht aus unserem Gedächtnis. Es war bitter, aber das sind die Regeln“, sagte der Aston-Martin-Pilot über die Posse, als FIA-Pedant Jo Bauer (60) statt des vorgeschriebenen einen Liters nur 0,3 Liter Benzin aus seinem Wagen zapfen konnte.

Vettel stützt vor dem Belgien-GP (Sonntag, 15 Uhr, Sky) die Team-Version von einer defekten Benzinpumpe: „Wir wussten nicht, dass wir ein Problem hatten. Wir hatten keinen Vorteil und hatten auch keine schlechten Absichten.“ Komplett verschmerzt hat der ehrgeizige Ex-Weltmeister den Verlust von Platz zwei an Lewis Hamilton (36) aber nicht: „Es ist vor allem sehr enttäuschend, dass das Team die Punkte verliert, aber wir können nichts machen.“

Vettel in der WM-Wertung nur Zwölfter

Die Benzin-Panne war ein erneuter Rückschlag für Vettel, der als WM-Zwölfter mit nur 30 Punkten aus elf Rennen und 165 Zählern Rückstand auf Spitzenreiter Hamilton meilenweit hinter seinen Ansprüchen herfährt.

Und sie wirft erneut kein gutes Licht auf das Aston-Martin-Team, das im Vorjahr als Racing Point eine rosa Mercedes-Kopie einsetzte und sich nach dem schwachen Saisonstart einen Dauerstreit mit der FIA um deren Regeländerungen in Sachen Aerodynamik lieferte. Die von Teambesitzer Lawrence Stroll (62) angedrohte Klage wurde allerdings ebenso wenig eingereicht wie die Berufung gegen die Vettel-Disqualifikation.

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Sebastian Vettel freut sich über die Plätze sieben und acht im Training des Belgien-GP. In dieser Saison hatte er dagegen bisher wenig Grund zum Lachen. 

Für Ralf Schumacher (46), der selbst für das Vorgängerteam von Eddie Jordan (73) fuhr, hat die Teamführung Fehler gemacht. „Das was Stroll vorhatte – sich über gute Connections zu anderen Formel-1-Teamchefs Know-how zu besorgen – hat nur bedingt funktioniert. Das lernt er jetzt gerade schmerzhaft“, sagt Ralf bei „F1-Insider.com“ über Strolls umstrittene Partnerschaft mit Mercedes-Teamchef Toto Wolff (49). Die wird nun von der britischen Finanzaufsicht auch im Hinblick auf Insiderhandel mit Aston-Martin-Aktien durchleuchtet.

Schumacher stellt Vettel Sinnfrage 

Stroll rüstet das Team mit vielen Millionen zwar weiter auf und lässt einen modernen Windkanal bauen, doch ob Vettel dadurch nach der großen Regel-Reform 2022 ein siegfähiges Auto bekommt, glaubt Ralf Schumacher nicht: „In der Formel 1 funktioniert das einfach nicht in einem Jahr. Ich möchte daran erinnern, wie lange es bei Mercedes gedauert hat.“

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Nach harzigem Beginn mit Bruder Michael (52) gewann Hamilton erst im fünften Jahr des neuen Werksteams den ersten Titel. Eine lange Zeit, die Vettel nicht mehr hat. Dessen Motivation stellt Schumi II zwar nicht in Frage, doch er sagt: „Man sieht ja das Lächeln bei den Rennen, wenn er vorne fährt. Er gibt sich auch Mühe, nicht allzu finster dreinzuschauen, wenn es mal nicht so läuft.“ Doch letztlich könne nur Vettel selbst die Frage beantworten, wie lange er noch fahren möchte: „Wie lange will er morgens noch aufstehen und sein Leben riskieren, besonders wenn er nur im Mittelfeld rumfahren kann?“