Sieht sich mit unangenehmen Fragen konfrontiert: Dieter Stein. Foto: imago images/Adriano Coco

Berlin - Am Wochenende wurden die Corona-Schutzregeln im Velodrom einfach mal ausgeblendet. Vier Radsportler fuhren unter Anleitung eines OSP-Trainers in einem Raum ohne Fenster das Rennen in der virtuellen Bundesliga mit. Das Video wurde auf der Facebook-Seite des Landestrainers veröffentlicht. Von „Wir bleiben zu Hause“ haben die fünf und der Videomann wohl noch nichts gehört.

Rumms. Diese Nachricht ließ die Drähte zwischen Radsportverband, Olympiastützpunkt, Landessportbund und Senat glühen. Dabei ging es nicht allein um drakonische Strafen, die Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall drohen den Beteiligten fünf Jahre Knast. Da ist die vierstellige Geldstrafe noch das geringere Übel.

Was war passiert? In der virtuellen Bundesliga schnappen sich die Sportler in Corona-Zeiten normalerweise ihre Rolle, fahren das Rennen in heimischer Umgebung. Das Berliner TSC-Team begab sich allen Verboten zum Trotz ins Velodrom.

Gab keine Ausnahmegenehmigung

Das ist für den Sportbetrieb geschlossen, alles ist bis auf das Notwendigste runtergefahren. Auch die Lüftungsanlage, die den speziellen Kellerbau normalerweise bis in den letzten Winkel versorgt. Trotzdem kamen die fünf Personen in ihr Umfeld, in dem sie sich vorm Ausbruch der Pandemie so heimisch fühlten.

Eine Ausnahmegenehmigung ist weder Hallenbetreiber Velomax bekannt, noch vom Senat genehmigt. Und doch fuhren die vier unter der Aufsicht von Olympiastützpunkttrainer Nick Kracik ihr Rennen in der virtuellen Bundesliga im Velodrom.

Mit grenzwertigem Abstand zueinander, aber auf jeden Fall ohne Anstand. Höhepunkt des dreisten Coups war das dann auf der Facebookseite von Landestrainer Dieter Stein hochgeladene Video mit dem Dank an alle Sponsoren. Ob die da so glücklich drüber sind? In einem Tweet hatte der BRV am 15. März selber sogar ausdrücklich draufhingewiesen, dass im velodrom kein Training mehr möglich ist.

Die Aktion widerspricht auf den ersten Blick den geltenden Regeln. Olympiastützpunktleiter Harry Bähr bittet aber in der Angelegenheit um Geduld und will erst nach einer genauen Prüfung Stellung beziehen. Schließlich wurden in den vergangene Wochen für Sportler so manch kreative Trainingslösung gefunden. Auch beim Landessportbund wird fieberhaft untersucht. Unter Einbeziehung der Rechtsabteilung. Die ist spätestens im Boot, wenn es wirklich zur einer Strafanzeige kommt.