FFP2-Maske und Schutzbrille: Die Polizei in Peking bereitet sich auf die Olympischen Winterspiele in Corona-Zeiten vor. Imago

Bloß nicht infizieren! Gut drei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele von Peking ist die Sorge vor einer Corona-Ansteckung massiv. Rigorose Kontaktbeschränkungen, Änderungen der Reisepläne und der Verzicht auf Wettkämpfe sind die Folgen.

Die Lage ist mittlerweile so dramatisch, dass es sich für viele Athleten der deutschen Mannschaft bereits nach einem kleinen Olympia-Sieg anfühlen wird, wenn sie die Anreise aufgrund der tobenden Omikron-Welle unbeschadet zu den Winterspielen nach Peking schaffen.

Corona trifft deutsche Biathleten

Die Sorge vor der neuen Coronavirus-Variante, die sich von Westen her gerade rasant in Europa verbreitet, ist immens und drängt den vorolympischen Alltag fast schon in den Hintergrund. Jan Wüstenfeld, Arzt der deutschen Biathleten, wird deutlich: „Wir haben die große Sorge, dass sich jetzt noch jemand infiziert. Bei Omikron ist die Gefahr sehr hoch, dass dann gleich das ganze Team infiziert ist.“

Direkt am Mittwoch schreckten sie dann auch kurz auf im deutschen Biathlon-Lager beim Weltcup in Ruhpolding, als der positive Test von Johannes Kühn bekannt wurde. Alle weiteren zusätzlich durchgeführten PCR-Tests bei den Mitgliedern des deutschen Teams fielen in Bayern negativ aus, teilte der Verband mit. Ob neben Kühn noch weitere Athleten in die Isolation müssen, ist noch offen. Zuvor hatte sich bereits Medaillenhoffnung Franziska Preuß infiziert.

Erst Anfang der Woche mahnte der deutsche Olympia-Arzt Bernd Wolfarth die Athleten in einem Brief zur Vorsicht, sich gerade in dieser finalen Phase vor den Spielen (4. bis 20. Februar) nicht unnötigen Kontakten auszusetzen. „Es ist jetzt eine Herausforderung, die Olympischen Spiele zu erreichen“, sagte Wolfarth und meinte damit nicht die Nominierungskriterien. „Die Tendenz bei Neuinfektionen geht nach oben. Wir sind auch im Sport mit vermehrt positiven Fällen bei Athleten konfrontiert.“ Passend dazu meldete das Robert-Koch-Institut am Mittwoch so viele Neuinfektionen binnen 24 Stunden in Deutschland wie nie zuvor.

Abschottung als einzige Alternative

Bei den Verbänden schrillen die Alarmglocken längst unüberhörbar – und es werden Pläne kurzfristig angepasst. So verzichten die Biathleten nach ihrem finalen Trainingslager in Antholz auf den geplanten Inlandsflug von München nach Frankfurt, fahren lieber in Autos direkt zum Flughafen in die Bankenmetropole. Wüstenfeld: „Es war geplant, dass die Athleten nach Antholz noch einmal ein, zwei Tage nach Hause dürfen. Das haben wir geändert. Wir versuchen, die Blase so eng wie möglich zu halten.“

Das wird bereits beim aktuell laufenden Weltcup in Ruhpolding praktiziert. Die Mitarbeiter des Hotels schickte man kurzerhand nach Hause, selbst einen eigenen Koch brachte man mit. Die Athleten bewohnen Einzelzimmer, beim Essen gibt es eine feste Sitzordnung. Mehr als zwei Sportler sitzen nicht an einem Tisch. Dazu müssen FFP2-Masken getragen werden. Kurz vor Weihnachten wurde allen Athleten eine Booster-Impfung in der einzigen längeren Wettkampfpause angeboten.

Das Bob- und Skeletonteam setzt auf komplette Abschottung. Am 23. Januar beziehen die Athleten ein Trainingslager in Kienbaum, in dem sie bis zum Abflug sechs Tage später nach Peking bleiben. Bundestrainer René Spies: „Wir wollen uns mit der Maßnahme gegen Einflüsse von außen schützen.“ Alle Sportler sind bereits doppelt geimpft, viele waren zudem schon infiziert. Eine Booster-Impfung wurde ebenfalls angeboten.

Sogar auf Wettkämpfe wird verzichtet

Die deutschen Eisschnellläufer, die am vorigen Wochenende an der EM in Heerenveen teilnahmen, waren bereits alle geboostert. Der Verband ergriff noch zusätzliche Maßnahmen. Analog zu den Biathleten waren alle Sportler in Einzelzimmern untergebracht, auf den Shuttle zwischen Hotel und Halle wurde verzichtet. Nur nichts riskieren so kurz vor den Spielen. „Da ist jeder selbst gefordert. Wir unterstützen das als Verband“, sagte Sportdirektorin Nadine Seidenglanz. Man habe eine sehr gute Corona-Taskforce und den Athleten den klaren Hinweis gegeben, sich den Booster zu holen.

Da selbst die Schaffung von eigenen Blasen und weitere Impfungen keinen hundertprozentigen Schutz bieten können, wird Sportlern nahegelegt, gezielt auf Wettkämpfe zu verzichten. „Das ist natürlich leichter gesagt als getan, weil viele noch in der Quali stecken“, sagte Olympia-Arzt Wolfarth, der vor seinen zehnten Spielen steht. Aber wenn man die Infektionszahlen aus Frankreich, Großbritannien oder den USA sehe, „dann sind das gewaltige Zahlen. Das schürt Ängste.“

Das aktuelle Infektionsgeschehen kippt sogar ganze Weltcups. Zu Beginn der Woche wurden die Rennen der Nordischen Kombinierer und Skilangläufer in Planica abgesagt. In der slowenischen Wintersport- Hochburg könne laut Mitteilung des Weltverbandes Fis nicht die Sicherheit der Beteiligten garantiert werden.

Wenn das nur ein Vorgeschmack auf die kommenden drei Wochen war, würde es die Alpinen besonders hart treffen. Denn in der nächsten Woche steht ausgerechnet das prestigeträchtige Speed-Spektakel in Kitzbühel auf dem Programm.

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