Torwart Iwan Fedotow (25) gewann in Februar mit Russland Olympia-Silber. Sein NHL-Traum platzte nun wegen Russlands Krieg in der Ukraine.
Torwart Iwan Fedotow (25) gewann in Februar mit Russland Olympia-Silber. Sein NHL-Traum platzte nun wegen Russlands Krieg in der Ukraine. Imago/SNA

Sein großer Traum ist erst mal geplatzt! Russlands Eishockey-Nationaltorwart Iwan Fedotow wollte in Kürze zum NHL-Team Philadelphia Flyers wechseln und in die USA reisen. Stattdessen wurde der 25-Jährige nun festgenommen und in den Norden Russlands verchleppt. Der scheinheilige Grund laut Russlands Staatsmedien: Fedotow habe sich dem Wehrdienst entziehen und inmitten des Ukraine-Konflikts aus dem Staub machen wollen. 

Es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie willkürlich es unter Präsident Wladimir Putin in Russland zugeht. Fedotow, eigentlich ein Nationalheld und in ganz Russland sehr beliebt, wurde am Freitag unmittelbar nach dem Training in Sankt Petersburg auf dubiose Weise festgenommen. Unbekannte sollen ihn festgehalten, in einen Kleinlaster gepackt und ins Kreiswehrersatzamt gebracht haben.

Nach einem mehrstündigen Aufenthalt dort habe Fedotow über Übelkeit geklagt und wurde nach Angaben seines Anwalts Alexej Ponomarew zunächst in ein Krankenhaus gebracht.

Iwan  Fedotow soll nach Nordrussland verschleppt worden sein 

Inzwischen wurde er laut der Nachrichtenagentur Tass und seinem Anwalt nach Seweromorsk in der Region Murmansk geschickt, wo sich ein wichtiger Marinestützpunkt befindet. „Voraussichtlich wird er seinen Dienst in einer der Militäreinheiten ableisten, die auf der Insel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer liegen“, sagte ein anonymer Sprecher der russischen Sicherheitsorgane. Nowaja Semlja ist auch als ehemaliges sowjetisches Atomtestgelände bekannt.

Russlands Eishockey-Nationaltorwart Iwan Fedotow gewann mit ZSKA Moskau im April den Gagarin Cup.
Imago/TAR-TASS
Russlands Eishockey-Nationaltorwart Iwan Fedotow gewann mit ZSKA Moskau im April den Gagarin Cup.

Die einjährige Wehrpflicht ist in Russland wegen umstrittener Aufnahmerituale, der körperlichen Anstrengungen und inzwischen auch der Furcht vor einem Einsatz in der Ukraine äußerst unbeliebt.

Die Nachrichtenlage ist dennoch nicht ganz klar. Die russische Sportzeitung Sport-Express und die Website Fontanka berichteten am Montag, der Eishockey-Profi sei in die Stadt Sewerodwinsk in der benachbarten Region Archangelsk gebracht worden.

Fall Fedotow : ZSKA-Spieler offiziell auch Streitkräfte

Fedotow spielte zuletzt in Moskau, bei den Olympischen Spielen 2022 gewann er mit seiner Mannschaft die Silbermedaille. Fedotow wollte ab der kommenden Saison für die Philadelphia Flyers in der NHL auflaufen. Der Klub hatte ihn bereits im Jahr 2015 gedraftet. In der zurückliegenden Saison hatte der russische Nationalspieler als Torwart mit ZSKA Moskau den Gagarin Cup gewonnen. Sein Vertrag lief Ende Juni aus.

Der Kolumnist Anton Orech vermutet, dass die Einberufung Fedotows damit zusammenhängt, dass die ZSKA-Führung verärgert über den Wechsel war. Die Beziehungen zwischen Russland und den USA sind seit Beginn des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine äußerst angespannt. Als Spieler von ZSKA war der 25-jährige Fedotow offiziell Angehöriger der russischen Streitkräfte.

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